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Isaac Boakye (r.) verpasst Kapitän Andreas Wolf eine Bierdusche © getty

Begeistert feiern die Franken den Aufstieg nach den zwei Siegen in der Relegation. Trainer Michael Oenning erhält viel Lob.

Von Thorsten Mesch

Nürnberg - Als hätten sie es geahnt. Vor dem Relegations-Rückspiel gegen Energie Cottbus fragte der Radiosender Bayern 3 seine Hörer, was eine "Gambl" sei.

Antwort: Die "Gambl" oder das "Gamberla" ist laut "Franken-Wiki" das Dreieck, das der Torpfosten und die Latte bilden.

Und genau dorthin beförderte Christian Eigler nach einer knappen halben Stunde den Ball aus 19 Metern. Links oben schlug die Kugel ein. Und die Party begann.

Der Jubel und die Erleichterung unter den meisten der 46.780 Zuschauer im ausverkauften Stadion waren riesig. Der Aufstieg war den Nürnbergern, die das Hinspiel in Cottbus 3:0 gewonnen hatten, nun nicht mehr zu nehmen.

Fans feiern auf dem Rasen

"Das Tor war so gewollt, aber es klappt natürlich nicht immer, dass man den Ball genauso trifft. Es war sehr wichtig und nach dem 2:0 war alles gegessen", erklärte Eigler mit einer Bierflasche in der Hand, während im Stadion bereits der berühmte Bär steppte.

FCN-Präsident Michael A. Roth musste keinen roten Teppich ausrollen. Tausende Club-Fans stürmten auf den Rasen und feierten die Rückkehr in die Bundesliga.

"Wir waren nur kurz weg. Jetzt sind wir wieder da", stand auf der Anzeigetafel und über die Stadionlautsprecher lief die Vereinshymne "Die Legende lebt".

"Wir haben im Vorfeld nicht großartige Dinge geplant, denn wir wissen, dass wir spontan feiern können", freute sich Sportdirektor Martin Bader. Die Fans durften sich neben dem Aufstieg noch über 10.000 Liter Freibier freuen.

Zittern bis Eigler trifft

Dabei hatten die "Clubberer" bis zu Eiglers Tor noch zittern müssen. Cottbus begann stark und die FCN-Abwehr wackelte.

"Das Schlimme ist, man gewinnt auswärts 3:0 und jeder geht davon aus, dass wir ganz locker gewinnen", sagte Torwart Raphael Schäfer. "Von daher war das Spiel schwerer für uns."

Umso größer war der Jubel nach Marek Mintals zweitem Treffer und nach dem Schlusspfiff. "Die spontane Freude ist die ehrlichste, und die Leben wir heute aus", sagte Trainer Michael Oenning.

"Es ist überragend, wie viele tolle Fans wir in Nürnberg haben", meinte Eigler, der auch im Hinspiel ein Tor erzielt hatte.

"Ich freue mich, dass wir es gepackt haben und nicht noch ein Jahr Zweite Liga spielen müssen", sagte Eigler, der in der Club-Jugend groß wurde und nach Stationen in Fürth und Bielefeld im vergangenen Sommer zum FCN zurückgekehrt war.

Rekord-Aufsteiger mit Bielefeld

Zum siebten Mal schaffte Nürnberg den Aufstieg und ist nun zusammen mit Arminia Bielefeld Rekord-Aufsteiger in die Bundesliga. "Eines ist klar: Ohne die Fans wären wir sicherlich nicht hier", meinte Oenning.

Oenning, der zuvor als Co-Trainer von Thomas von Heesen gearbeitet hatte und im September als Chef-Coach installiert worden war, führte den Club aus dem Mittelfeld bis auf Rang drei.

"Der Trainer war die wichtigste Person mit seinem kompletten Team", stellte Roth fest. Zusammen mit Bader und Co-Trainer Peter Hermann schaffte Oenning noch die Wende.

Teamgeist als entscheidender Fakt

"Wir haben gemerkt, dass wir rankommen und die anderen schwächeln", erklärte Bader. "Wir haben einen top Teamgeist entwickelt. Das war entscheidend", sagte Hermann, der von Bayer Leverkusen nach Nürnberg kam, zu Sport1.de.

"Nichts gegen die Leverkusener Fans, aber wenn wir dort solche Fans wie hier in Nürnberg gehabt hätten, wären wir wahrscheinlich schon ein, zwei Mal Meister geworden."

Auch gegen Bayern die "Gambl" treffen

"We are the Champions" hallte es aus den Lautsprechern und die Spieler feierten noch eine Stunde zusammen mit den Fans im Stadion. Zwei Stunden nach Abpfiff startete der Mannschaftsbus und die Party ging weiter.

"Jetzt bringen wir die Stadt zum Beben", meinte Eigler. In der Nürnberger Innenstadt feierten mehrere Tausend Fans ihren Club.

"Diese Mannschaft wird ihnen nächstes Jahr viel Freude machen", kündigte Michael Oenning an. Die Club-Fans träumen bereits von einem Sieg im Derby gegen die Bayern. Am besten mit einem Treffer in die "Gambl".

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