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Bruno Labbadia kam 2008 von Greuther Fürth nach Leverkusen © getty

Blockade oder letzte Poker-Offensive? Bayer erklärt, dass der Trainer keine Freigabe für den Hamburger SV erhalten soll.

Von Martin Hoffmann

München - Meint Bayer Leverkusen es ernst - oder ist es die letzte Offensive im Ablöse-Poker?

Bruno Labbadia soll keine Freigabe für einen Wechseln zum Hamburger SV erhalten.

"Ich habe den Hamburgern deutlich erklärt, dass Herr Labbadia noch ein Jahr Vertrag bei uns hat und ich bitte, dies zu respektieren", erklärte Bayer-Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser - nach eigenem Bekunden "sehr verärgert" und "verstört" über die Meldungen, dass der Deal perfekt wäre

Holzhäuser sprach von einem Exempel, das zu statuieren sei. Er könne Labbadia nicht zwingen für Bayer zu arbeiten, "aber ich kann verhindern, dass er woanders arbeitet. Dieses Job-Hopping muss aufhören."

HSV optimistisch

Der HSV hatte zuvor den Eindruck vermittelt, die Hanseaten stünden kurz vor der Verpflichtung Labbadias als Nachfolger von Martin Jol.

Nur noch letzte Details wären sowohl mit Labbadia als auch mit Bayer zu regeln, so ein Sprecher.

Aber der Klub sei optimistisch, noch im Laufe des Freitags alles regeln zu können. Diese Ansicht vertritt auch der HSV-Aufsichtsratsvorsitzende Horst Becker: "Es gibt noch Dinge zu klären mit Leverkusen. Grundsätzlich wäre die Lösung ideal, weil Labbadia Stallgeruch hat und ein junger und ehrgeiziger Trainer ist."

Appell an die Vertragstreue

Holzhäuser dagegen steigerte sich in eine Brandrede zum Thema Vertragstreue bei Trainern: "Das derzeitige Verhalten ist mit ethischen und moralischen Grundvorstellung nicht vereinbar. Wenn ein Trainer freigestellt wird, zahlt der Klub ja auch weiter zum Teil riesige Summen."

Er fordert auch von DFB-Sportdirektor Matthias Sammer, auf die Zunft einzuwirken.

Holzhäuser sieht Leverkusen "nicht unter Druck", denn "wir haben einen Trainer, die Vorbereitung und Spieltermine für Freundschaftsspiele sind abgeschlossen, die Spieler sind über die Trainingspläne informiert. Aus unserer Sicht könnte es morgen schon wieder losgehen."

Labbadia schon im Vorjahr Kandidat beim HSV

Labbadia war schon vor einem Jahr heißer Kandidat, als der HSV einen Nachfolger für Huub Stevens gesucht hat.

Die Hamburger Oberen konnten sich jedoch nicht auf den ehemaligen Stürmer des Klubs einigen.

Durch die Verwerfungen in Leverkusen kam der 43-Jährige nach Jols plötzlichem Abflug zu Ajax Amsterdam wieder ins Spiel.

Feilschen um eine Ablöse

Labbadia lag mit Vorstand und Mannschaft nicht mehr auf einer Wellenlänge ("Er behandelt uns wie Kinder"), hatte vor dem DFB-Pokalfinale in einem Zeitungsinterview massiv Kritik an den Zuständen bei Bayer geübt.

Nach der Pleite gegen Bremen schien Labbadias Kündigung dann ausgemachte Sache, es kam vielleicht deshalb anders, damit dem interessierten HSV eine Ablösesumme abgepresst werden konnte.

Labbadia ist bei Leverkusen noch bis 2010 unter Vertrag.

Intervention des Bayer-AG-Chefs

Labbadias schonungslose Bestandsaufnahme vor dem Pokalfinale soll rein inhaltlich bei vielen im Verein gut angekommen sein soll.

Dafür sprechen Berichte über eine Intervention von keinem geringeren als Bayer-AG-Vorstand Werner Wenning. Der soll Labbadia bekniet haben zu bleiben, ihm sogar zusätzliche Kompetenzen als Manager angeboten haben.

Pikant: Leverkusen hat mit Michael Reschke bereits einen Manager. Der ist mit Labbadia heillos zerstritten.

Letztlich aber soll auf beiden Seiten der Trennungswunsch überwiegen. Bei Leverkusen, weil das Verhältnis Labbadias zur Mannschaft als nicht mehr zu kitten gilt, bei Labbadia wegen des Willens zu einem unbelasteten Neuanfang.

Favre nur ein Ablenkungsmanöver?

Was aus Labbadias Sicht für Hamburg spricht: Der dortige Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer ist ein Vertrauter, die beiden haben in den Achtzigern gemeinsam in Hamburg gespielt.

Beim HSV waren neben Labbadia zuletzt noch andere Kandidaten genannt worden: Der praktisch in jeder Trainerdiskussion präsente Mirko Slomka, Bernd Schuster, auch Herthas Lucien Favre.

Der Berliner Coach gilt nun im Nachhinein wahlweise als Plan B oder als Ablenkungsmanöver der Hamburger.

Bei Leverkusen werden als potenzieller Labbadia-Nachfolger Morten Olsen und, klar: Mirko Slomka gehandelt.

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