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Dank Luca Toni beendete Miro Klose (l.) gegen Hertha seine 674-minütige Torflaute © getty

Miroslav Klose hat seine sechsmonatige Torflaute beendet. Nach seinem Tor gegen Hertha BSC zeigt sich der Bayern-Stürmer erleichtert.

Von Daniel Rathjen

München - Es war der beste Blick ins Seelenleben: Miroslav Klose hätte in der 59. Minute am liebsten in den Pfosten gebissen.

Der so glücklose Stürmer des FC Bayern beließ es jedoch bei Schlägen und Tritten gegen das "böse" Aluminium, das ihm vorerst den so langersehnten Torerfolg verdorben hatte.

"In der Szene habe ich eigentlich alles richtig gemacht, ich hatte spekuliert, dass der Ball dort hin kommt, renne vor den Mann und komme an den Ball", sagte Klose danach im Gespräch mit Sport1.de.

"Aber wenn man die Seuche hat, dann geht selbst so ein Schuss daneben."

Ende der Torflaute

Als sich scheinbar alles gegen ihn verschworen hatte, starteten die Teamkollegen ihre Aktion "ein Herz für Klose". Nach kurzer Diskussion mit Luca Toni reichte Bastian Schweinsteiger den Ball an Klose zurück - und der Nationalstürmer verwandelte unter dem tosenden Beifall der Zuschauer den Elfmeter.

Es war gleichzeitig die Erlösung nach 674 Minuten ohne Bundesliga-Tor in einem Spiel, das der Rekordmeister gegen das sehr schwache Team von Hertha BSC vollkommen verdient mit 4:1 gewann.

"Eine große Geste"

"Ich war ja eigentlich nicht als Schütze vorgesehen", sagt Klose. "Ich habe Schweini den Ball zugeschmissen. Es war schon eine große Geste, dass sie mir dann den Ball in die Hand gedrückt haben. Daran gedacht, dass ich ihn eventuell wieder zurückwerfe, habe ich nicht. So eine Chance darf man sich nicht entgehen lassen."

Bei den Verantwortlichen war die Freude groß, dass endlich der Knoten geplatzt war. "Er wurde monatelang kritisiert. Dabei wissen wir doch alle, dass er einer der besten deutschen Stürmer der letzten Jahre ist", sagte Jürgen Klinsmann.

Und Manager Uli Hoeneß lobte, Klose sei "ganz anderes aufgetreten, viel selbstbewusster" als zuletzt.

Der 30-Jährige konnte nach seinem ersten Bundesliga-Treffer seit dem 1:0 auf Schalke am 1. März ebenfalls wieder lachen und war stolz.

Die Kritik an seiner Person, die mangelnde Fitness nach einer langen Saison und der Europameisterschaft, kombiniert mit extremer Ladehemmung vor dem Tor haben an ihm genagt, auch wenn der sensible Ex-Bremer es nicht zugeben möchte.

"Ich habe gar keine Gelegenheit gehabt, das alles an mich heranzulassen. Ich habe noch mehr gearbeitet als sonst", stellt Klose klar.

Weiter Rückendeckung von Klinsmann

Sein Trainingseifer dürfte ein Grund für die Nibelungentreue von Jürgen Klinsmann sein, obwohl Lukas Podolski hinter Klose mit den Hufen scharrt.

"Ich habe die undankbare Aufgabe, dass ich einem von drei Stürmern sagen muss: Du gehst dann erstmal auf die Bank. Im Moment haben wir uns auf Luca Toni und Miroslav Klose festgelegt", bestätigte der Trainer im DSF.

"Es ist die tägliche Trainingsarbeit, die wir beurteilen. Da ist Klose einen Tick besser", erklärte "Klinsi". "Es liegt nun an Poldi, reinzukommen und ein Ausrufezeichen zu setzen. Er muss noch mehr Druck machen. Er weiß: Im Fußball gehen viele Dinge über Nacht. Er muss sich einfach reinhängen, das macht er auch und dann sehen wir, was in zwei Wochen Sache ist."

Verhältnis zu Podolski ungetrübt

Trotz allem sieht Klose sein Verhältnis zu Podolski durch die aktuelle Situation nicht getrübt. "Es tut mir Leid für Lukas, wir verstehen uns aber weiter blendend. Ich sage ihm immer wieder, dass die Saison noch genug Spiele bereithält und er schon auf seine Einsätze und Kisten kommen wird."

Fürs Erste aber ist der WM-Torschützenkönig gesetzt. "So eine Rückendeckung hilft absolut", sagte Klose.

Aber nicht nur der Trainer, sondern auch der Manager und die Mannschaft stehen hinter mir. Sie haben letztlich immer die richtigen Worte gefunden. Ich glaube, sie haben auch gesehen, dass ich alles gebe, um Erfolg zu haben. Und das wird dann auch belohnt."

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