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Diego fand gegen Mönchengladbach noch nicht zu alter Stärke © getty

Zwei Punkte nach drei Spielen sind mager. Werder Bremen hinkt bereits jetzt den eigenen Ansprüchen hinterher.

Von Daniel Rathjen

München - Mit so einem desaströsen Start hatte keiner gerechnet. Der ambitionierte Vizemeister befindet sich ohne Zweifel in einem Schockzustand.

Nach dem 2:3-Desaster bei Borussia Mönchengladbach nahmen sich Trainer Thomas Schaaf (seine Wutrede dauerte gut eine Stunde) und Sportdirektor Klaus Allofs die Spieler zur Brust.

Der Frust über den schlechtesten Saisonstart seit neun Jahren ist unübersehbar. "Kollektives Versagen in allen Mannschaftsteilen", wetterte Allofs.

Wenn es so weiter gehe, werde das Saisonziel korrigiert, ließ Sportdirektor Klaus Allofs durchblicken.

Standpauke ohne Wirkung?

Das Problem: Es kann noch nicht einmal richtig überprüft werden, ob die Standpauke Wirkung zeigt. Denn etwa zwei Drittel der Mannschaft haben sich am Montagmorgen für anderthalb Wochen wegen anstehender Länderspiele zu den jeweiligen Nationalmannschaften verabschiedet.

Die Mängel liegen auf der Hand: Es hapert an der Schnittstelle zwischen defensivem Mittelfeld und der Abwehr. Die Räume sind zu offen, die ohnehin instabile Defensivreihe wird unentwegt entblößt.

Schaaf sind in der täglichen Arbeit auf Grund des Rumpfkaders die Hände gebunden.

Ohne Leidenschaft

Diego und Neuzugang Claudio Pizarro werden es schon richten, mögen sich die Fans gedacht haben. Ein Irrglaube: Denn Diego kam nicht in Fahrt, Pizarro erzielte zwar ein Tor, war aber ansonsten ungefährlich und der Rest ließ sich hängen.

Schaaf, der verstärkt auf Disziplin und Teamgeist setzt, wird mit Erschrecken festgestellt haben, dass seine Spieler ohne Einsatzwillen und Leidenschaft zu Werke gingen.

Die Art und Weise, wie sich Werder präsentierte, war es auch, die Allofs zur Weißglut trieb: "Ich war selten so enttäuscht von einer Vorstellung unserer Mannschaft. Das schmerzt viel mehr als die verlorenen drei Punkte."

Diego zu ballverliebt

Und apropos Diego: Der Brasilianer, der es sich mit seiner Olympia-Teilnahme beinahe ganz mit seinem Arbeitgeber verscherzte, ist noch nicht in altbekannter Form. Vielmehr zeigte sich in Gladbach oft zu ballverliebt.

Zudem scheint er sich zu einer kleinen "Diva" zu entwickeln. Am Sonntag kam er zu spät zum Training und hatte obendrein noch seinen Schlüssel vergessen.

Er musste per Klopfzeichen am Kabinenfenster um Einlass bitten. Wer Schaaf kennt, weiß, dass ihn solche Verfehlungen enorm wurmen. Jetzt weilt der 23-Jährige wieder bei der brasilianischen "Selecao".

Nasenbeinbruch bei Frings

Und wäre das nicht schon genug, zog sich Torsten Frings bei einem Sponsorentrip auf die Nordseeinsel Spiekeroog auch noch einen Nasenbeinbruch zu.

"Ich bin beim Basketballspiel mit jemandem zusammengestoßen. Die Nase ist gebrochen und ziemlich schief", berichtet Frings.

Er ist jedoch zuversichtlich, am 13. September gegen Energie Cottbus auflaufen zu können. Die Begegnung der Bremer gegen die Lausitzer wird zum Kellerduell. Zumindest aus Bremer Sicht hatte damit niemand gerechnet.

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