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Seit 1999 geht Frank Baumann für den SV Werder Bremen in die Zweikämpfe © imago

Kapitän Frank Baumann vom SV Werder Bremen spricht bei Sport1.de über das DFB-Pokal-Finale sein Karriereende und die Zukunft.

Von Christian Stüwe

München - Noch ein Spiel steht im Kalender von Frank Baumann, dann hängt der Kapitän des SV Werder Bremen seine Fußballschuhe an den Nagel.

Doch dieses Spiel hat eine große Bedeutung für den Ex-Nürnberger, denn nach dem verlorenen Endspiel um den UEFA-Cup möchte sich der 34-Jährige zumindest in Berlin mit dem Pott in der Hand von seinen Fans verabschieden.

Das DFB-Pokal-Finale gegen Bayer Leverkusen (Sa., ab 19.30 ) wird also nicht nur zum Schicksalsspiel für seinen Verein. Dass er "in den letzten 90 Minuten seines Lebens" alles für die Grün-Weißen geben wird, steht außer Frage.

Im Gespräch mit Sport1.de erklärt Baumann neben seinen Beweggründen für den relativ frühen Rückzug aus dem aktiven Geschäft seine eigenen Zukunftspläne und die Entwicklung bei Werder Bremen ohne ihren Star Diego.

Sport1.de: Herr Baumann, Sie haben Ihr Karriereende nach dem DFB-Pokalfinale bekannt gegeben. Was hat Sie dazu bewogen?

Frank Baumann: Ich werde dieses Jahr 34. Das ist ein Alter, wo man sich schon seine Gedanken machen muss, wie lange man noch spielt. Ich habe in den letzten Monaten nachgedacht und dabei ist der Entschluss gereift, die Karriere zu beenden.

Sport1.de: Hatte die Entscheidung etwas mit körperlichen Gründen zu tun oder war es einfach die Entscheidung für etwas anderes?

Baumann: Genau. Ich wollte aufhören, wenn es noch relativ gut läuft. Ich habe eine ordentliche Saison gespielt und kann somit gut abtreten. Dann mache ich etwas anderes und mache Platz für jüngere Spieler.

Sport1.de: Sie werden Klaus Allofs im Management assistieren. Sie wurden bereits als "Kronprinz" von Allofs bezeichnet. Ist das die Rolle, in der Sie sich sehen?

Baumann: Nein. Es ist so, dass ich Klaus Allofs ab 1. Januar 2010 bei seiner Arbeit unterstützen werde. Sein Aufgabengebiet wird immer umfangreicher, die Arbeit wird nicht weniger. Es wurde jemand gesucht, der ihn dabei unterstützt. Das ist eine schöne Sache, eine große Ehre von einem so renommierten Manager zu lernen und Erfahrungen zu sammeln. Das sehe ich als Lehrzeit an. Ich hoffe, dass ich so meinen Teil dazu beitragen kann, dass Werder erfolgreich bleibt.

Sport1.de: Das DFB-Pokalfinale ist sicherlich ein würdiges Spiel zum Abschluss Ihrer Karriere. Aber ist der Druck nicht auch groß?

Baumann: Das würde ich gar nicht so sehen. Natürlich wäre es ein wunderbarer Abschluss das Spiel zu gewinnen und einen Pokal in der Hand zu haben. Aber das ist natürlich in erster Linie ein wichtiges Spiel für meine Mannschaft. Es ist die letzte Möglichkeit international zu spielen.

Sport1.de: Wäre die Saison bei einer Pleite endgültig eine Enttäuschung?

Baumann: Natürlich müsste man dann sagen, dass wir das Ziel nicht erreicht hätten. Wir haben in der Liga enttäuscht, aber dafür haben wir das UEFA-Cup-Finale erreicht, was wirklich eine gute Leistung ist. Wenn man mal schaut, welche deutsche Mannschaften das in den letzten zehn oder zwölf Jahren erreicht haben. Leider haben wir das Finale verloren. Aber jetzt haben wir noch die Möglichkeit das DFB-Pokalfinale zu gewinnen und ich bin optimistisch, dass wir das schaffen und dann international dabei sind.

Sport1.de: Wie schätzen Sie den Finalgegner Bayer Leverkusen ein?

Baumann: Leverkusen spielt eine ähnliche Saison wie wir. Teilweise mit überragenden Leistungen in der Liga, aber es fehlt auch die Konstanz. Sie sind auch ein wenig im Mittelfeld versunken. Aber an einem guten Tag können sie jeden schlagen. Wir wissen aber auch, dass wir sehr gut gerüstet sind.

Sport1.de: In den letzten beiden Spielen in gegen Donezk und in Wolfsburg mussten sie jeweils dem Gegner beim Jubeln zuschauen. Hat das Spuren hinterlassen?

Baumann: Das war natürlich nicht schön, auch wenn die anderen Mannschaften es verdient hatten. Aber wir werden alles dafür tun, dass es nicht noch einmal passiert und wir am Samstag selber jubeln dürfen. Das wäre sehr wichtig für uns.

Sport1.de: Das Pokalfinale ist auch das letzte Spiel für Diego, der zu Juventus Turin wechseln wird. Was bedeutet sein Abgang für Werder?

Baumann: Das ist sportlich ein großer Verlust. Er hat die letzten drei Jahre bei uns sehr überzeugt und war ein wichtiger Bestandteil der Mannschaft. Er hat die Bundesliga mit geprägt. Aber wir bekommen eine gewisse Ablösesumme, die wird Werder sicher investieren, damit wir nächstes Jahr wieder eine schlagkräftige Truppe beisammen haben.

Sport1.de: Sie hören auf, Diego geht. Steht Werder vor einem kompletten Umbruch?

Baumann: Nein. Es war in den letzten Jahren immer wieder der Fall, dass Leistungsträger den Verein verlassen haben. Das ist immer eine Chance auch für junge oder neue Spieler diese Rollen zu übernehmen.

Sport1.de: Wenn Sie vor Ihrem letzten Spiel schon mal auf Ihre Karriere zurückschauen, was waren die Highlights und was waren die Tiefschläge?

Baumann: Ein Highlight war sicherlich die Saison 2003/04 als wir überraschend aber auch eindrucksvoll die Meisterschaft und den Pokal gewonnen haben. Ein negatives Erlebnis war sicherlich mein Abschied aus Nürnberg 1999, bei dem wir abgestiegen sind. Aber auch mit Werder habe ich die eine oder andere bittere Niederlage einstecken müssen. Ich denke etwa an das Champions-League-Aus gegen Juventus Turin 2006, als wir kurz vor dem Viertelfinaleinzug standen. Oder auch jetzt ganz aktuell das verlorene UEFA-Pokalfinale.

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