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Jörg Berger zog mit Alemannia Aachen im Jahr 2004 ins DFB-Pokal-Finale ein © getty

Jörg Berger und Arminia Bielefeld gehen nach fünf Tagen wieder getrennte Wege. Bei Sport1.de spricht der "Retter" über den Kurzbesuch.

Von Martin van de Flierdt

München/Bielefeld - Es war eine außerordentliche Siuation, selbst für den "Feuerwehrmann" der Bundesliga, Jörg Berger.

Als Arminia Bielefeld nach dem 0:6-Debakel gegen Borussia Dortmund Trainer Michael Frontzeck entließ, sollte der Routinier die Kohlen für die Ostwestfalen in nur einem Spiel aus dem Feuer holen.

Dieses Ziel erfüllte der "Retter" allerdings nicht, nach dem 2:2 gegen Hannover steigt Bielefeld zum siebten Mal aus der Bundesliga ab.

Und so war schon nach fünf Arbeitstagen wieder Schluss für den 64-Jährigen.

Im Interview mit Sport1.de spricht Jörg Berger über seine Stipp-Visite, die Gründe für die Trennung und seine Ratschläge für die Arminen-Spieler: ad

Sport1.de: Herr Berger, Arminia Bielefeld hat in der offiziellen Stellungnahme von einer einvernehmlichen Trennung gesprochen. Wie haben Sie sie erlebt?

Jörg Berger: Wir haben uns am Samstagabend zusammengesetzt. Es war ja eine kurze Zeit und alles fokussiert auf dieses Spiel gegen Hannover. Danach haben wir uns dann in ganz positivem Sinne darauf verständigt, dass es eine weitere Zusammenarbeit nicht geben wird.

Sport1.de: Warum war es kein Thema, perspektivisch in Bielefeld weiterzuarbeiten?

Berger: Das wollte ich von Anfang an nicht. Wenn wir jetzt den Klassenerhalt erreicht hätten, wäre es vielleicht auch von meiner Seite zu der gleichen Entscheidung gekommen.

Sport1.de: Warum haben Sie sich das Ganze denn dann überhaupt angetan?

Berger: Weil ich ein positiv denkender Mensch bin und davon überzeugt war, dass wir es schaffen können. Und zwar, weil wir es selbst in der Hand hatten. Aber ich wusste, dass das Risiko größer ist, als wenn ich eine Mannschaft sieben Spiele trainiere oder in der Winterpause komme.

Sport1.de: War das der besondere Reiz der Aufgabe?

Berger: Solch eine Situation mit nur einem Spiel hatte ich noch nie, das war eine neue Erfahrung. Aber es gibt keinen Grund zu sagen, ich hätte es nicht machen dürfen. Ich wusste ja, dass es umso schwieriger wird, Einfluss auf die Mannschaft zu nehmen, je kürzer die Zeit ist. Insofern bin ich nach dem Spiel wieder ein bisschen schlauer.

Sport1.de: Woran hat es gelegen, dass der Hebel nicht mehr umzulegen war?

Berger: Dafür gab es viele Gründe. Eigentlich hat die Mannschaft gut mitgezogen, sie hat gewollt. Sie hat unter den gegebenen Bedingungen eine gute erste Halbzeit gespielt. Für mich war überraschend, dass wir auf einen Gegner getroffen sind, der sich nicht hat hängen lassen, wie viele vielleicht gedacht haben.

Sport1.de: Was war der Knackpunkt?

Berger: Wir haben das 1:0 gemacht, hatten aber den enormen Druck, dass ein Unentschieden womöglich nicht reichen kann. Druck hatten sicher die Rivalen im Abstiegskampf auch. Aber die haben eben nicht nur das 1:0, sondern auch noch das 2:0 gemacht. Wir haben das nicht getan, nicht erzwungen, obwohl wir genügend Möglichkeiten hatten. Dadurch kam es zu dem, was es im Fußball immer wieder gibt: Die Mannschaft beginnt, ihre Linie zu verlieren, dann fällt das 1:1. Und dann müssen wir aufmachen. Aber die Spieler wollten es rumreißen, das war positiv. Nur hatten wir nicht mehr den kühlen Kopf.

Sport1.de: Dem Team fehlte auch gegen Hannover die Torgefahr, wofür nun Präsident Hans-Hermann Schwick Sportdirektor Detlev Dammeier verantwortlich macht.

Berger: Wenn sich der Präsident kurz nach dem Abstieg hinstellt und ein Bauernopfer sucht, ist das bezeichnend. Denn das Wichtigste ist eine gemeinsame Philosophie. Mann kann nicht mit einem Trainer verlängern und ihn dann wenige Monate später entlassen. Für die Abfindungen hätte man im Winter wirklich einen Stürmer holen können.

Sport1.de: Wie sieht nun der Status quo bei der Arminia aus?

Berger: Darüber zu urteilen, steht mir nicht zu. Aber ich habe den Spielern gesagt, dass man sich ganz schnell auf die Zweite Liga umstellen muss. Ich habe oft genug erlebt, dass bei Absteigern noch lange die Bundesliga im Kopf ist, und das ist sehr gefährlich. Daran sind genügend Vereine in der nächsten Saison gescheitert, weil sie gedacht haben, die Zweite Liga würde ein Selbstläufer. Jüngste Beispiele sind Rostock und - in der ersten Saisonhälfte - Nürnberg. Man muss verinnerlichen, dass es bei null beginnt und die Bundesliga abgehakt ist.

Sport1.de: Befürchten Sie, dass Ihr guter Ruf als Retter in Bielefeld Schrammen bekommen hat?

Berger: Wenn ich Angst gehabt hätte, meinen Ruf zu ramponieren, dann hätte ich gar nicht anfangen dürfen. Ich wusste um das Risiko und war immer bereit, das einzugehen. Sonst hätte ich ja auch nicht den Ruf des Retters.

Sport1.de: Haben Sie Ihre Trainerkarriere mit den Kapitel Bielefeld beendet?

Berger: Nein, das habe ich nie gesagt und auch nicht vor.

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