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Markus Babbel (l.) und Horst Heldt (r.) wollen die schwere Zeit gemeinsam überstehen © getty

Der Erfolgsmann beim VfB Stuttgart drückt ab sofort wieder die Schulbank. Der Spagat zu seinem regulären Sitzplatz ist aber schwer.

München - Das Gros seiner Mannschaft sonnt sich noch im Urlaub, doch für Teamchef Markus Babbel vom VfB Stuttgart beginnt die neue Saison bereits am Dienstag: Nach nur neun freien Tagen tritt der 36-Jährige dann in Köln zur Fußball-Lehrer-Ausbildung des Deutschen Fußball-Bundes an.

"Ich bin zwar sicher nicht der Schlaubischlumpf, aber am liebsten wäre es mir gewesen, wenn ich den Trainerschein geschenkt bekommen hätte", sagt Babbel

Zehn Monate der Doppelbelastung mit Ausbildung und Job erwarten nun den Team-Manager des VfB Stuttgart.ad

17 Schüler mit "Nebenjob"

Babbel sei ein "extremer Fall", meint Frank Wormuth, der den Lehrgang als Chefausbilder des DFB leitet, "es ist nicht normal, dass ein Champions-League-Trainer bei uns seine Ausbildung macht".

Neben Babbel gehören dem Kreis der zusammen 24 Lehrgangsteilnehmer 17 weitere Aktive an, wie Wormuth die Schüler mit Nebenjob nennt.

Darunter die Profi-Trainer Tomas Oral vom FSV Frankfurt, Torsten Lieberknecht aus Braunschweig und Heiko Weber von Erzgebirge Aue.

Ziege am Stress gescheitert

Doch kein anderer angehender Fußball-Lehrer trainert nebenbei auf so hohem Niveau wie Babbel.

"Das wird viel Stress und Aufwand, vor allem für meine Familie. Aber ich bin davon überzeugt, dass es funktioniert", sagt Babbel.

Christian Ziege, einst Babbels Kollege bei Bayern München und in der Nationalelf, hat schmerzlich erlebt, mit welchen Mühen die doppelte Lehrzeit verbunden ist. Ziege brach seine Ausbildung im vergangenen Jahr ab, weil sie nicht mit der Arbeit als Co-Trainer bei Borussia Mönchengladbach vereinbar war.

"Alibi für die Spieler"

Nun unternimmt er, gemeinsam mit Babbel, einen neuen Anlauf. Und er warnt seinen früheren Mitspieler.

"Man braucht sicher einen vernünftigen Assistenten, denn die Doppelbelastung wird gerne auch von den Spielern als Alibi genommen. Da heißt es dann, der Trainer redet nicht mit mir, er hat nie Zeit, ist nie da. Es funktioniert nur, wenn alle im Verein dahinter stehen", sagt er.

Babbel spürt diesen Rückhalt, beim VfB gebe es "keine Bedenken", sagt er.

Toleranz von Wormuth gefragt

Aufgrund der leichten Modifizierung des Lehrgangs wird er wie die anderen Schüler von Montagmorgen bis Mittwochabend in Köln an der Sporthochschule anwesend sein müssen.

Doch was, wenn Stuttgart am Dienstag in der Königsklasse spielt?

"Umso erfolgreicher Markus ist, umso stressiger wird es für ihn. Er kann dann ja gar nicht da sein", sagt Ziege. Doch er weiß auch: "Frank Wormuth baut dir alle möglichen Brücken."

20 Prozent Ausfall vertretbar

Wormuth meint, dass er "nicht päpstlicher als der Papst" sei. In jedem der vier Fächer (Fußballlehre, Trainingswissenschaft, Sportmedizin und Pädagogik/Psychologie) sind Fehlzeiten bis zu 20 Prozent erlaubt, verpasster Stoff kann per Nachhilfe aufgearbeitet werden.

"Wir müssen dem Fakt der Berufsbegleitung gerecht werden. Die Erfahrung hat gezeigt, dass immer mal wieder einer beurlaubt wird, wenn er bei uns ist. Das wollen wir vermeiden", sagt Wormuth.

Stanislawski macht es vor

VfB-Sportdirektor Horst Heldt, der mit dem Verband lange Zeit um die Veränderung der Trainer-Ausbildung gerungen hat, lobt daher die "innovativen Schritte" des Verbandes.

Und auch Ziege nennt die Lehrzeit den Bedenken zum Trotz selbst für die doppelt belasteten Trainer "zwar nicht einfach, aber machbar".

24 von 25 Teilnehmern haben den letzten Lehrgang auf Anhieb bestanden. Jahrgangsbester war Holger Stanislawski, Cheftrainer bei Zweitligist FC St. Pauli und wie Babbel ein Schüler in Doppelfunktion.

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