vergrößernverkleinern
Oliver Kahn (r.) hütete von 1994 bis 2008 den Kasten des FC Bayern © imago

Manuel Neuer sagt ab, ein neuer Keeper bringt sich bei Bayern ins Gespräch. Und der "Titan" vermisst einen klaren Kurs beim FCB.

Von Martin Hoffmann

München - Manuel Neuer will nicht. Michael Rensing will weiter kämpfen. Und ein ganz neuer Kandidat bringt sich selbst ins Gespräch.

Das Torwart-Roulette beim FC Bayern wird immer wilder - und wer im kommenden Jahr den Kasten hütet, ist ungewisser denn je.

Die Bayern-Bosse senden widersprüchliche Signale. Und der Übervater blickt nicht mehr durch.

"Ich kann da vieles nicht mehr nachvollziehen", wundert sich Oliver Kahn in der "tz" über den Kurs seines alten Vereins in der Torwartfrage. (36158DIASHOW: Die Torhüter des FC Bayern)

Rätselhafter Kurs der Bosse

Bayerns langjähriger Stammkeeper ist mit seinem Bekenntnis nicht allein. Was die Bosse des Rekordmeisters wollen, ist rätselhaft.

Uli Hoeneß hat mit dem öffentlich vorgetragenen Wunsch überrascht, Manuel Neuer zu verpflichten.

Dabei gilt Hoeneß bei den Bayern als größter Anhänger der Idee, Rensing nach der Ausbootung durch Jürgen Klinsmann eine zweite Chance zu geben (Rensing gibt nicht auf).

Neuer will Vertrag erfüllen

Aber der Fall Neuer scheint sich aus Sicht der Bayern erledigt zu haben.

Hatte sich Neuer zunächst noch um eine klare Absage gewunden, machte er bei der Asienreise des DFB-Teams nun eine klare Ansage.

"Ich habe bei Schalke einen Vertrag bis 2012 und habe nie daran gedacht etwas zu ändern", hielt er fest.

Zuvor hatte schon der designierte Schalke-Trainer Felix Magath angekündigt, Neuer halten zu wollen. Hoeneß danach geäußerte Hoffnung, "dass da noch was geht", dürfte damit unerfüllt bleiben.

Bailly: "Werde von Bayern umworben"

Misst man Hoeneß an seinen eigenen Aussagen, hat sich die Torwartsuche damit erledigt und Bayern geht mit Rensing und Jörg Butt in die neue Saison.

Der Manager hatte erklärt, dass Neuer der einzige Keeper wäre, an dem die Bayern "derzeit" interessiert wären.

Das stimmt aber nicht, wenn man einem anderer Bundesliga-Keeper glaubt: Logan Bailly von Borussia Mönchengladbach.

"Ich werde von Galatasaray und von Bayern umworben", wird der 23-jährige Belgier in der französischen Zeitung "L'Equipe" zitiert.

Gelobt von Meyer und Schumacher

Logan Bailly - Bayerns Plan B für die Nummer eins?

Gute Gründe, von Bayern umworben zu werden, hat Gladbachs Winter-Neuzugang in jedem Fall geliefert.

Bailly war im Abstiegskampf bei den "Fohlen" der Fels in der Brandung, der wohl scheidende Trainer Hans Meyer - keiner der zu überschwänglichem Lob neigt - attestiert ihm teils "Weltklasse"-Leistungen. (zum Artikel: Meyer verlässt Gladbach)

Und auch Sport1.de-Kolumnist Toni Schumacher ist von Bailly verzückt: "Enke und Neuer hin, Adler und Wiese her - Bailly ist für mich ganz spontan die Nummer eins der Liga in Sachen Zukunft."

Brüskierung für Rensing

Ist er auch Bayerns neue Nummer eins? Bewahrheitet sich Baillys Aussage, wäre es jedenfalls eine weitere Brüskierung für Rensing.

Wie Neuer ist Bailly in Rensings Altersklasse - und schon das öffentliche Bemühen um Neuer hat Rensing praktisch als zweite Wahl abgestempelt.

Auch wenn Hoeneß beteuert, dass der Bedarf nach einem neuen Keeper "nicht so dringend" wäre.

Dem stimmt der neue Sportchef Christian Nerlinger zu: "Wir haben kein Problem mit ihm (Rensing) und Butt in die Saison zu gehen."

Kahn fehlt die Linie

Allein: warum denkt man dann öffentlich über Alternativen nach? Es ist ein Schlingerkurs, der Rensings Vorgänger verwirrt.

Kahn fehlt die klare Linie bei den Bayern: "Es geht darum, entweder auf einen erfahrenen Torhüter oder auf ein Talent zu setzen."

Und ein Talent hätten die Bayern auch mit Michael Rensing.

Ein Talent - mehr nicht?

Der erklärte Rensing-Freund Kahn weiß nicht, "wo der große Unterschied zwischen Rensing und Neuer sein soll".

Er hält den Schalker nicht für eine Ausnahmeerscheinung: "Manuel Neuer ist nicht mehr und nicht weniger als ein talentierter Torwart.

Neuer habe "immer wieder Phasen, wo er stark hält - aber auch immer wieder Phasen, wo er sehr fehleranfällig ist."

Kahns Fazit: "Ich weiß nicht, was der Verein mit Rensing vorhat. Und ich weiß wirklich nicht, welche Gedanken sich die Verantwortlichen sich dabei machen."

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel