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Christoph Daum war schon von 1986 bis 1990 Cheftrainer beim 1. FC Köln © getty

Die Kündigung des Trainers erwischt Köln kalt und stürzt einige Fans in Hysterie. Sogar um den "Poldi"-Deal wird gefürchtet.

Von Martin Hoffmann

München - FC-Idol Toni Schumacher hatte schon geahnt, dass etwas im Busch war.

"Ich war vor ein paar Wochen in Istanbul", erklärte der einstige Keeper der "Geißböcke" gegenüber Sport1.de: "Da hat man schon so ein Munkeln gehört."

Die Verantwortlichen des 1. FC Köln - und auch seine Fans - wurden dagegen kalt erwischt von Christoph Daums Abgang in Richtung Fenerbahce Istanbul (Amtlich: Daum verlässt Köln).

Bei seinem neuen Verein habe er die Chance, "direkt wieder international zu spielen, was für mich immer mein größter Anreiz und Wunsch als Trainer war", wie er seinen Abgang nun in einer ersten, von seinem Anwalt verbreiteten Stellungnahme begründete - ohne den neuen Klub beim Namen zu nennen.

Seine Entscheidung sei "keine gegen den 1. FC Köln, sondern für die neue Herausforderung".

Abgang schon im Vorjahr angedroht

Dabei hatte Klubchef Wolfgang Overath in einem Zeitungsinterview noch vor wenigen Tagen davon erzählt, wie Daum (113379DIASHOW: Daums Karriere) sich bei seinem Mallorca-Urlaub Gedanken über die Fortentwicklung der Mannschaft machen müsste.

Dass der auf Mallorca stattdessen mit Fenerbahce handelseinig werden sollte, ahnte Overath nicht.

Dabei mussten die Kölner auf Unruhe in Zusammenhang mit dem Trainer eigentlich eingestimmt sein.

Die merkwürdige Vertragsklausel Daums, dass er seinen Kontrakt jedes halbe Jahr einseitig und ohne Angabe von Gründen kündigen kann - sie war ein auf Papier gebannter Unsicherheitsfaktor.

Und schon im vergangenen Jahr hatte Daum seinen Klub nach dem vollendeten Aufstieg damit geschockt, dass er die Möglichkeit seines Abgangs in den Raum stellte, um die Vereinsführung zu mutigeren Investitionen zu bewegen.

Klares Bekenntnis erst vor kurzem

Diesmal aber hat vorher praktisch nichts darauf hingedeutet, dass Daum sich in Gedanken verabschiedet hätte.

Im Gegenteil: Noch vor wenigen Wochen hatte er ein vermeintlich klares Bekenntnis zu seinem Verein abgelegt.

"Alles was wir in Köln erreicht haben, spricht für sich", hielt er fest: "Wir haben gemeinsam große Ziele, deswegen sehe ich keine Veranlassung, eine Vertragsdiskussion zu entfachen."

Lockruf des Geldes - und der Perspektive

Mehrere Faktoren haben ihn nun bewogen, dieses Bekenntnis zu überdenken.

Der Lockruf von 3,5 Millionen Euro Jahresgehalt, einerseits. Die Aussicht andererseits, bei einem ambitionierten, international vertreten Klub zu spielen - wo er noch dazu einen ähnlich mythischen Ruf genießt wie in Köln.

Aber Daums Weggang kann eben auch als Signal gedeutet werden, dass ihm in Köln die Perspektive gefehlt hat.

Nur langsame Entwicklungsaussichten

Mit dem Verlauf der "wunderbaren" vergangenen Saison nach dem Aufstieg zeigte sich Daum zwar "rundum zufrieden".

Aber Daum wusste, dass die Entwicklung in Köln nur langsam vorankommen kann - trotz der spektakulären, aber auch so ziemlich alle Transferressourcen bindenden Verpflichtung von Lukas Podolski.

"Wenn es uns gelingt, den zwölften Platz zu bestätigen oder noch etwas zu verbessern, dann haben wir wieder einen Schritt nach vorne gemacht", hatte Daum kürzlich noch sein Ziel für die kommende Saison umrissen.

"Immer höhere Ziele"

Eine vernünftige Zielsetzung für einen Verein wie Köln - aber für einen erfolgsbesessenen Macher wie Daum nicht die rosigste Aussicht.

Seinen Ehrgeiz hatte der einmal in einem Interview mit dem "Kölner Stadt-Anzeiger" umrissen: "Ich habe mich nie damit zufrieden gegeben, was vielleicht die Arbeitsplatzbeschreibung meines Vereins gewesen wäre. Ich hatte immer höhere Ziele."

Identifikationsfigur verloren

In Daum verliert Köln nun nicht nur einen Trainer, sondern auch eine kultisch angehimmelte Identifikationsfigur - die jetzt natürlich auch von einigen Fans mit derselben Vehemenz zum Teufel gewünscht wird (Sport1.de-User: "Herr Daum, schämen Sie sich").

Dabei versichert Daum: "Ein Teil meines Herzens wird immer hier bleiben."

In erster Hysterie wirft manch einer auch schon die Frage auf, ob jetzt nicht sogar Podolskis Rückkehr in Gefahr ist.

Der hat inzwischen festgehalten, dass Daums Weggang für ihn "überraschend" komme.

Aber: "Ich bin zuversichtlich, dass der Verein schnell einen guten Nachfolger findet, und ich bin auch sicher, dass der FC seine gesteckten Ziele unabhängig vom Trainerwechsel weiterhin erreichen wird."

Das Gefühl von Champions League ist weg

Obwohl die sportlichen Konsequenzen von Daums Abgang noch nicht seriös abzuschätzen sind, steht eines schon fest.

Ohne ihn verliert ein Mittelklasseverein ein Gesicht, dessen Glanz im emotionsbetonten Köln schon ein Gefühl von Champions League verhieß.

Die Nachfolgekandidaten, die jetzt im Gespräch sind - Michael Skibbe, Friedhelm Funkel, Mirko Slomka - taugen dazu nicht so recht.

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