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Patrick Ebert erzielte für die Hertha bislang in 48 Bundesligaspielen vier Treffer © imago

Herthas-Coach Favre fordert von dem Mittelfeldspieler eine doppelte Entschuldigung für die Äußerungen nach dem Bielefeld-Spiel.

Von Martin van de Flierdt

München - Für Patrick Ebert persönlich hätte es ein guter Samstag sein können.

Mit einem sehenswerten Pass hatte der Berliner Mittelfeldmann das 1:0 von Marko Pantelic beim 1:1 gegen Arminia Bielefeld aufgelegt und auch sonst eine gute Figur abgegeben.

Leider gelang ihm genau das anschließend nicht mehr vor den Fernsehkameras, und deshalb war dieser Samstag für Ebert rückbetrachtet nicht mehr ganz so gut.

"Der Trainer stellt die Mannschaft auf", nahm der 21-Jährige Stellung zur überraschenden Maßnahme von Hertha-Coach Lucien Favre, Josip Simunic nicht aufzustellen. "Aber Joe hat im letzten Spiel 88 Prozent seiner Zweikämpfe gewonnen. Für mich und den Rest des Teams ist es schon verwunderlich, dass er nicht gespielt hat."

Ein zweiter klarer Affront gegen den Vorgesetzten, nachdem er aus Solidarität zu Simunic gemeinsam mit Pantelic und Gojko Kacar nach dem Berliner Führungstor auf den Manndecker zugestürmt war und den Treffer explizit mit ihm gefeiert hatte (Pantelic: "Es kann sich jeder denken warum.").

"Es geht nicht, dass ein Spieler jemanden öffentlich kritisiert", rüffelte Michael Preetz, der Leiter der Berliner Lizenzspieler-Abteilung, den Nachwuchsmann. "Schon gar nicht den Trainer."

Ebert nach Canossa

Der stieß ins gleiche Horn. "Er darf das nicht machen", sagte Favre am Sonntag. "Er hat sich bei mir entschuldigt, und er muss sich auch noch vor der Mannschaft dafür entschuldigen." Ebert brachte dies am Montag hinter sich.

Den Gang nach Canossa - neben einer Geldstrafe von kolportierten 5000 Euro - hielt der Schweizer auch deshalb für notwendig, weil Ebert mit seiner Parteinahme für Simunic indirekt dessen beiden Innenverteidigerkonkurrenten Steve von Bergen und Kaka herabqualifiziert hatte.

Dass Herthas neuer Brasilianer vor dem Bielefelder Ausgleich durch Artur Wichniarek entscheidend patzte, gab dem Mittelfeldspieler zwar in der Sache Recht, machte die Angelegenheit aber nicht besser.

Simunic bemüht Albert Einstein

Simunic, am ersten Spieltag in Frankfurt noch Kapitän, hatte erstmals seit dem 22. Oktober 2005 auf der Berliner Bank Platz nehmen müssen und dafür wenig Verständnis geäußert.

"Wahrscheinlich könnte nicht mal Albert Einstein erklären, warum ich nicht gespielt habe", sagte der Kroate. "Das hat mich sehr geärgert. Es gibt keine Erklärung dafür."

Favre verwies darauf, dass Simunic nach der Rückkehr vom kroatischen Länderspiel in Slowenien (3:2) die nötige Frische gefehlt habe.

"Man sollte die Fresse halten"

Auf der anderen Seite stellte er Arne Friedrich wieder auf, obwohl der Vize-Europameister nach eigener Aussage "konditionell noch nicht so weit" ist, "wie es sein sollte". Hierfür gab der Schweizer taktische Gründe an, er habe von Dreier- auf Viererabwehrkette umstellen müssen.

Statt des noch nicht fitten Friedrich hätte auch Rechtsverteidiger Sofian Chahed spielen können. Er musste aber wie Simunic das Spiel lange von außen anschauen.

"Es muss jeder selbst wissen, wie er sich verhält", verpasste Chahed dem selbstbewussten Kroaten für seine Einstein-Anspielung eine Breitseite. "Wenn man nicht spielt, sollte man die Fresse halten und auf der Bank Platz nehmen."

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