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(v.l.) Slomka, Gross, Funkel und Skibbe werden wieder mal als Trainer-Kandidaten gehandelt © getty

Selten gab es in der Bundesliga so viele freie Trainerstellen wie momentan. Und der Präsident des Berufsverbandes zeigt sich erfreut.

Von Matthias Becker

München - Normalerweise ist es ein ziemlich mühsames Geschäft, sich als arbeitsloser Fußball-Trainer dezent aber wirkungsvoll um eine neue Anstellung zu bemühen.

Ganz unverdächtig mal hier, mal da in einem Bundesliga-Stadion auftauchen - und hinterher leugnen, man sei am wackelnden Stuhl des Heimtrainers interessiert.

Spaß macht das sicher nicht. Umso schöner für die einschlägig bekannten Fußball-Lehrer, dass sich das Blatt in diesem Sommer wendet.

Momentan reicht es vermutlich schon, sich mit angeschaltetem Mobiltelefon für ein paar Stunden in ein Cafe zu setzen - die Anrufe der potenziellen Interessenten dürften von selbst eintrudeln.

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Frontzeck übernimmt Gladbach

Bestes Beispiel: Michael Frontzeck.

Bei Arminia Bielefeld wurde Frontzeck vor dem letzten Spieltag der abgelaufenen Saison gefeuert. Bis zur Vorstellung in Gladbach war er ganze 17 Tage arbeitslos.

Die 400.000 Euro Abfindung von der Arminia erscheinen im Licht dieser Entwicklung als nettes Überbrückungsgeld.

Abschied aus eigenem Antrieb

Auffällig ist in Gladbach, aber auch bei den übrigen freien Trainerposten bei Bundesligisten der Saison 2008/09:

Ob Martin Jol (HSV), Christoph Daum (1. FC Köln), Friedhelm Funkel (Eintracht Frankfurt), Bojan Prasnikar (Energie Cottbus), Jörg Berger (Bielefeld) oder eben Hans Meyer (Mönchengladbach): Die Trennung erfolgte entweder einvernehmlich oder auf Antrieb der Trainer hin.

"Aktuelle Situation ist erfreulich"

Für Horst Zingraf ist die ungewöhnliche Entwicklung in diesem Sommer ein positives Signal.

"Die aktuelle Situation, wenn Verträge eingehalten werden und man sich am Ende der Saison trennt, ist doch erfreulich", sagt der Präsident des "Bund Deutscher Fußball-Lehrer" im Gespräch mit Sport1.de.

Für den Berufsverband sei es positiv zu beobachten, dass die Trennungen einvernehmlich verlaufen, denn: "Zwei Parteien, die Verträge schließen, können die auch lösen."

Favre zum HSV?

Durch diese "Auflösungserscheinungen" sind nun aber einige Stühle frei geworden - und es könnten sogar noch mehr werden.

Bayer Leverkusen könnte sich noch in dieser Woche von Bruno Labbadia trennen. Zudem wird Bochums Marcel Koller vom FC Basel umworben. Und der HSV soll Interesse an Lucien Favre von Hertha BSC haben.

Der zeigte sich zuletzt frustriert über die Möglichkeiten beim Haupstadtklub. "Wir waren auch an großen Talenten wie Marin oder Holtby dran. Doch wir können uns beide nicht leisten. Das ist schwierig für mich hinzunehmen", sagte Favre der "Sport Bild".

Hertha-Manager Dieter Hoeneß sah sich immerhin zu einem Dementi genötigt:

"Ob nun Hamburg oder irgendein anderer Klub anfragt, Lucien Favre besitzt einen Vertrag bis 2011. Wir haben zusammen noch sehr viel vor", sagte Hoeneß der "B.Z."

Auswahlmöglichkeiten für die "üblichen Verdächtigen"

Für die "üblichen Verdächtigen" wie Mirko Slomka, Friedhelm Funkel, Michael Skibbe oder auch Ex-Basel-Trainer Christian Gross bieten sich also außergewöhnlich viele Optionen.

Gleichzeitig müssen die Vereine damit klar kommen, in der wichtigsten Phase der Saisonplanung ohne Cheftrainer dazustehen.

Der Berufsverband kann da aber nicht helfen. "Vermittlungstätigkeiten schließen wir bewusst aus. Wir haben über 4.000 Mitglieder. Sobald wir uns in eine Vermittlerrolle begeben, bevorzugen wir einen und benachteiligen den anderen", sagt BDFL-Boss Zingraf Sport1.de.

Hilfe durch Profil-Datenbank

Immerhin habe man aber eine Profil-Datenbank zu den Mitgliedern und könne hilfesuchenden Vereinen zumindest sagen, welche Trainer bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Diese könnten dann von den Klubs kontaktiert werden, so Zingraf.

Gut möglich, dass dieser Service in den nächsten Tagen häufiger nachgefragt wird.

Auf viele Wochen im Cafe müssen sich die qualifizierten Coaches im Moment wohl kaum einstellen. Noch sind ein paar Stühle frei.

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