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Bruno Labbadia trainiert Leverkusen seit 2008 - doch wie lange noch? © imago

Bruno Labbadias Zukunft entscheidet sich im Lauf des Tages. Das Tischtuch zwischen ihm und den Spielern scheint zerschnitten.

Von Martin Hoffmann

München - Das Schicksal von Bruno Labbadia in Leverkusen - es entscheidet sich wohl am Ende der Woche.

Dies ist das Ergebnis eines Gespräches zwischen dem Trainer und der Klubführung.

"Von mir gibt es keine Wasserstandsmeldungen. Wir werden noch verschiedene Gespräche führen. Dann werden wir ohne Hast eine Entscheidung treffen", sagte Bayer-Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser am Dienstag.

Die Zeichen stehen aber auf Trennung, zu viele Wunden hat Labbadias Generalabrechnung in einem Zeitungsinterview (Labbadia vor dem Aus?) vor dem Pokalfinale hinterlassen.

Und wie es aussieht, würde Labbadia weich fallen: Der Hamburger SV favorisiert ihn laut Medienberichten als Nachfolger für Martin Jol - auch wenn sein Interview offenbar auch dort für Verwunderung gesorgt hat.

"Behandelt uns wie Kinder"

Vollends zerschnitten scheint das Tischtuch zwischen Labbadia und seinen Spielern.

Glaubt man dem "Express", ist das Interview des Trainers in der Mannschaft als Ego-Trip auf ihre Kosten aufgenommen worden.

"Der Trainer behandelt uns wie Kinder. Dabei ist er selbst ein Anfänger", ätzt ein ungenannter Bayer-Akteur im "Express".

Helmes' unverhohlener Vorwurf

Aber auch was einige Bayer-Spieler ohne den Schutz der Anonymität erklärten, spricht Bände.

Patrick Helmes etwa äußerte sich zu Labbadias Interview: "Man hätte es anders machen können, es hätte auch Montag in der Zeitung stehen können."

Helmes' mit einem unverhohlenen Vorwurf versehenes Fazit: "Wir haben uns jedenfalls nicht unprofessionell verhalten."

Auch Rolfes kritisiert offen

Auch Kapitän Simon Rolfes nannte Labbadias Interview "mehr als unglücklich".

Und der Nationalspieler übte auch Kritik daran, dass Labbadia im Pokalfinale bis fünf Minuten vor Schluss wartete, ehe er mit offensiven Wechseln auf den 0:1-Rückstand reagierte.

"Wenn man zurückliegt, sollte man schon mehr Risiko gehen", so Helmes.

Schneiders Berater tobt

Bernd Schneider ist ein anderer, der schwer gekränkt ist.

Beim Finale machte er sich 45 Minuten am Spielfeldrand warm, um dann am Ende doch übergangen zu werden.

Schneiders Berater Michael Becker brachte das zur Raserei: "Das Verhalten des Nichterfolgstrainers ist nicht nur unerträglich, sondern stillos und unanständig."

Schneider denkt an Rücktritt

Schneider selbst war der Frust ebenso anzumerken, er trat nach Abpfiff gegen den Pfosten und feuerte sein Trikot zu Boden.

"Bernd war am Boden zerstört, er sprach schon von Rücktritt", zitiert der "Express" einen Teamkollegen.

Und auch was Schneider selbst erklärte, lässt sich in die Richtung auslegen: "Ich weiß noch nicht, wie es weiter geht. Ich frage mich schon: Passt es noch oder nicht?"

Rückendeckung von den Gesellschaftern

Aber nicht überall ist Labbadias brutale Bestandsaufnahme so schlecht angekommen wie bei den Spielern.

Die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, dass Labbadias Aussagen im Gesellschafterausschuss des Klubs - in dem unter anderem der Sponsor vertreten ist - auf positives Echo gestoßen ist.

Der Zeitpunkt der Fundamentalkritik wäre dort zwar auch nicht gut angekommen, aber rein inhaltlich würde man Labbadia dort recht geben - und sich für seinen Verbleib aussprechen.

Nicht alle Türen zugeschlagen

Ein Trainer, der Klartext redet und mutig seinen Weg geht, würde Leverkusen gut tun, so der Tenor. Womöglich schlägt Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser auch deshalb nicht alle Türen zu. (Alles ganz anders: Bleibt Labbadia doch?)

Man werde "Meinungen austauschen, aufeinanderlegen und prüfen", so Holzhäuser. Womöglich komme "ein Kompromiss heraus".

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