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Herbert Fandel leitete in seiner Karriere 247 Bundesliga-Partien © getty

Der Schiedsrichter beendet überraschend seine erfolgreiche Karriere. Nach 30 Jahren reizen den Pianisten neue Aufgaben.

Frankfurt/Main - Mehr Muße für die Musik, weniger Stress im Fußball:

Zwei Jahre vor Erreichen der Altersgrenze beendet Herbert Fandel überraschend seine erfolgreiche nationale und internationale Laufbahn als Schiedsrichter.

"Ich war 30 Jahre Schiedsrichter, davon 20 Jahre im Profifußball. Es ist jetzt der richtige Zeitpunkt, um aufzuhören", so der 45 Jahre alte Konzertpianist.

"Ich beende eine für mich tolle und erfolgreiche Zeit. Selbstbestimmt und ohne jede negative Gedanken. Dies war so mein Ziel."

Der Leiter der Kreismusikschule Bitburg-Prüm informierte am Wochenende die Verantwortlichen des Deutschen Fußball-Bundes über seine Entscheidung.

Künftig soll er als kooptiertes Mitglied im DFB-Schiedsrichter-Ausschuss mitarbeiten.

Neue Aufgaben innerhalb des Verbandes

"Ein Leistungssportler braucht Ziele. Die habe ich in den vergangenen Jahren eingefahren: Champions-League-Endspiel, UEFA-Cup-Endspiel, zweimal das DFB-Pokalendspiel", erklärte Fandel, warum er in den "Vorruhestand" geht.

"Bereits nach der Europameisterschaft 2008 merkte ich, dass es anders war als vorher."

In den vergangenen Wochen sei dann sein Entschluss gereift, früher als vorgesehen die Pfeife an den Nagel zu hängen.

Nun reize ihn seine neue Aufgabe innerhalb des Verbandes:

"Ich freue mich, dass ich in Zukunft meine Erfahrung im DFB-Schiedsrichter-Ausschuss einbringen soll. Ich möchte in der neuen Aufgabe einen Beitrag dazu leisten, dass die deutschen Schiedsrichter weiterhin eine qualifizierte Aus- und Fortbildung erhalten."

Zwanziger lobt Fandel

Die Entscheidung, dass Fandel künftig im Schiedsrichter-Ausschuss mitarbeitet, soll das DFB-Präsidium in seiner Sitzung am kommenden Freitag treffen.

Ein entsprechender Antrag ist vorbereitet. DFB-Präsident Theo Zwanziger hat sich maßgeblich für das neue Engagement des zweimaligen Familienvaters eingesetzt:

"Ich bin überzeugt davon, dass dies eine richtige und wichtige Entscheidung ist, um das gute Standing und die überzeugenden Leistungen der deutschen Schiedsrichter auch in Zukunft zu garantieren."

Zwanziger lobte Fandel, der seit 1989 auf der DFB- und seit 1998 auf der FIFA-Schiedsrichter-Liste steht, in den höchsten Tönen:

"Eine beispiellose Karriere"

"Als aktiver Unparteiischer war er über viele Jahre hinaus ein Aushängeschild. Auf ihn war immer Verlass." Der für die Schiedsrichter zuständige DFB-Vizepräsident Rainer Koch schloss sich den Lobeshymnen an:

"Fandel hat sich überall einen guten Namen erworben. Ob bei den Vereinen, Trainern, Spielern oder den Schiedsrichtern - mit seinen umsichtigen Spielleitungen und seiner ausgleichenden Art hat er viele Freunde und Sympathien gewonnen."

Volker Roth, Vorsitzender des Schiedsrichterausschusses, ergänzte, Fandel habe "in all den Jahren in einer beispiellosen Karriere wirklich Großes geleistet".

Champions-League-Finale 2007

Fandel leitete in seiner aktiven Karriere 247 Bundesliga-Begegnungen, 26 A-Länder- und 56 Europapokalspiele.

Unter anderem war er bei der EURO 2008 in Österreich und der Schweiz, beim Confed Cup 2005 in Deutschland und bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney im Einsatz.

Weitere internationale Höhepunkte waren die Leitung des Champions-League-Finales 2007 zwischen dem AC Mailand und dem FC Liverpool in Athen und des UEFA-Cup-Endspiels 2006 zwischen dem FC Sevilla und dem FC Middlesbrough in Eindhoven.

Viermal "Schiedsrichter des Jahres"

Vom DFB wurde er 2001, 2005, 2007 und 2008 zum "Schiedsrichter des Jahres" gewählt.

Sein Karrierende kommentierte Fandel, der die WM 2006 als Zuschauer verfolgen musste, relativ emotionslos: "Es gibt nun viele Möglichkeiten und Perspektiven in meinem Leben, aber ich werde jetzt nicht in Aktionismus verfallen. Nach dieser Karriere werde ich jetzt erstmal durchatmen."

Zu sehen ist der bekannte Referee aber zunächst mal als Leinwandstar. Fandel ist Hauptdarsteller der Schiri-Dokumentation Spielverderber, die am 11. Juni in die Kinos kommt.

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