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Timo Rost wechselte 2002 von Austria Wien zu Energie Cottbus © getty

Bei Energie Cottbus gehen die Bundesliga-Lichter langsam aus. Der Präsident ist geschockt und die Zukunft des Trainers unsicher.

Cottbus - Das Urteil der Fans war unerbittlich, die Kritik des Präsidenten vernichtend, der Vorwurf einiger Spieler verräterisch: Bundesligist Energie Cottbus glich nach dem fast schon besiegelten zweiten Abstieg der Klubgeschichte einem Scherbenhaufen und sorgte im ganzen Fußball-Osten für Trauerstimmung.

Zum zweiten Mal seit dem Zusammenschluss wird die Bundesliga aller Voraussicht nach ohne einen Ostklub in die neue Saison gehen - 20 Jahre nach dem Mauerfall.

An ein "Wunder von Nürnberg" im Rückspiel am Sonntag (15.00 Uhr LIVE ) mochten selbst die kühnsten Optimisten nicht mehr glauben.

"Diesen Abend muss ich erstmal verkraften"

"Ich bin genauso sauer wie die Fans. Mir hat das Herz gefehlt. Wir haben uns in ganz Fußball-Deutschland blamiert", sagte Klubboss Ulrich Lepsch nach der 0:3 (0:1)-Blamage im Relegations-Hinspiel gegen den Zweitliga-Dritten 1. FC Nürnberg mit scharfer Stimme und enttäuschter Miene.

Zuvor hatten die Anhänger ihrem Frust mit gellenden Pfiffen und Schmährufen gegen die Feldspieler ("Außer Tremmel könnt ihr alle gehn") und Trainer Bojan Prasnikar ("Prasnikar raus") Luft gemacht.

Ein Neuanfang in der zweiten Liga unter dem Slowenen Prasnikar, dem Präsident Lepsch vor Monaten eine Job-Garantie auch im Falle des Abstiegs ausgestellt hatte, wird immer fraglicher.

"Das ist heute nicht das Thema. Ich muss erst einmal diesen Abend verkraften", sagte Lepsch ausweichend.

Der Trainer selbst ließ seine Zukunft in der Lausitz offen: "Unser Ziel haben wir nicht erreicht. Wir werden uns nach dem Spiel in Nürnberg zusammensetzen und eine Analyse machen. Dann sehen wir weiter."

Spielerschwund bei Abstieg

Egal welcher Trainer Energie in der zweiten Liga betreut, ihn erwartet eine schwere Aufgabe.

Zwar dürfen sich die Fans auf Ost-Derbys gegen Union Berlin und Hansa Rostock freuen, doch der sportliche und finanzielle Schnitt ist schmerzhaft.

Der Etat würde von 23 Millionen auf 13 Millionen Euro heruntergefahren werden, die besten Spieler würden den Klub verlassen.

So haben Kapitän Timo Rost und Top-Torjäger Dimitar Rangelow, der wegen einer Bänderdehnung im Hinspiel fehlte, in ihren Verträgen Ausstiegsklauseln, Ivica Iliev und Ervin Skela könnten gar ablösefrei gehen.

Der Kampfgeist hat gefehlt

Hauptgrund für den sich abzeichnenden zweiten Abstieg nach 2003 ist, dass die Mannschaft die fehlende Qualität nicht wie in den Jahren zuvor mit Kampf- und Teamgeist wettmachen konnte.

"Ich glaube nicht, dass jeder die 100 Prozent gegeben hat, die man bringen muss", sagte Linksverteidiger Daniel Ziebig nach dem Spiel gegen Nürnberg - es hätte aber auch das Fazit der gesamten Saison sein können.

"Es war eine Blamage"

Nach dem unglücklichen 0:1 durch Isaac Boakye in der 13. Minute ergab sich Energie schnell in sein Schicksal.

Die ballsicheren Gäste drehten im zweiten Abschnitt auf und machten den Sieg durch die Treffer von Christian Eigler (55.) und erneut Boakye (89.) perfekt, wodurch der direkte Wiederaufstieg für den fränkischen Traditionsklub nur noch Formsache ist.

"Keiner hatte Normalform, es war eine Blamage. Jetzt noch an ein Wunder von Nürnberg zu glauben, fällt mir schwer", meinte Energie-Kapitän Rost.

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