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Dieter Hoeneß spielte in der Bundesliga für Stuttgart und den FC Bayern © getty

Hertha BSC trennt sich ein Jahr vor Vertragsablauf einvernehmlich von seinem Manager, der fast 13 Jahre in Berlin tätig war.

Von Felix Götz

München/Berlin - Die Ära Dieter Hoeneß bei Hertha BSC Berlin ist beendet.

Der Bundesligist bestätigte am Sonntagabend die sofortige Trennung vom Manager, der ein monatelanger Machtkampf vorausgegangen war.

Präsident Werner Gegenbauer einigte sich mit dem 56 Jahre alten Hoeneß auf eine Auflösung des bis zum 30. Juni 2010 laufenden Vertrages.

"Hertha BSC und Dieter Hoeneß haben heute freundschaftlich und einverständlich vereinbart, das Vertragsverhältnis zum Saisonende aufzulösen", hieß es in einer Pressemitteilung.

"Die Vereinsgremien des Klubs und der Vorsitzende der Geschäftsführung hatten zuletzt unterschiedliche Auffassung über die zukünftige Vereins- und Geschäftspolitik."

"Weg für Neugestaltung freimachen"

Und weiter: "Da die Beendigung der Tätigkeit ohnehin vertraglich vereinbart für den 30. Juni 2010 vorgesehen war, wollte Dieter Hoeneß im ausschließlichen Interesse von Hertha BSC schon jetzt den Weg für eine Neugestaltung freimachen und hat deshalb das Präsidium um vorzeitige Vertragsauflösung zum 1. Juli 2009 und am Ende einer erfolgreichen Saison gebeten.".

Dass eine Trennung unmittelbar bevorstand, hatten mehrere Medien bereits am Sonntag berichtet.

Offen war nur noch, ob sich Hoeneß freiwillig zurückzieht oder der Verein den Stuhl in Form einer Entlassung vor die Tür stellt.

"Ich hoffe auf eine einvernehmliche Lösung", sagte Herthas Aufsichtsratsvorsitzender Bernd Schiphorst am Sonntag.

Bei einer Probeabstimmung soll die absolute Mehrheit von Aufsichtsrat und Präsidium für eine sofortige Trennung von Hoeneß gestimmt haben.

Angeblich 1,2 Millionen Euro Abfindung

Der bisherige starke Mann kann laut "Bild" im Falle einer einvernehmlichen Einigung 1,2 Millionen Euro kassieren

Andernfalls hätte der Klub nur das Festgehalt für ein Jahr von rund 700.000 Euro bezahlt.

Der frühere Nationalspieler hatte sich bis zuletzt kämpferisch gezeigt. (Hoeneß kämpft gegen die Entmachtung)

"Ich sage seit Monaten, dass ich meinen Vertrag zu erfüllen gedenke. Alles andere widerspricht meiner Berufsmoral", hatte Hoeneß der "Welt" gesagt.

Preetz neuer Geschäftsführer Sport

Ex-Profi Michael Preetz wird nun einen Großteil der Aufgaben von Hoeneß übernehmen.

"Michael Preetz wird jetzt zum Geschäftsführer Sport berufen", bestätigte Gegenbauer dem RBB. Neben Preetz soll Ingo Schiller als Geschäftsführer für Finanzen agieren.

Hoeneß selbst blickte seiner Tätigkeit in der Hauptstadt fast sarkastisch entgegen. "Ob 12 Monate oder fünf Tage - beides sind überschaubare Zeiträume", sagte er der "Bild".

Das Tischtuch zwischen dem Schwaben und den wichtigsten Personen bei der Hertha war längst zerschnitten.

Favre und Hoeneß im Clinch

Der einstige Mittelstürmer hat sich nicht nur mit Präsident Gegenbauer überworfen, sondern offensichtlich auch mit Trainer Lucien Favre.

Ein Beispiel: Bei der Mitgliederversammlung der Berliner machte sich Hoeneß öffentlich für eine Weiterbeschäftigung von Marko Pantelic stark.

Und das, obwohl Favre bereits deutlich zum Ausdruck gebracht hatte, dass der Serbe "nicht ins sportliche Konzept" passe.

Deshalb will der Trainer in Zukunft bei Entscheidungen, die den sportlichen Bereich betreffen, ein größeres Mitspracherecht.

Deal mit Gegenbauer?

Angeblich sollen Favre und Gegenbauer deshalb eine Art Deal ausgehandelt haben.

Der Inhalt: Gelingt es Gegenbauer den bisherigen Manager aus dem Amt zu drängen, dann würde sich Favre klar zur Hertha bekennen.

Zuletzt soll der Schweizer offen mit einem Wechsel nach Leverkusen gedroht haben und sowohl beim VfL Wolfsburg als auch beim Hamburger SV (Favre zum HSV?) ein Kandidat gewesen sein.

Der Coach gilt nach dem überraschenden vierten Platz in der vergangenen Saison als unantastbar. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Denn auch in Zukunft wird der Hauptstadt-Klub angesichts eines Schuldenstands von rund 33 Millionen Euro mit bescheideneren Mitteln als die Konkurrenz auskommen müssen.

Nachfolger stehen bereit

Innerhalb des Vereins sind die Weichen bereits für die Zukunft gestellt.

Die Berliner wollen die Machtfülle auf mehrere Schultern verteilen.

Neben Favre und Preetz, die wohl im sportlichen Bereich die Hauptverantwortung tragen sollen, stehen vier weitere Kandidaten für Führungsposten parat.

Einer von ihnen soll Klub-Jurist Jochen Sauer sein.

Etabliert, aber titellos

Hoeneß, der als Spieler mit Bayern München fünfmal Deutscher Meister wurde und dreimal den DFB-Pokal gewann, kam 1996 zur Hertha.

Zunächst arbeitete er als Vize-Präsident, wenige Monate später wurde er Manager und verschaffte dem Klub moderne Strukturen.

Die Berliner spielen seit 1997 ununterbrochen in der Bundesliga, konnte aber unter Hoeneß keinen großen Titel gewinnen.

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