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Edmund Becker ist seit 2005 Cheftrainer beim Karlsruher SC © getty

Im Interview mit Sport1.de spricht Edmund Becker über seine Gefühlslage und er sagt, was er von der Zweiten Liga erwartet.

Von Felix Götz

München - Seit dem 23. Mai ist der Abstieg des Karlsruher SC besiegelt (Ein Sieger, aber nur lange Gesichter).

Selbst die beiden Siege zum Saisonende bei Werder Bremen (3:1) und gegen Hertha BSC Berlin (4:0) reichten den Badener nur zu Rang 17. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Trotz des verpassten Ziels Klassenerhalt hielt die Vereinsführung um Manager Rolf Dohmen an Trainer Edmund Becker (Trainerportrait) fest.

Der 52-Jährige, der seit 1990 beim KSC in verschiedenen Funktionen arbeitet, soll in der Zweiten Liga eine neue Mannschaft formen, die möglichst wieder in die Bundesliga aufsteigen kann.

Das Problem: Leistungsträger wie Christian Eichner (wechselt nach Hoffenheim) und Maik Franz (bei Eintracht Frankfurt im Gespräch) sind kaum im Wildpark zu halten.

Im Interview mit Sport1.de spricht Becker über seine Gefühlslage, die Planungen für die Zukunft und er sagt, was er von der Zweiten Liga erwartet.

Sport1.de: Herr Becker, wie fühlt sich der Abstieg mit einigen Tagen Abstand an?

Edmund Becker: Immer noch sehr schlecht. Es schmerzt nach wie vor ziemlich stark. Das Einzige, was die Geschichte etwas abschwächt ist die Tatsache, dass wir gar nicht viel Zeit haben zurückzublicken, sondern die Zukunft planen müssen. Wir müssen eine Mannschaft zusammenstellen, die in der Zweiten Liga konkurrenzfähig ist.

Sport1.de: Tut es besonders weh, weil am Ende noch einmal Hoffnung aufkam und die Mannschaft stark spielte?

Becker: Ja und nein. Ja, weil man gesehen hat, was möglich gewesen wäre. Auf der anderen Seite war es auch wichtig im Hinblick auf die kommende Saison, ein positives Zeichen zu setzen. Wenn wir sang- und klanglos untergegangen wären, dann wäre ein Neustart nicht nur für den Verein, sondern auch für mich als Trainer schwierig geworden. Denn mit solchen Altlasten ist es extrem schwierig in die Zweite Liga zu starten. Das wurde im letzten Jahr in Rostock, Duisburg und Nürnberg deutlich. Bei allen drei Teams wurde der Trainer frühzeitig entlassen.

Sport1.de: Wenn am Ende alles schief gelaufen wäre. Hätten Sie dann von sich aus hingeworfen?

Becker: Natürlich macht man sich Gedanken, was gewesen wäre, wenn es so gekommen wäre. Aber konkret habe ich nicht ans Aufhören gedacht, weil wir ja meist nicht schlecht gespielt haben. Nur die Effizienz hat eben meist gefehlt.

Sport1.de: Der Unterschied von Bundesliga zu Zweiter Liga ist für den KSC groß. Können Sie bereits abschätzen, was es für konkrete Einschnitte geben wird?

Becker: Man hat keine Chance, Leistungsträger wie Maik Franz oder Christian Eichner zu halten. Das ganze Budget wird gewaltig zusammengestrichen. Und es entstehen natürlich auch große Probleme bei der Verpflichtung von neuen Spielern.

Sport1.de: Sie haben Franz bereits angesprochen. Es gab die Überlegung, dass man ein Team um ihn als Leitwolf herum aufbaut. Halten Sie es für ausgeschlossen, dass er bleibt?

Becker: Das ist immer sehr schwer. Wenn man ein Angebot bekommt, bei dem man das Doppelte verdienen kann, dann macht sich jeder Gedanken. Im Profifußball geht es dabei eben um große Summen. Die Zeit, in der man richtig Geld verdienen kann ist kurz, deshalb kann man es einem Spieler nicht verübeln, wenn er ein besseres Angebot annimmt. Neben der finanziellen Geschichte ist es auch so, dass die Bundesliga etwas ganz Besonderes ist.

Sport1.de: Haben Sie also die Befürchtung, dass die Mannschaft komplett auseinander bricht?

Becker: Komplett nicht. Wir sind zuversichtlich, dass wir sechs, vielleicht sieben Leute aus der Startformation der letzten Woche nächste Saison noch haben. Demnach ist es kein völliger Neuaufbau. Wenn zum Beispiel Gottfried Aduobe und Alexander Iashvili bleiben würden, könnten wir es einigermaßen kompensieren.

Sport1.de: Trotz der schwierigen Situation: Was ist das Ziel in der nächsten Saison? Einem Absteiger wird normalerweise vorgeschrieben, dass er sofort wieder aufsteigen muss.

Becker: Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Ich habe eine Tabelle vom November 2008 gesehen, in der Nürnberg als bester Absteiger mit einer super Mannschaft nur auf Rang neun stand. Duisburg war Elfter, Rostock glaube ich auf Platz 13. Da sieht man die Problematik. Die Spieler glauben, dass sie eigentlich Erstligaspieler wären und denken dann, dass es mit 80 Prozent gehen würde. Das ist sehr gefährlich. Deshalb tun sich viele Absteiger wahnsinnig schwer. Also sehe ich es als meine Hauptaufgabe an, vor allem die Spieler, die in diesem Jahr oben waren, dafür zu sensibilisieren, dass die Zweite Liga harte, harte Arbeit ist. Dort kann man mit lockerem Spiel keinen Erfolg haben.

Sport1.de: Also geben Sie kein konkretes Ziel aus?

Becker: Das können wir momentan schon alleine deshalb nicht machen, weil wir nicht wissen, mit was für einer Mannschaft wir spielen.

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