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Uli Hoeneß wird am Ende des Jahres vom Manager zum Präsidenten beim FC Bayern © getty

Der Manager rechnet mit dem Ex-Bayern-Trainer ab. Klinsmanns TV-Interview bringt ihn Rage. Auch Jauch bekommt sein Fett weg.

Über den FC Bayern berichtet Daniel Rathjen

München - Die Stimme wurde plötzlich schneidend.

Nach dem 2:1-Erfolg gegen den VfB Stuttgart (SPIELBERICHT: Bayern sichert sich Platz zwei) und der geglückten Qualifikation für die Champions-League rechnete Uli Hoeneß mit Jürgen Klinsmann ab.

Bevor die neue Saison geplant wird (Schon alles klar mit Gomez?), bekam der geschasste Trainer in der Mixed-Zone der Allianz Arena noch sein Fett weg.

"Ich habe in Latein gelernt: si tacuisses, philosophus mansisses - das bedeutet: Wenn du geschwiegen hättest, wärst Du ein Philosoph geblieben", sagte Hoeneß zu Sport1.de - und bekräftigte die Aussage danach noch mehrfach.

Klinsmann hatte in seinem ersten öffentlichen Auftritt nach seinem Rauswurf am Mittwoch bei "Stern-TV" die Klubführung des FC Bayern kritisiert.

Der Ex-Coach hatte zudem betont, von seiner Entlassung überrumpelt worden zu sein - was Hoeneß so nicht stehen lassen wollte.

Vier-Augen-Gespräch zu Hause

"Ich habe Jürgen am Tag nach dem Spiel in Barcelona privat bei mir zu Hause gesagt: Wenn wir noch ein Bundesliga-Spiel verlieren, wird es eng für dich. Deshalb war ich sehr überrascht, dass er darauf nicht vorbereitet gewesen sein will", so Hoeneß.

Gesehen habe er den TV-Auftritt zwar nicht. Er sei zu dem Zeitpunkt in einer Basilika in Kempten gewesen.

Aber im DSF-Doppelpass legte Hoeneß am Sonntag noch nach.

"Klinsmann war der Trainer in der Geschichte des FC Bayern mit der größten Machtfülle. Seine Wünsche wurden nicht erfüllt, sondern übererfüllt. Davon zu reden, er habe nicht durchsetzen können, was er wollte, ist falsch", sagte er.

Klinsmanns einziger konkreter Vorschlag sei die Verpflichtung von Landon Donovan gewesen, "von dem Hermann Gerland sagt, der würde bei ihm nicht mal in der zweiten Mannschaft spielen".

"Ein Riesenunterschied zur Nationalmannschaft"

Es sei "ein Riesenunterschied", sagte Hoeneß weiter über den früheren Bundestrainer, "eine Nationalmannschaft oder eine Bundesliga-Mannschaft zu trainieren":

"Wenn ich beim Nationalteam ein Problem mit einem Spieler habe, kann ich den austauschen - das geht im Verein nicht."

Für Klinsmanns Rauswurf "waren am Ende nicht die Ergebnisse entscheidend, sondern das Verhältnis zur Mannschaft".

Und das war laut Hoeneß lange nicht so positiv, wie Klinsmann es zuletzt dargestellt hatte. (Bayern will Dzeko)

So soll angeblich sogar Torjäger Luca Toni mit seinem Weggang gedroht haben, für den Fall dass Klinsmann über die Saison hinaus bleibe.

"Gefälligkeitsjournalist Jauch"

Auch Moderator Günther Jauch, der Klinsmann interviewt hatte, wurde von Hoeneß scharf kritisiert.

"Günther Jauch hat sich demaskiert als Gefälligkeitsjournalist. Das hätte ich ihm nicht zugetraut", wetterte Hoeneß.

Hoeneß mutmaßte, Klinsmanns Berater Roland Eitel habe "die Fragen vorher aufgeschrieben und Jauch sie vorgelesen."

"Das Interview war eine Eitel'sche Mischpoke. Das Spielchen kennen wir ja."

Eitel wollte am Sonntag keinen Kommentar dazu abgeben.

Jauch habe Klinsmann "eine Plattform gegeben, Dinge zu erzählen, die nicht stimmen, und ohne kritische Fragen zu stellen", moserte Hoeneß.

Sender lädt Hoeneß zu Gegenbesuch

Die Reaktion des Senders ließ nicht lange auf sich warten.

Der Bayern-Manager wurde zur nächsten Sendung am kommenden Mittwoch eingeladen. "Das ist unsere Reaktion darauf", sagte "Stern TV"-Chefredakteur Andreas Zaik.

Er habe die Aussagen von Hoeneß gelesen, "es ist ärgerlich und unzutreffend, dass Fragen abgesprochen sind. Das ist in 20 Jahren nicht vorgekommen und wird in 20 Jahren nicht vorkommen. Günther Jauch lässt sich Fragen nicht diktieren", so Zaik.

Hoeneß als Mutter Teresa

Jauchs Aussage, Klinsmann sei "der Obama des deutschen Fußballs", brachte Hoeneß zudem richtig in Rage. "Wenn Jürgen der Obama des deutschen Fußballs ist, dann bin ich Mutter Teresa."

Klinsmann musste nach dem 0:1 gegen Schalke 04 am 29. Spieltag gehen. Zu spät?

Dazu Hoeneß: "Nein, wir haben reagiert, als wir das Gefühl hatten, die Champions-League-Qualifikation ist in Gefahr."

Aber: "Wenn wir immer so gespielt hätten, wie in den letzten fünf Spielen - wissen Sie, wie die Tabelle dann ausgesehen hätte? Rechnen Sie doch mal hoch!"

Mit Übergangstrainer Heynckes holten die Bayern 13 von 15 möglichen Punkten.

Trotz allem beschloss Hoeneß die kurze Ära Klinsmann mit einem versöhnlichen Fazit: "Ich bin nach wie vor der Meinung, dass es einen Versuch wert war."

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