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Bayer-Boss Holzhäuser (M.) entschied sich nach Labbadias Abgang für Heynckes (r.) © imago

Vorstandsboss Holzhäuser erklärt bei Sport1.de, wie Labbadias Abgang zum HSV zustande kam und was sich Bayer von Heynckes erwartet.

Von Martin Volkmar

München/Leverkusen - Bayer Leverkusen hat sein Trainer-Problem mit einem Paukenschlag gelöst.

Ausgerechnet Bayern-"Feuerwehrmann" Jupp Heynckes, der sich eigentlich wieder ins Privatleben zurückziehen wollte, wird Nachfolger von Bruno Labbadia.

"Das war eine Entscheidung aus dem Bauch heraus", sagte der 64-Jährige der "Abendzeitung".

"Weil ich ein gutes Gefühl habe. Ich denke, dass ich einiges bewegen kann. Ich freue mich sehr auf die Aufgabe."

Bis der zunächst per Handschlag geschlossene Vertrag bis 2011 perfekt war, hatte es am Freitag allerdings ein zähes Ringen gegeben.

HSV zahlt angeblich bis zu 1,3 Millionen Euro

Denn die Leverkusener waren nicht bereit, Labbadia umsonst aus seinem laufenden Vertrag an den Hamburger SV abzugeben.

Schließlich erklärten sich die Hanseaten zur Zahlung einer Ablöse bereit, die zwischen einer Million und 1,3 Millionen Euro liegen soll.

Sport1.de fragte bei Bayers Vorstandsboss Wolfgang Holzhäuser nach, wie der Deal zustande kam und was sich die Rheinländer vom neuen Coach erwarten.

Dabei lobt der Geschäftsführer überraschend den scheidenden Coach, kritisiert aber das Job-Hopping der Trainer und bestätigt die Entmachtung von Manager Michael Reschke.

Sport1.de: Wie glücklich sind Sie, dass Bayer Leverkusen so schnell einen Nachfolger für Bruno Labbadia präsentieren konnte?

Wolfgang Holzhäuser: Ich bin natürlich sehr froh, einen solchen Mann wie Jupp Heynckes bekommen zu haben. Wir hoffen, dass er mit seiner Erfahrung und seiner natürlichen Autorität aus der Mannschaft die Reserven herausholt, die in ihr stecken.

Sport1.de: War es Taktik von Ihnen, dass Sie am Freitagmorgen eine Freigabe Labbadias für den Hamburger SV noch kategorisch ausgeschlossen haben?

Holzhäuser: Nein, das war keine Taktik. Ich bleibe grundsätzlich bei meiner Kritik an diesem Job-Hopping im Trainerbereich. Zumal die Trainer trotz laufenden Vertrags keinen Schadensersatz zahlen müssen, ganz im Gegensatz zum neuen Verein. Das kann so nicht weitergehen.

Sport1.de: Warum haben Sie dann trotzdem nachgegeben?

Holzhäuser: Ich kann ja keinen Trainer zwingen, bei uns zu arbeiten. Aber ich kann verhindern, dass er sofort woanders arbeitet. Daher war das schon mein voller Ernst, als ich an gültige Verträge erinnert habe. Dass sich daraus dann einige Telefonate ergeben haben, steht auf einem anderen Blatt.

Sport1.de: Wie kam die Einigung zustande?

Holzhäuser: Wir haben mit dem Hamburger SV eine Zufrieden stellende Lösung gefunden. Ich glaube auch, dass der HSV mit Bruno Labbadia einen sehr guten Trainer bekommen hat. Das meine ich ganz ehrlich. Er besitzt viel Talent und kann ein ganz Großer werden, wenn er sich im ein oder anderen Fall etwas flexibler zeigt. Wir hätten ihn auch gerne behalten, aber das hat sich dann zerschlagen.

Sport1.de: Aber war Labbadia nach seiner öffentlichen Kritik an der "Komfortzone Bayer Leverkusen", dem zerrütteten Verhältnis zur Mannschaft und der sportlichen Talfahrt in der Rückrunde nicht untragbar?

Holzhäuser: Nicht alles wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Wir haben sehr viele Diskussionen mit ihm gehabt und wollten mit ihm weiterarbeiten. Aber es gab dann Sachverhalte, die nicht überbrückbar waren. Deshalb haben sich alle Beteiligten für einen Neuanfang entschieden.

Sport1.de: Der Ihnen durch eine hohe Ablösezahlung des HSV erleichtert wurde.

Holzhäuser: Wir haben uns mit Hamburg in Zufrieden stellender Form geeinigt, darüber hinaus möchte ich nichts dazu sagen. Dabei hat mein sehr gutes Verhältnis zu Didi Beiersdorfer und Bernd Hoffmann sicherlich geholfen.

Sport1.de: Wie sind Sie denn dann ausgerechnet auf Jupp Heynckes gekommen, nachdem dieser eigentlich eine weitere Tätigkeit als Trainer nach dem Bayern-Intermezzo ausgeschlossen hatte?

Holzhäuser: Das war auch unser Kenntnisstand. Aber als Rudi Völler mit der Idee kam, hat uns das sofort gut gefallen. Wie haben jemanden gesucht, der aus der Mannschaft ihr zweifellos vorhandenes Potenzial herausholen kann. Dieses Anforderungsprofil passte sehr gut auf Jupp Heynckes. Rudi Völler hat ihn angerufen und dann sind wir hingefahren und haben uns geeinigt.

Sport1.de: Und die Tatsache, dass Heynckes vor dem FC Bayern in Mönchengladbach und Schalke vorzeitig sein Amt zur Verfügung gestellt hat, macht Ihnen keine Sorgen?

Holzhäuser: Jeder Trainer braucht auch ein Qäntchen Glück, das ist ganz normal. Fußball lässt sich nun mal nicht allein von der Trainerbank aus entscheiden. Da kann ich nur Martin Jol zitieren: 80 Prozent im Fußball sind Enttäuschung, der Rest ist pures Glück.

Sport1.de: Michael Reschke, dessen Verhältnis zu Labbadia zerrüttet war, soll angeblich als Manager abberufen werden. Stimmt die Meldung?

Holzhäuser: Michael Reschke wird weiterhin bei uns tätig sein. Sein Arbeitsfeld wird etwas verändert, aber er wird ganz eng am Fußball dranbleiben.

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