Martin Jols Blitz-Abgang beim Hamburger SV wirft die Norddeutschen wieder einmal um Jahre nach hinten.

Geht es nach der ersten emotionalen Reaktion, stürzt Martin Jols Blitz-Abgang den Hamburger SV in ähnliche Depression wie das Trauma, binnen vier Wochen dreimal die Chance auf einen lang ersehnten Titel in den Sand gesetzt zu haben.

Die personifizierte Hoffnung Jol wirft einfach hin (HSV-Schock: Jol geht zu Ajax) .

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Jol, Star und Gesicht des HSV, versetzt Klubspitze, Spieler und Fans in einen Schockzustand, der Schlimmes befürchen lässt.

Ob es nun die Suche nach einem Nachfolger betrifft, Kader-Planung, Käufe und Verkäufe oder Sponsoring.

Der fliehende Holländer Jol, eigentlich noch mit einem für ein Jahr gültigen Vertrag ausgestattet, dürfte auf viele Bereiche negativ ausstrahlen und droht, den Verein wieder mal um Jahre nach hinten zu werfen.

Denn einmal mehr hat es sich als Utopie erwiesen, dass beim HSV ein Trainer kontinuierlich eine Mannschaft aufbauen und weiterentwickeln kann oder will.

Anders eben als beim Nordrivalen Werder Bremen, wo Thomas Schaaf seit 1999 (erfolgreich) agiert.

Während dem HSV seit 2003 und dem Amtsantritt von Klubchef Bernd Hoffmann mit Jol bereits der fünften Übungsleiter von der Fahne geht.

Nach Kurt Jara, Klaus Toppmöller, Thomas Doll und Huub Stevens.

Letzterer kehrte Hamburg vor einem Jahr pikanterweise auch aus freien Stücken den Rücken und heuerte lieber bei PSV Eindhoven an.

Ein Zufall nur, dass Jol nun in die gleiche Kerbe schlägt?

Sportchef Dietmar Beiersdorfer muss sich jedenfalls dem Vorwurf stellen, Jol nicht die gewünschte Perspektive gegeben zu haben. Ihn ausgebremst, womöglich gar vergrault zu haben.

Konflikte gab es nicht bloß wegen einer gemeinsamen Einkaufspolitik. Jol hatte seit langem mehr finanzielle Risikobereitschaft bei Neuverpflichtungen gefordert.

Entscheidend war wohl auch das Gerangel um Kompetenzen: Schließlich wollte Jol mehr Macht, bei Transfers mitzuentscheiden.

Was er bei Ajax in Doppelfunktion als Trainer und Manager nun fast im Alleingang kann.

Während die HSV-Spitze ein solches "Wolfsburger" (Meister-)Modell a la Felix Magath entschieden ablehnt.

Auch dass Jol vergeblich auf Gespräche über eine vorzeitige Vertragsverlängerung gewartet haben soll, lässt tief blicken.

Nämlich, dass die zur Schau getragene heile HSV-Welt nur vorgegaukelt war.

Die doch noch geglückte Teilnahme an der Europa-League vermochte da auch nichts mehr zu kitten.

Doch auch Jol hat Schaden erlitten mit seiner Flucht.

Es ist nicht zu vermitteln, vor wenigen Tagen noch ein Loblied auf Hamburg und seine Lebensqualität zu singen.

Um dann seine Zelte in einer Nacht- und Nebelaktion abzubrechen.

Entgegen seiner eigenen Einschätzung wird Jol, offenbar doch egozentrischer als vermutet, denn auch nicht als Freund gehen.

Wer für Jol kommt, wird sich in den nächsten Tagen entscheiden. Mirko Slomka würde sich über einen Anruf aus Hamburg sehr freuen.

Gut möglich, dass der HSV nach dem kantigen Jol nun auf einen umgänglicheren Typen setzt.

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