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Robert Enke absolvierte bislang zwei Länderspiele für Deutschland © getty

Nach der Niederlage in Stuttgart reden die Hannoveraner den Absturz auf Rang 18 schön. Torwart Enke denkt über einen Wechsel nach.

Von Jan Reinold

München - Etwas angefressen stellte sich Dieter Hecking nach der 0:2-Niederlage beim VfB Stuttgart und dem Absturz auf Rang 18 den Journalisten.

"Was soll ich darauf antworten?", erwiderte Hannovers Trainer bissig auf die Frage, wie er die zweite Pleite im dritten Spiel und den Ligastart mit einem Punkt und null Toren kommentiere.

"Natürlich ist ein Punkt aus drei Spielen nicht die Erwartung, die wir selber hatten. Da muss man dann auch von einem Fehlstart sprechen", räumte Hecking ein, ergänzte jedoch: "Aber wir hatten zwei schwere Auswärtsspiele in Schalke und Stuttgart, da kann man nicht davon ausgehen, dass 96 da etwas holt."

Absturz auf Rang 18

Den "schlafenden Riesen", den 96-Sportdirektor Christian Hochstätter bei seinem Dienstantritt Anfang 2007 zum Erwachen verhelfen wollte ("Unsere Anstrengungen gehen dahin, den schlafenden Riesen Hannover 96 zu wecken. Und ein Auge hat er schon offen"), drohen momentan eher beide Augen zuzugehen.

Hecking betonte jedoch, dass man den Fehlstart keineswegs mit der Auswärtsniederlage beim UEFA-Cup-Teilnehmer Stuttgart perfekt gemacht habe.

"Das war vor allem in den ersten beiden Spielen viel zu wenig", stimmte auch Robert Enke zu.

Enke hegt Wechselgedanken

Der Nationaltorhüter denkt anscheinend trotz eines Vertrags bis 2010 über einen Wechsel zum Saisonende nach, um seine Position im Kampf um die Nummer eins im DFB-Team zu verbessern.

"Wie es nach der Saison weitergeht, wird man sehen", sagte er in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

"Wenn du immer um die Ohren bekommst, dass du nicht international spielst, denkst du irgendwann schon darüber nach, ob ein Klubwechsel helfen kann."

"Kein himmelweiter Unterschied"

Der 96-Kapitän wollte die Niederlage beim VfB durch Gegentore von Mario Gomez (18. Minute) und Pavel Pardo (40., Foulelfmeter) aber nicht ausschließlich negativ sehen.

"Heute haben wir sehr, sehr gut angefangen. Wir haben auch am Anfang Chancen gehabt, geraten dann aber wieder durch zwei Standardsituationen in Rückstand", so der 31-Jährige.

"Heute war es ja nicht so, dass man sagen könnte, es bestand ein himmelweiter Unterschied zwischen den beiden Mannschaften", sagte auch Hecking.

"Wir haben die ersten 20 Minuten sehr gut gespielt und haben zwei klare Torchancen. Statt in Führung zu gehen, rappelt's bei uns gleich bei der ersten etwas brenzligen Situation. Danach haben uns die Mittel gefehlt, um Druck aufzubauen", analysierte der Trainer des neuen Tabellenletzten weiter.

"Schritt nach vorne"

Sowohl Hecking als auch Enke verschwiegen, dass die Niedersachsen nach gutem Beginn eine erschreckend schwache Leistung boten und im weiteren Spielverlauf nur noch zu einer nennenswerten Torchance kamen.

Außer einem Kopfball des eingewechselten Mike Hanke an die Latte (72.) war von der 96-Offensive nichts zu sehen.

Das sah Hecking allerdings anders: "Jens Lehmann musste zweimal glänzend halten. Auch deshalb haben wir das Spiel verloren". Und Enke meinte sogar, die Niederlage "war ein Schritt nach vorne".

Stuttgart verpasst höheren Sieg

Allerdings hatte es Hannover nur der Fahrlässigkeit von Gomez, der in Hälfte zwei mehrfach an Enke scheiterte, sowie der Zufriedenheit und der Müdigkeit der Stuttgarter nach ihrem UEFA-Cup-Qualifikationsspiel (4:1-Sieg in Györ) unter der Woche zu verdanken, dass das Ergebnis nicht deutlich höher ausfiel.

"In der zweiten Halbzeit hätten wir noch das 3:0 und 4:0 machen müssen", betonte Stuttgarts Trainer Armin Veh.

Zufriedenheit im "Ländle"

Dennoch herrscht im "Ländle" nach dem ersten Heimsieg der Saison und dem krönenden Abschluss einer erfolgreichen Woche Zufriedenheit.

"Es war ein schwieriger Arbeitssieg für uns", meinte VfB-Sportdirektor Horst Heldt: "Wir sind froh, weil wir sechs Punkte haben und den ersten Heimsieg eingefahren haben."

Und Torschütze Gomez, der seinen "Enke-Fluch" beendete und erstmals gegen seinen Nationalmannschaftskollegen traf, betonte: "Das Spiel war richtungweisend. Durch den Sieg haben wir den Anschluss nach oben geschafft - und da wollen wir auch bleiben."

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