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Damit hat niemand gerechnet: Jupp Heynckes wird neuer Trainer von Bayer 04 Leverkusen: Am 6. Juni wird er offiziell vorgestellt
Heynckes (M.) trainierte in der Bundesliga Bayern, Frankfurt, Gladbach und Schalke © getty

Jupp Heynckes hat den Spaß am Trainerjob wiederentdeckt und genießt nun bei Bayer, "das Bundesliga-Feeling wieder einzuatmen".

Leverkusen - Nach dem Possenspiel um "Job-Hopper" Bruno Labbadia setzt Bayer Leverkusen auf Ehrenmann Jupp Heynckes.

Der 64-Jährige, der beim fünfwöchigen Intermezzo auf der Trainerbank von Bayern München den Spaß wiedergefunden hat, soll den Werksklub zurück in den Europacup führen.

"Ich habe wieder Gefallen am Fußball und am Trainerjob. Es hat mir in München große Freude bereitet, mit einer Mannschaft zu arbeiten und das Bundesliga-Feeling wieder einzuatmen", sagte Heynckes bei seiner Vorstellung in Leverkusen, wo er einen Zwei-Jahres-Vertrag erhält:

"Ich habe ein gutes Bauchgefühl. Bayer ist eine sehr gute Adresse. Ich glaube, hier lässt sich einiges bewegen."

Kein Verständnis für Ausstiegsklauseln

Gleichzeitig richtete er deutliche Worte an seinen Vorgänger Bruno Labbadia und die neuen Gepflogenheiten in der Bundesliga, es mit Verträgen nicht mehr allzu ernst zu nehmen.

"Das kann ich nicht gut heißen. Ich habe noch nie einen Vertrag gebrochen. Auch nicht, als ich 1996 als Trainer von CD Teneriffa ein Angebot vom FC Barcelona hatte", sagte der frühere Welt- und Europameister.

"Da sind die Klubs aber auch ein Stück selbst schuld. Ich habe überhaupt kein Verständnis dafür, dass Vereine Ausstiegsklauseln in Verträgen bei Trainern einbauen."

Zuvor war es zwischen Leverkusen und Hamburg zum Pokerspiel um Labbadia gekommen. (Heynckes neuer Bayer-Coach - Labbadia zum HSV)

Nachdem der Coach nicht wie wohl selbst erhofft von Bayer den Laufpass erhalten hatte, bat er am Donnerstag selbst um eine Vertragsauflösung.

Geschätzte 1,3 Millionen Euro Ablöse

Einen Tag später erfolgte schließlich die Freigabe, nachdem sich beide Vereine auf eine Ablösesumme von schätzungsweise 1,3 Millionen Euro geeinigt hatten.

Das kommt quasi einem Geniestreich von Holzhäuser gleich, denn eine Zukunft hätte Labbadia in Leverkusen wohl kaum mehr gehabt.

"Wir haben mit dem Hamburger SV eine Zufrieden stellende Lösung gefunden", sagte Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser im Gespräch mit Sport1.de. (Holzhäuser bei Sport1.de: "Wir wollten mit Labbadia weiterarbeiten")

"Ich glaube auch, dass der HSV mit Bruno Labbadia einen sehr guten Trainer bekommen hat. Er besitzt viel Talent und kann ein ganz Großer werden, wenn er sich im ein oder anderen Fall etwas flexibler zeigt. Wir hätten ihn auch gerne behalten, aber das hat sich dann zerschlagen."

Ähnlich bewertete Sportchef Rudi Völler die Situation: "Natürlich gab es Differenzen. Sein Interview vor dem Pokalfinale hat allen geschadet. Trotzdem hätten wir versucht, das noch hinzubekommen."

"Modifiziertes Aufgabenfeld" für Manager Reschke

Labbadia hatte mit einem Rundumschlag vor dem Pokalfinale gegen Spieler und Manager Michael Reschke seinen Rauswurf provoziert.

Reschke, der gegen Labbadia intrigiert habe, blieb ein Rauswurf erspart, er bekommt laut Holzhäuser ein "modifiziertes Aufgabenfeld".

Spätestens seit dem Pokalfinale war das Tischtuch auch zwischen Labbadia und der Mannschaft zerschnitten. ("Er behandelt uns wie Kinder")

An diesem Punkt will Heynckes arbeiten.

"Wir müssen Harmonie und Verständnis untereinander schaffen, offen und ehrlich miteinander umgehen, damit sich die Spieler wohlfühlen", meinte der 506-malige Bundesliga-Coach, der einst den Ruf eines autoritären, antiquierten Trainers hatte.

In München aber konnte "Don Jupp" mit vier Siegen und einem Unentschieden die Bayern noch in die Champions League führen und damit seinen Ruf neuen Glanz verleihen.

Von Anfang an erste Wahl

Heynckes sei daher von Anfang an erste Wahl bei Bayer gewesen, wie Sportchef Rudi Völler betonte: "Ich habe ihn als Trainer und Mensch immer geschätzt. Er ist autentisch geblieben."

Mit seiner Erfahrung soll der Trainer-Dino die junge Bayer-Mannschaft nach zwei Jahren ohne Europacup wieder ins internationale Geschäft führen.

Seine letzten drei Stationen in Deutschland waren jedoch nicht von Erfolg gekrönt.

Am 31. Januar 2007 hatte sich Heynckes eigentlich schon in den Ruhestand verabschiedet, nachdem er bei seiner alten Liebe Borussia Mönchengladbach nach nur sieben Monaten gescheitert war und zum Schluss sogar Morddrohungen erhalten hatte.

Davor war es bei Eintracht Frankfurt (1994/95) und Schalke 04 (Juni 2003 bis September 2004) zur Trennung gekommen.

Hermann soll als Assistent zurückkommen

Erfolgreicher war Heynckes in Spanien bei Athletic Bilbao und CD Teneriffa. Die Krönung war aber der Champions-League-Titel mit Real Madrid 1998.

In Leverkusen wird er wohl mit Peter Hermann als Co-Trainer zusammenarbeiten.

Der 57-Jährige, der bereits von 1976 bis 2008 in diversen Funktionen bei Bayer tätig war, soll vom 1. FC Nürnberg zurück ins Rheinland geholt werden.

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