vergrößernverkleinern
Luca Toni (l.) ist in der vergangenen Saison Torschützenkönig gewesen © getty

Mit geänderter Taktik und viel Selbstvertrauen setzt der Meister gegen Hertha ein Ausrufezeichen. Klinsmann: "Wir kommen ins Rollen."

Von Jessica Pulter und Daniel Rathjen

München - Es dauerte nur zwölf Minuten bis beim FC Bayern der Frust der letzten Wochen wieder vergessen war.

Luca Toni bekam den Ball kurz vor dem Strafraum, ließ Abwehrspieler Steve van Bergen stehen und versenkte gegen Torwart Jaroslav Drobny den Ball mit einem Flachschuss eiskalt im Tor.

Es war der 1:0-Auftakt zu einem souveränen 4:1 (1:0)-Heimsieg der Münchner gegen Berlin, der die Bayern mit zwei Punkten Rückstand wieder in Schlagdistanz zu Tabellenführer Schalke bringt.

"Wir kommen ins Rollen"

Drei Spieltage lang hatte Trainer Jürgen Klinsmann auf seinen ersten Bundesligasieg als Vereinstrainer warten müssen.

Gegen Berlin platze der Knoten und die drohende Krise mit dem schlechtesten Saisonstart seit über 40 Jahren vorerst abgewendet.

"Wir haben eine schwierige Vorbereitung gehabt", gab Klinsmann zu. "So langsam kommen wir aber ins Rollen."

Aggressive Bayern

"Der Sieg war extrem wichtig. Hätten wir verloren, wäre der Abstand zur Spitze schon sehr groß gewesen", meinte dann auch Philipp Lahm.

"Ich denke, man hat gemerkt, dass wir von Beginn an aggressiv waren und das Spiel gewinnen wollten", ergänzte der Nationalspieler.

FCB mit Dreierkette

Lahm, der nach der Pause auf 2:0 (54.) erhöhte, fand sich in der Partie auf ungewohnter Position wieder.

Klinsmann ließ in der Defensive mit einer Dreierkette spielen und ließ den Nationalspieler sowie Christian Lell in ein Fünfer-Mittelfeld aufrücken.

"Die Variante mit der Dreierkette hat gut funktioniert und hat auf jeden Fall Zukunft", versicherte Lahm.

Zwei Elfer gegen Hertha

So kamen auch die Berliner Angriffsversuche kaum zur Entfaltung, und in der Defensive patzte vor allem van Bergen, der einen rabenschwarzen Tag erwischte.

Gegen Toni sah der Schweizer schon unglücklich aus, in der zweiten Halbzeit verursachte er dann gleich zwei Elfmeter, die Bastian Schweinsteiger (56.) und Miroslav Klose (70.) zum zwischenzeitlichen 4:0 nutzten.

Erfolgserlebnis für Klose

Sein Treffer war für Klose auch so etwas wie Balsam auf die Seele, nachdem der Stürmer für seine anhaltende Abschlussschwäche bereits länger im Fokus stand.

"Ich bin froh, dass ich endlich wieder getroffen habe. Ich habe sehr viel gearbeitet in letzter Zeit", so der 30-Jährige.

Auch gegen Berlin ließ Klose viele Chancen aus, doch Unterstützung bekam er von seinen Mannschaftskollegen, die ihm die Ausführung des zweiten Strafstoßes überließen.

Negativserie hält an

Für die Hertha bleibt nur die Erkenntnis, dass Auswärtsspiele in München immer wieder gleich ablaufen.

Seit 31 Jahren haben die Berliner in der bayrischen Hauptstadt nicht mehr gewonnen und dabei selten weniger als drei Tore kassiert.

Daran konnte auch der späte Anschlusstreffer durch Marko Pantelic (84.) nicht hinwegtäuschen, denn die Bayern hatten zu dem Zeitpunkt schon mehr als einen Gang zurückgeschaltet.

"Zu viel Respekt"

"So ein deutliches Spiel habe ich selten gesehen. Es war viel zu viel Respekt da", musste dann auch Kapitän Arne Friedrich zugeben. "Hertha und München, das klappt überhaupt nicht."

München und Hertha dafür aber schon.

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel