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Sport1.de zeigt die wichtigsten Stationen und Erfolge der Trainerlegende
Jupp Henckes gewann 1998 mit Real Madrid die Champions League © getty

Der Interimstrainer rettet dem FC Bayern das Minimal-Ziel. Mit seiner Art kam der Trainer an. Bei Sport1.de zieht er Bilanz.

Über den FC Bayern berichtet Daniel Rathjen

München - Sein treuester Freund wird heftig mit dem Schwanz wedeln.

Nach vier turbulenten Wochen als Trainer des FC Bayern checkt Jupp Heynckes aus dem "Limmerhof" in Taufkirchen aus und kehrt wieder heim 99102(DIASHOW: Heynckes' Amtsantritt).

Dort, auf dem restaurierten Bauernhof "Casa de los Gatos" ("Haus der Katzen") in Schwalmtal am Niederrhein, empfängt neben Ehefrau Iris auch Schäferhund Cando sein Herrchen.

"Den habe ich wirklich vermisst", schmunzelt Heynckes kurz nach dem 2:1 gegen den VfB Stuttgart (SPIELBERICHT: Bayern sichert sich Platz zwei), im Bauch der Allianz Arena, im Gespräch mit Sport1.de.

Der 64-Jährige sagt und meint das so ehrlich, wie seine Arbeit in der kurzen Zeit beim Rekordmeister war.

"Großartiges geleistet"

Der Fünf-Spiele-Trainer sicherte dem FC Bayern die "lebensnotwendige" direkte Qualifikation für die Champions League.

"Wir haben in der Zusammenarbeit in den vier Wochen Großartiges geleistet", sagt er zu Sport1.de.

Vier Siege und ein Unentschieden in fünf Spielen, 13 von 15 möglichen Punkten, lautet seine Bilanz.

Bei seiner zweiten Amtszeit in München half Heynckes nach der Entlassung von Jürgen Klinsmann, den Schaden zu begrenzen (Hoeneß geht auf Klinsmann los).

"Ich habe meine Mission erfüllt. Es hat mir großen Spaß gemacht, und ich denke auch den Spielern", sagte der Coach, für den der FC Bayern auch in Zukunft das "Nonplusultra" bleibt.

Zuvor hatte er sich vor der Fankurve feiern lassen, in der Kabine gingen viele zu ihm und bedankten sich aufrichtig.

Keine Tränen

Tränen habe er nicht vergossen. "Ich bin ein sehr nüchterner Mensch. Die Reaktion der Zuschauer war aber ein großes Kompliment und ein sehr angenehmes Gefühl."

Mit seiner ruhigen, sachlichen und ehrlichen Art war "Don Jupp" der totale Kontrast zu seinem Vorgänger.

Es war offensichtlich das, was die Mannschaft in der Endphase der Saison gebraucht hatte.

Lukas Podolski, unter Klinsmann nur noch im Schmollwinkel, blühte durch den Rheinländer wieder auf: "Der neue Trainer kam, wir haben viel gelernt und haben mit ihm kein Spiel verloren. Unter ihm hat sich die Mannschaft entwickelt", beschreibt er das Klima.

Lob an das Team

"Das Team hat von Anfang an hervorragend mitgezogen, es hat sehr diszipliniert und konzentriert gearbeitet", bestätigt Heynckes.

"Ich habe zum ersten Mal gemerkt, dass man sich auch über einen zweiten Platz freuen kann. Das habe ich damals bei meiner Bayern-Zeit nicht so empfunden. Damals hatte die Vize-Meisterschaft so einen bitteren Beigeschmack", fügte er an.

Herzlich dankte ihm der Bayern-Vorstand, von dem er eine dicke Erfolgsprämie erhalten dürfte.

Mit Heynckes' Verpflichtung kehrte Ruhe ein am "Brennpunkt" Säbener Straße.

"Als wir uns für Heynckes und Gerland entschieden hatten, hat man gemerkt, dass es schon am nächsten Tag ruhiger wurde. Es wurde wieder über Fußball gesprochen und keine Schuldzuweisungen mehr gemacht", beobachtete Uli Hoeneß.

Der Manager lobte die Arbeit des Routiniers, der sich seine Sporen bei Athletic Bilbao und Real Madrid verdiente.

Dank von Hoeneß

"Ich muss dem Jupp unendlich dankbar sein. Er hat einen tollen Job gemacht. Er hatte es nicht einfach, aber er hat die Mannschaft hundertprozentig hinter sich gebracht."

Er werde für immer sein Freund und ein Freund des FC Bayern bleiben, ergänzte er.

Hoeneß wurde so überzeugt, dass er sogar sicher war, dass sein Klub mit Heynckes deutscher Meister geworden wäre.

"Wenn wir immer so gespielt hätten, wie in den letzten fünf Spielen - wissen Sie, wie die Tabelle dann ausgesehen hätte? Rechnen Sie doch mal hoch!", forderte er einen Journalisten auf.

Auch Heynckes ist dieser Ansicht: "Wenn wir noch ein paar Spieltage zur Verfügung gehabt hätten, hätte es vielleicht besser ausgesehen."

Aber er schickte, ganz Gentleman, ein Lob zum VfL Wolfsburg: "Sie haben es verdient, deutscher Meister zu werden. Man konnte nicht so blauäugig sein und hoffen, dass sie sich das noch nehmen lassen."

Spitzen gegen Klinsmann

Er biss sich stets auf die Zunge, wenn er auf Klinsmann angesprochen wurde, doch ganz ohne Spitzen gegen ihn kam auch er nicht aus.

Zwischen den Zeilen wird deutlich, dass er bei seinem Amtsantritt mit vielen Defiziten konfrontiert wurde.

"Die letzten fünf Spiele haben gezeigt, dass in der Mannschaft viel mehr drinsteckt, als sie es zuvor gezeigt hat. Das ist für mich ganz klar", bekräftigt Heynckes.

Noch ein Comeback?

Gänzlich ausschließen mochte Heynckes, der jetzt noch in vier Freundschaftsspielen als Coach des Rekordmeisters fungieren wird, ein Comeback auf der Trainerbank eines großen Clubs allerdings nicht.

"Ich bin kein Mensch, der jetzt sagt, das war's. Normalerweise möchte ich meine Trainerlaufbahn beenden, aber vielleicht braucht man mich irgendwann wieder mal", sagte er.

Umgehend schob er jedoch hinterher: "Flachs beiseite, ich habe nicht vor, weiterhin im Job tätig zu sein." Schäferhund Cando wird's freuen.

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