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Rudi Völler spielte selber von 1994 bis 1996 bei Bayer 04 Leverkusen © getty

Rudi Völler rechnet mit Ex-Coach Labbdia ab. Auch Nachfolger Heynckes kann das derzeitige Trainer-Hopping nicht gut heißen.

Leverkusen - Rudi Völler hat mit Bruno Labbadia abgerechnet.

Der Sportchef von Bayer Leverkusen hat den Ex-Trainer für die Zusammenarbeit mit einem Medienberater harsch kritisiert.

"Das kotzt mich an. Wozu braucht Bruno einen Medienberater? Das kann ich nicht verstehen", sagte der Weltmeister von 1990.

"Man muss doch authentisch bleiben und darf sich nicht verbiegen lassen. Bruno ist da falsch beraten."

Hintergrund war ein Zeitungs-Interview von Labbadia am Tag des DFB-Pokalendspiels gegen Werder Bremen (0:1), in dem er einen Rundumschlag gegen Mannschaft und Teile des Bayer-Vorstands gemacht hatte.

Breitseite gegen Klinsmann

"Das war schlecht. Das hat Bayer Leverkusen geschadet. Und wenn ich dann höre, dass das Interview über einen Medienberater lanciert worden war, kann ich das nicht mehr verstehen. Ich dachte, das gibt es nur in der Showbranche", so Völler.

"Aber Jürgen Klinsmann hat ja auch einen Medienberater, der Fragen vor einem Interview schon vorformuliert. Vielleicht bin ich da ja altmodisch, aber ich brauche keinen Medienberater".

Labbadia widerspricht

Labbadia wies die Kritik am Sonntag zurück. Den Termin zur Veröffentlichung des Interviews habe er selbst gegeben.

"Dafür brauche ich keinen Medienberater" sagte der 43-Jährige bei seiner Vorstellung in Hamburg.

"Über den Termin kann man diskutieren, nicht über den Inhalt. Diese Dinge habe ich in den letzten Wochen versucht, in Leverkusen intern anzusprechen."

Labbadia arbeitet mit Christian Frommert zusammen, dem früheren Pressesprecher des T-Mobile-Radrennstalls.

Frommert ist auch Medienberater von Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff.

"Mag Zufall sein, dass Oliver Bierhoff den gleichen Berater wie Bruno Labbadia hat", meinte Völler. "Ich brauche keine Medienberater, um bei Niederlagen gut rauszukommen."

Auch Heynckes hat kein Verständnis

Kritik übte auch Labbadias Nachfolger Jupp Heynckes bei seiner Vorstellung: "Das kann ich nicht gut heißen. Ich habe noch nie einen Vertrag gebrochen".

Nachdem Labbadia von Bayer nicht gekündigt worden war, hatte er am Donnerstag selbst um eine Vertragsauflösung gebeten, um zum Hamburger SV wechseln zu können. (Holzhäuser bei Sport1.de: "Wir wollten mit Labbadia weiterarbeiten")

Immerhin kassierte Bayer für den Wechsel des noch ein Jahr vertraglich gebundenen Labbadias dem Vernehmen nach eine Ablöse von 1,3 Millionen Euro. (Heynckes neuer Bayer-Coach - Labbadia zum HSV)

"Da sind die Klubs aber auch ein Stück weit selber Schuld. Ich habe überhaupt kein Verständnis dafür, dass Vereine Ausstiegsklauseln in Verträgen bei Trainern einbauen", meinte Heynckes dazu.

Heynckes plädierte dafür, sich als Coach voll und ganz mit dem Klub, der Stadt und der Vertragslaufzeit zu identifizieren. Man könne nicht einfach Verein wechseln, nur weil der neue Klub mehr Geld bezahle, so der Routinier.

Sammer erinnert an Vorbildfunktion

Auch DFB-Sportdirektor Matthias Sammer erinnerte die Trainer nach den vielen Wechseln seit Saisonende an ihre Vorbildfunktion.

"Sie haben auch einen erzieherischen Auftrag, sollen Vorbild sein", sagte der frühere Dortmunder Meistercoach im "ZDF".

"Wenn keiner seinen Vertrag einhält, dann ist das schlecht und unglaubwürdig. Die Wirkung auf junge Spiele ist verheerend."

Sammer sprach sich daher dafür aus, in den Kontrakten auf Ausstiegsklauseln zu verzichten: "Wenn man Verträge abschließt, dann ohne Ausstiegsklauseln, denn solche sind immer ein gewisses Alibi."

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