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Thomas Linke, Samuel Kuffour und Oliver Kahn (v.l.n.r.) nach der Niederlage 1999 © getty

Vor zehn Jahren erleidet der FC Bayern gegen ManUnited die "Mutter aller Niederlagen". Ein Joker besiegelt die Münchner Tragödie.

Von Nils Reschke

München - Eigentlich waren es doch nur zwei Tore.

Die Tatsache allerdings, dass diese nicht nur innerhalb von gerade einmal 102 Sekunden fielen, sondern zudem das Ergebnis auf den Kopf stellten, noch dazu im größten europäischen Finale, dem Champions League-Endspiel, ließ Fans und Medien dieses 1:2 schnell zur "Mutter aller Niederlagen" taufen.

Vor zehn Jahren, am 26. Mai 1999, kassierten die Münchner Bayern ihre wohl bitterste Niederlage in der Vereinsgeschichte.

Eine Tragik, an der noch heute so mancher Anhänger des Rekordmeisters zu knabbern hat. Und von der in englischen Pubs nach wie vor gerne berichtet wird.

Baslers Rafinesse bringt die frühe Führung

Das Camp Nou in Barcelona war mit 90.000 begeisterten Fans restlos ausverkauft.

Der Anhang von Manchester United peitschte sein Team unermüdlich nach vorne.

Denn dazu gab es allen Grund: 1:0 führte Bayern bereits seit der sechsten Minute, weil Schlitzohr Mario Basler Peter Schmeichel im Tor von United mit einem raffinierten Freistoß überlistet hatte.

Als schließlich sich schließlich der Zeiger zum letzten Mal auf die Runde machte, um mit dem finalen Pfiff den Münchner Triumph in der Champions League zu besiegeln, nahm das Unheil seinen Lauf.

Alles ist angerichtet für die große Party

Abseits des grünen Rasen karrten die Verantwortlichen bereits große Kartons an. T-Shirts und Baseball-Caps mit der Aufschrift "Champions League-Sieger 1999".

Man wollte schließlich bestens vorbereitet sein für die Stunde des Triumphs. Doch bei schwüler Witterung gab Manchester dieses Endspiel nicht verloren.

"Wie von der Tarantel gestochen drehen die Engländer, die Roten Teufel, nun den siebten oder zwölften Gang auf", hätte der legendäre Herbert Zimmermann wohl die Momente kommentiert, die eine Insel in Ekstase versetzte.

Der Druck auf das Tor von Oliver Kahn wurde größer und größer. ManUnited stürmte mit großem Kämpferherz dem Ausgleich entgegen und spürte: Hier geht noch was!

Ein erbarmungsloser Teddy

Dann liefen die Schlusssekunden, in denen Stefan Effenbergs Grätsche Manchester noch einmal einen Eckball einbrachte.

Und tatsächlich landete der Ball irgendwie bei Ryan Giggs, der das Leder bei seinem Schuss überhaupt nicht richtig traf.

Gleiches galt für Teddy Sheringham ? doch genau diese Kette an verunglückten, ja verzweifelten Versuchen irritierte die Bayern-Abwehr dermaßen, dass die Kugel auf einmal im Netz zappelte.

Für die Deutschen war das der Anfang vom Ende.

Joker Nummer zwei sorgt für Entsetzen

Auf der Bank konnte es Lothar Matthäus nicht fassen. 80 Minuten war er der Leader gewesen, der dem Spiel des Rekordmeisters die nötige Struktur verliehen hatte.

Dann wurde er ausgewechselt, genauso wie Torschütze Basler in der 89. Minute, der nur ungläubig mit dem Kopf schüttelte.

Derweil nutzte Manchester die Konfusion der Bayern, erkämpfte Ole-Gunnar Solskjaer gegen Sammy Kuffour einen letzten Eckball.

"Is this the moment", orakelte der englische Fernsehreporter, als David Beckham abermals antrat, diese Ecke in den Strafraum zu bringen.

Sheringham verlängerte den Ball per Kopf, Solksjaer nagelte das Leder mit dem langen Bein aus zwei Metern unter die Latte, 2:1! Jetzt stieg die Siegerparty ? aber nicht für die Bayern!

Im Gelobten Land

"Manchester United has reached the Promised Land", kreischte der BBC-Reporter ins Mikrophon.

Peter Schmeichel zelebrierte etwas ungelenk eine Mischung aus Purzelbaum und Salto.

Die Bayern indes fielen vom Gelobten Land ins Tal der Tränen. Und das durfte wörtlich genommen werden. ("Damals hat sogar unser größter Feind mitgelitten")

Noch war das Match nicht abgepfiffen. doch Kuffour wollte, nein konnte nicht mehr weiterspielen, hämmerte mit der Faust auf den Rasen, weinte enthemmt, bis Schiedsrichter Pierluigi Collina ein Einsehen hatte und abpfiff.

Selbst ein "Schrank" von Kerl wie Carsten Jancker kauerte am Boden, und die Tränen kullerten über die Wangen.

Später betonte "Kaiser" Franz Beckenbauer immer wieder: "Es ist ein Spiel, es war ein Spiel, und es wird immer ein Spiel bleiben." Aber was für eins...

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