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Die Fans von Energie Cottbus machten wieder einmal negative Schlagzeilen © getty

Der Abstieg des letzten Ost-Vereins der Bundesliga verkommt zur dilettantischen Posse. Für den Manager ist guter Rat teuer.

Nürnberg - Trainer Bojan Prasnikar war schon vor dem Finale um den Klassenerhalt entlassen, Teile der Mannschaft verweigerten die Arbeit, und die Fans sorgten mit Ausschreitungen für eine Spielunterbrechung.

Energie Cottbus verabschiedete sich im Chaos als letzter Ost-Verein aus der Fußball-Bundesliga. (Spielbericht: Club im Hurra-Stil)

Auch DFB-Präsident Theo Zwanziger weiß keine schnelle Lösung für die Probleme in der nun erstligafreien Zone.

"Es ist schade, dass der letzte Vertreter aus den neuen Bundesländern weg ist", sagte Zwanziger. "Aber wir können keine Klubs finanzieren. Das konnte Mielke früher."

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"Es gibt viele Gründe"

Stasichef Erich Mielke hatte in der DDR den BFC Dynamo unterstützt, der zwischen 1979 und 1988 dank diverser Aktivitäten des gehassten Geheimdienstes zehnmal in Folge DDR-Meister wurde.

Seit 1989, als die Mauer fiel, gibt es nun zum zweiten Mal keinen Ost-Verein in der höchsten deutschen Spielklasse.

Zwanziger weiter: "Es gibt viele Gründe, warum der Fußball-Osten nicht da ist, wo wir uns ihn wünschen."

Inkompetenz auf allen Ebenen

Cottbus lieferte bei den Relegationsspielen - nach der 0:3-Heimpleite gab es auch beim 1. FC Nürnberg ein 0:2 - ein Paradebeispiel für Inkompetenz ab. (DATENCENTER: Ergebnisse)

Nicht nur Club-Trainer Michael Oenning war fassunglos, dass am Tag vor dem alles entscheidenden Spiel der angeblich selbstgewählte Abschied von Prasnikar zum Saisonende von der Klubspitze verkündet wurde (Rücktritt! Prasnikar verlässt Cottbus).

"Das finde ich unglücklich und wenig taktvoll", sagte Oenning.

"Wille zum Neustart"

Energie-Vereinschef Ulrich Lepsch begründete den Fauxpas mit der "gemeinsamen Analyse der Situation mit Prasnikar" und den "Willen zum Neustart".

Dann redete er die Situation bei Energie schön, das im Unterhaus einen Etat von 13 statt bislang 23 Millionen Euro haben wird.

"Es gibt keine Scherben. Wir sind abgestiegen, das ist traurig. Aber wir werden uns neu sortieren", sagte Lepsch: "Bei der Trainersuche werden wir uns Zeit nehmen. Es gibt ganz viele Kandidaten."

Als Favorit gilt der aus dem Osten stammende Ex-Nationalspieler Ulf Kirsten, zudem kursieren die Namen Claus-Dieter Wollitz und Jürgen Raab.

Zweifel an Verletzungen

Die später nur noch bei der Zündung von Rauchbomben aktiven Fans entrollten auf der Tribüne ein Spruchband mit der Aufschrift: "Ulf erlöse uns von dem Bojan."

Doch Prasnikar hatte nicht allein Schuld an der Misere, einige Spieler verweigerten wohl in Gedanken an ihren neuen Verein die Arbeit. Deshalb gab es an den zahlreichen Verletztenmeldungen von wichtigen Spielern wie zum Beispiel Dimitar Rangelow oder Stanislaw Angelow auch massive Zweifel.

"Man kann lange darüber philosphieren, ob wirklich alle nicht spielen konnten. Wir hatten in den letzten Monate viele Probleme", meinte Prasnikar dazu vielsagend.

Viele Abgänge befürchtet

Ein Großteil der Stammkräfte wird den Verein wohl verlassen, weil in den meisten Verträgen bei Abstieg eine Reduzierung der Bezüge auf die Hälfte festgeschrieben ist - und die meisten Ausstiegsklauseln besitzen.

Kapitän Timo Rost soll in Nürnberg ein Thema sein, Torhüter Gerhard Tremmel hat Angebote ("Ich gehe erstmal in Urlaub"), Spielmacher Ervin Skela soll wohl in jedem Fall gehen.

Brauchen erstmal einen Trainer

Nach der Pleite zog Energie-Manager Steffen Heidrich einen handgeschrieben Zettel mit Spielernamen aus der Jackentasche, mit denen er noch am Pfingstmontag Verhandlungen über die Zukunft führen wollte.

Heidrich: "Aber das wird ganz schwer, weil wir eigentlich erst mal einen Trainer brauchen, mit dem wir alles absprechen können."

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