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Das Anhänger-Potential im Osten ist riesig, die finanziellen Möglichkeiten mangelhaft © imago

Pleiten, Pech und Pannen zeichnen die Geschichte der Ost-Vereine nach der Wende. Nun steht wieder ein dunkles Kapitel bevor.

Leipzig - Einst träumte man von Europapokalspielen inmitten blühender Landschaften, jetzt geht die Sonne im Fußball-Osten wohl endgültig unter.

In den neuen Bundesländern schwindet fast 20 Jahre nach dem Mauerfall allmählich die Hoffnung, dass sich die Traditionsvereine der DDR dauerhaft in Deutschlands Eliteliga etablieren.

"Ich sehe kurzfristig keinen Ost-Klub in der Bundesliga", sagt Hans-Jürgen "Dixie" Dörner.

Der 100-malige DDR-Auswahlspieler, der als Trainer des Radebeuler BC gerade in die sechste Liga aufgestiegen ist, macht die Misere am Geld fest.

"Wirtschaftlich und strukturell sind die Nachteile einfach zu groß", äußert Dörner und liegt damit auf einer Wellenlänge mit DFB-Präsident Theo Zwanziger: "Man soll jetzt nicht jammern, dass alles schlecht ist. Wenn jedoch die Infrastruktur nicht angepasst wird, gibt es weiterhin Probleme."

Große Naivität im Osten

Eduard Geyer, langjähriger Trainer bei Energie Cottbus, macht auch eine gewisse Blauäugigkeit für die Tristesse verantwortlich.

"Du kannst nicht denken, dass Hamburg dir Geld spendet oder Berlin. Sondern du musst sehen, dass du aus deinen Möglichkeiten das Beste machst und was anderes wird uns auch nicht retten", sagte der letzte DDR-Auswahltrainer dem "ZDF-Morgenmagazin".

Kein Bundesliga-Kandidat

Zum zweiten Mal nach dem Mauerfall ist der Osten in der Bundesliga nur Zaungast.

Nach dem Abstieg von Hansa Rostock in der Saison 2004/05 gelang Energie Cottbus im Jahr darauf völlig überraschend die Rückkehr ins Oberhaus. In der kommenden Spielzeit finden sich Hansa und Energie neben Union Berlin in der Zweiten Liga wieder (Cottbus verabschiedet sich im Chaos).

Von der Bundesliga redet dort niemand ernsthaft.

Keine Vorbilder für die Ost-Jugend

"Ich sehe zurzeit keinen Lichtblick, dass man sagt, der Verein könnte in der nächsten Zeit in der Bundesliga spielen", meinte Geyer.

Dadurch werde auch der Nachwuchs geschwächt, weil die Vorbilder in der unmittelbaren Nähe fehlten.

Ulf Kirsten sagte der "Sächsischen Zeitung": "Es ist nicht gut, dass nächste Saison kein Klub aus dem Osten in der Bundesliga spielt."

Negativ-Beispiel Dresden

Ebenfalls weniger gut war es, wie die wenigen Ost-Klubs, die es in die Bundesliga schafften, geführt wurden.

Dynamo Dresden, der Verein mit dem wohl größten Potenzial, fand sich nach der Regentschaft von Rolf-Jürgen Otto mit einem großen Schuldenberg als Zwangsabsteiger in der Dritten Liga wieder.

In der Folgezeit sorgte der Klub fast ausschließlich durch seine randalierenden Fans für Schlagzeilen.

VfB Leipzig aufgelöst

Den VfB Leipzig ereilte der finanzielle GAU.

Den ersten deutschen Meister gibt es heute nicht mehr. In der einst so stolzen Fußball-Stadt Leipzig spielt die Musik in der fünften Liga.

Im über 100 Millionen Euro teuren WM-Stadion treten höchstens noch AC/DC auf.

Unglückliche Entscheidung

Bei Cottbus hielt man es für ratsam, einen Tag vor dem entscheidenden Relegationsspiel (Spielbericht: Club im Hurra-Stil) die Trennung von Trainer Bojan Prasnikar (Rücktritt! Prasnikar verlässt Cottbus) öffentlich zu machen.

Und Rostock wäre fast in die Dritte Liga durchgerutscht, weil man erst zu lange an Trainer Frank Pagelsdorf festhielt und schließlich in Dieter Eilts den falschen Nachfolger verpflichtete.

Erst am letzten Spieltag rettete sich Hansa mit Coach Andreas Zachhuber - durch Patzer der Konkurrenz.

Eigentlich blühende Fußball-Landschaft

Theo Zwanziger forderte die Ost-Klubs auf, sich endlich auf ihre Stärken zu besinnen.

Schließlich sei man dort in einer Fußball-Landschaft wie dem Ruhrgebiet. Der DFB könne mit einer vernünftigen Nachwuchsarbeit helfen, die sozialen Gegebenheiten könne man jedoch nicht ändern.

Bei aller Finsternis gibt es aber auch zwei Lichtblicke. Dynamo Dresden ist mittlerweile in ruhigerem Fahrwasser und spielte die fünftbeste Rückrunde der dritten Liga.

Und in Leipzig will ein Getränke-Unternehmer den Vorort-Klub SSV Markranstädt in die Bundesliga führen.

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