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Arne Friedrich (l.) kam 2002 von Arminia Bielefeld zu Hertha BSC © imago

Wegen der verpassten Champions-League-Chance muss Berlin noch einen Leistungsträger ziehen lassen. Es könnte sogar Friedrich sein.

Von Martin Hoffmann

München/Berlin - "Glaubt mir: Irgendwann werden wir Deutscher Meister!"

Hertha-Verteidiger Josip Simunic war von seinen Gefühlen geleitet, als er diesen Satz am Sonntag sprach - zu Tränen gerührt vom Applaus der rund 700 Mitglieder auf der Berliner Jahreshauptversammlung.

Sein Trainer Lucien Favre - nicht direkt als Gefühlsmensch bekannt - machte am selben Tag eine Ansage, die genau in die gegenteilige Richtung ging.

Er widerrief im Gespräch mit einem Fernsehsender die zu seinem Amtsantritt ausgerufene Zielsetzung, aus der Hertha einen Titelanwärter zu formen (Favre begräbt Herthas Titeltraum) .

Verpasste Chance bewirkt Kettenreaktion

Aus Favre sprach da keine Emotion. Nur der nüchterne Blick für die Realitäten, denen sich die Hertha nach der 0:4-Pleite in Karlsruhe stellen muss (NACHBERICHT: Ein Sieger, aber nur lange Gesichter).

Durch das Scheitern in der Champions League ist der Hertha eine Chance durch die Lappen gegangen, die so schnell nicht wiederkommt.

Und sie hat eine Kettenreaktion in Gang gesetzt, durch die der Hauptstadtklub sich jetzt nach unten orientieren muss.

Durch das Verpassen der Champions League entgehen Berlin Millionen, die nun durch Transfererlöse wieder hereingeholt werden müssen.

Die Folge: dem Hertha-Kader droht ein schmerzhafter Substanzverlust.

Voronin und Pantelic bringen keinen Cent

Der ist ohnehin schon gegeben durch die feststehenden Abgänge der beiden Torjäger Andrej Voronin und Marko Pantelic.

Der von Liverpool ausgeliehene Voronin ist ohne die Champions-League-Millionen nicht zu finanzieren, während Favre sich den divenhaften Unruhestifter Pantelic schlicht nicht länger antun wollte.

Was besonders bitter daran ist: Der ablösefreie Pantelic bringt der verschuldeten Hertha wie Voronin keinen Cent ein.

Ein Leistungsträger muss weg

Hertha allerdings muss laut Finanzchef Ingo Schiller den Personaletat von 33,6 auf 28 Millionen senken und einen Transferüberschuss von 5 Millionen erzielen.

Die logische Folge: mindestens ein Leistungsträger muss gewinnbringend verkauft werden.

Und in Berlins Zeitungen gehen schon die Mutmaßungen los, wen es trifft.

Friedrich-Abgang nicht ausgeschlossen

Ein Kandidat wäre Gojko Kacar. Die "BZ" berichtet, dass der serbische Mittelfeldspieler für zehn Millionen Euro gehen könnte, unter anderem ist er bei Schalke 04 im Gespräch.

Andere Namen, die im Spiel sind, wären der Brasilianer Raffael - oder auch Kapitän Arne Friedrich.

Möglich, dass der Nationalspieler, der in dieser Saison erst bis 2012 verlängert hat, einem Tapetenwechsel gar nicht abgeneigt ist. Schon im Vorjahr baggerte der VfB Stuttgart am 29-Jährigen.

Friedrich hat gerade seinen Unmut darüber bekundet, dass er im Saisonendspurt nicht von Favre berücksichtigt wurde, weil der ihn nach seiner Knieverletzung noch für nicht fit genug hielt.

"Ich war absolut fit und heiß und hätte dem Team helfen können", ließ Friedrich über die "Bild"-Zeitung wissen: "Das muss jetzt der Trainer verantworten."

Seine Meinung: "Als Kapitän muss man in so einer wichtigen Phase spielen."

Auch Simunic könnte es treffen

Simunic gehört ebenfalls zu den Verkaufskandidaten. Im Vertrag des Kroaten ist eine Ausstiegsklausel verankert. Gegen eine Ablösesumme von sieben Millionen Euro könnte er die Hertha verlassen.

"Es ist gut möglich, dass ich den Verein wechsle", sagte Simunic nun.

"Ich bin jetzt 31 Jahre und habe relativ spät gemerkt, was es bedeutet, um Titel zu spielen. Das möchte ich weiter erleben."

Es hört sich nicht an, als würde er noch glauben, dass er sein Titelversprechen bei der Hertha noch selbst einlösen kann.

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