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Martin Jol (r.) trainierte seit Sommer 2008 den HSV, Mirko Slomka könnte ihm folgen © getty

Martin Jol wird bei Ajax Amsterdam ab sofort Nachfolger des zurückgetretenen Marco van Basten. Nun sucht der HSV einen neuen Coach.

Von Martin Volkmar

München/Hamburg - Schock für den Hamburger SV: Martin Jol verlässt die Hanseaten und wird neuer Trainer von Ajax Amsterdam.

Dies gab der niederländische Rekordmeister am Dienstagnachmittag bekannt.

Der 53-Jährige erhält demnach einen Dreijahresvertrag.

Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer, der selber in der Kritik steht, wollte sich dagegen auf Nachfrage von Sport1.de nicht äußern.

Das könnte auch damit zusammenhängen, dass ihm nach Informationen des "Spiegel" die Entlassung droht.

Der Vorwurf: Beiersdorfer habe in der Winterpause nach den Abgängen von Nigel de Jong und Vincent Kompany keinen gleichwertigen Ersatz gefunden.

Hoffmann: Trennung ist besser

Jol hat sich mit Ajax offenbar bereits am Montag darauf geeinigt, Nachfolger von Marco van Basten zu werden.

HSV-Vorstandschef Bernd Hoffmann äußerte sich zur Entwicklung auf der HSV-Vereinshomepage:

"Die Entwicklung der vergangenen Tage kam absolut überraschend. Wir hatten zuletzt viele Gespräche. An deren Ende stand die Erkenntnis, dass es für beide Seite die beste Lösung ist, wenn wir uns trennen."

Martin Jol selbst betonte als "Freund" zu gehen und berichtete von "einem wunderbaren Jahr in Hamburg". Sein Haus in der Elbmetropole wolle er behalten.

"Ich habe ein Angebot von Ajax Amsterdam erhalten, das langfristig eine sehr reizvolle Aufgabe darstellt und mir eine gute persönliche Perspektive bietet", erklärte er.

Slomka Favorit auf Nachfolge

Favoriten auf die Nachfolge bei den Hamburgern ist der ehemalige Schalker Mirko Slomka, zudem wird Bayer Leverkusens Coach Bruno Labbadia genannt.

Slomka lobte gegenüber dem "Hamburger Abendblatt" den HSV für seine "absolute internationale Qualität".

Und er zeigte sich dem Job gegenüber nicht abgeneigt. "Es ist sicherlich noch alles Spekulation", meinte Slomka, "aber natürlich würde ich mich über einen Anruf aus Hamburg sehr freuen."

Zukunft der Assistenten noch unklar

Am Dienstag hatte der HSV im Fall Jol zunächst von "Spekulationen" gesprochen, dann aber Gespräche bestätigt.

Dort ging es offenbar um die Ablösemodalitäten für Jol, der beim HSV noch einen Vertrag bis zum 30. Juni 2010 hatte.

Damit dürften auch die Co-Trainer Cornelis Jol, Ricardo Moniz, Zeljko Petrovic und Michael Lindeman den Klub verlassen.

Offen ist allerdings, ob sich Ajax auch die Einstellung der Assistenten leisten kann, zumal Jol in Hamburg mit geschätzten 2,5 Millionen Euro Jahresgehalt der teuerste Coach der Vereinsgeschichte war.

Bei einer Absage von Jol wäre der ehemalige Kapitän und derzeitige Sportdirektor Danny Blind die Alternative der Amsterdamer gewesen.

Zuvor hatte der dänische Nationaltrainer Morten Olsen abgesagt, der das Team schon von 1997 bis 1999 betreut hatte.

Kritik nach drei verpassten Titelchancen

Jol war nur eine Saison beim HSV, den er von Landsmann Huub Stevens übernommen und durch das 3:2 am letzten Spieltag in Frankfurt doch noch als Tabellenfünfter in die Europa League geführt hatte.

Allerdings war zuletzt Kritik am Chefcoach aufgekommen, nachdem die Mannschaft in der Schlussphase drei Titelchancen in Meisterschaft, DFB-Pokal und UEFA-Cup verspielt hatte.

Daher war auch die avisierte Vertragsverlängerung mit Jol auf Eis gelegt worden. Unstimmigkeiten mit Vereinsboss Bernd Hoffmann sollen dann den Ausschlag für den Abgang gegeben haben.

Forderungen nach Verstärkungen abgelehnt?

Hoffmann soll die Forderungen des Trainers nach Verstärkungen aufgrund der geringeren Einnahmen in der neuen Spielzeit abgelehnt haben.

"Es ist das legitime Interesse eines jeden Trainers, sich die besten Spieler zu wünschen. Das deckt sich natürlich auch mit unseren Vorstellungen", argumentierte Hoffmann nun.

Und weiter: "Es geht allerdings bei aller Risikobereitschaft nur in wirtschaftlich vertretbarem Maß. Wir haben in den vergangenen Jahren sehr viel in die Mannschaft investiert."

Er versprach: "Auch im kommenden Jahr werden wir uns verstärken und eine sehr gute Mannschaft an den Start schicken."

Jol hatte nach den Halbfinal-Pleiten gegen Werder Bremen mehrfach die fehlende Qualität im Kader beklagt, was bei der HSV-Führung für Unmut gesorgt hatte.

Der dreimalige holländische Nationalspieler und Ex-Profi des FC Bayern hatte vor seinem ersten Engagement in der Bundesliga bei Tottenham Hotspur, RKC Waalwijk, Roda Kerkrade, SVV Scheveningen und ADO Den Haag gearbeitet.

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