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Abgang: Dieter Hoeneß (l.) und Herthas Aufsichtsratsboss Schiphorst © getty

Nach seiner Entmachtung will sich Herthas Ex-Manager nicht öffentlich äußern. Dafür spricht Aufsichtsratsboss Schiphorst bei Sport1.de.

Von Martin Volkmar

München/Berlin - Dieter Hoeneß machte einen aufgeräumten Eindruck am Tag danach.

Zumindest nach außen hin schien er die Trennung nach 13 Jahren als Manager von Hertha BSC gut verkraftet zu haben.

Vermutlich auch deshalb, weil sich der 56-Jährige seit einiger Zeit auf das Ende seiner Tätigkeit hatte einstellen können.

Viel könnte er zu den Hintergründen sagen, offiziell äußern wollte sich Hoeneß aber im Gespräch mit Sport1.de nicht. (Abserviert in aller Freundschaft)

Nur so viel: "Es geht mir gut, sogar besser als vorher."

Favre bestreitet Machtkampf mit Manager

Dafür äußerte sich Trainer Lucien Favre aus seinem Urlaub auf dem Malediven und bestritt vehement, dass er maßgeblich zum Abgang von Dieter Hoeneß beigetragen habe. (Ära Hoeneß ist beendet)

"In den Medien war in den letzten Tagen von einem Machtkampf zwischen Dieter Hoeneß und mir die Rede gewesen. Ein solcher Machtkampf hat nie stattgefunden", erklärte der Schweizer.

"Dieter Hoeneß und ich haben gut zusammengearbeitet, selbst wenn es in fußballerischen Fragen zum Teil unterschiedliche Auffassungen gab. Er hat mir die Chance gegeben, in der Bundesliga als Trainer einzusteigen. Dafür werde ich ihm immer dankbar sein."

Seine Dankbarkeit für Hoeneß' Leistungen drückt auch Herthas Aufsichtsratsvorsitzender und Ex-Präsident Bernd Schiphorst im Interview mit Sport1.de aus. (115493DIASHOW: Die Ära Dieter Hoeneß)

Sport1.de: Ist Dieter Hoeneß wie es in zahlreichen Medien zu lesen ist eher gegangen worden als freiwillig gegangen?

Bernd Schiphorst: Wir haben ja in unserer Pressemitteilung darauf hingewiesen, dass die Vereinsgremien von Hertha BSC und Dieter Hoeneß unterschiedliche Auffassung über die zukünftige Vereins- und Geschäftspolitik hatten. Dem ist nichts hinzuzufügen. Die Medienberichterstattung kommentiere ich grundsätzlich nicht.

Sport1.de: War die Trennung deshalb unvermeidbar?

Schiphorst: Insgesamt bin ich zufrieden, dass wir am Ende eines Diskussionsprozesses eine einvernehmliche Lösung gefunden haben. Das begrüße ich im Namen des Aufsichtsrats.

Sport1.de: Trotzdem überrascht dieser Schritt nach einer erfolgreichen Saison.

Schiphorst: Die Zäsur wäre sonst ein Jahr später passiert. Wir haben uns seit einigen Monaten darauf vorbereitet, dass Herr Hoeneß uns verlassen wird und damit diese Ära endet. Es war ja angekündigt, dass sein Vertrag am 30. Juni 2010 enden wird.

Sport1.de: Nun endet sie aber ein Jahr früher.

Schiphorst: Jetzt passiert es etwas früher und etwas plötzlicher. Aber gewisse Vorkehrungen sind getroffen. Wir müssen jetzt dafür sorgen, dass wir möglichst schnell wieder eine intakte Führung bekommen, besonders im sportlichen Bereich.

Sport1.de: Sehen Sie da Probleme?

Schiphorst: Nein. Die weiteren Führungskräfte im Verein sind alle in den letzten Wochen in einem Assessment-Center gewesen und dort sozusagen auf Herz und Nieren geprüft worden. Von daher wissen wir, dass wir bei Hertha BSC auch in der zweiten Führungsetage gut aufgestellt sind. Und aus diesem Reservoir wollen wir auch schöpfen.

Sport1.de: Welche Rolle wird Michael Preetz dabei spielen?

Schiphorst: Er gehört zur neuen Führungsebene. Michael Preetz wird nach unseren Vorstellungen neben Ingo Schiller als Nachfolger von Dieter Hoeneß weiterer Geschäftsführer der Kapitalgesellschaft.

Sport1.de: Gehen Sie davon aus, dass er sportlich den Kurs von Dieter Hoeneß fortsetzen wird?

Schiphorst: Das kann ich nicht sagen. Michael Preetz und Lucien Favre werden möglicherweise ein paar eigene Vorstellungen haben. Die müssen sie uns jetzt erläutern. Auch für beide ist es ja eine neue Situation. Sie werden sicherlich auch ein paar Tage brauchen, um sich darauf einzustellen.

Sport1.de: Wie fällt Ihre Bilanz der fast 13 Jahre von Dieter Hoeneß in Berlin aus?

Schiphorst: Er hat wirklich ein Stück Vereinsgeschichte geschrieben und deutlich zur Professionalisierung des Gesamtvereins beigetragen. Auch darauf haben wir schon am Sonntag hingewiesen: Dieter Hoeneß hat sich dauerhaft um Hertha BSC verdient gemacht. Das kann man gar nicht hoch genug bewerten.

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