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Michael A. Roth war seit 1994 zum zweiten Mal Präsident des 1. FC Nürnberg © getty

Der langjährige Club-Präsident legt sein Amt überraschend mit sofortiger Wirkung nieder. Der 73-Jährige stand seit 1994 an der Spitze.

Von Martin Volkmar

München/Nürnberg - Die Ära von Michael A. Roth beim Club ist überraschend zu Ende:

Der langjährige Präsident legt sein Amt beim Bundesliga-Aufsteiger 1. FC Nürnberg mit sofortiger Wirkung nieder.

"Mit dem Aufstieg habe ich das mir selbst vorgegebene Ziel erreicht", sagte der 73-Jährige auf einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz am Dienstagmittag.

Schon nach der erfolgreichen Bundesliga-Rückkehr hatte er erklärt: "Das ist der perfekte Zeitpunkt, um aufzuhören."

Aufsichtsrat überrascht

In Nürnberg hatte man aber nicht damit gerechnet. "Wir waren von seiner Entscheidung überrascht", gab der Aufsichtsratsvorsitzende Klaus Schramm zu.

"Herr Roth hat den Verein nicht nur einmal am Leben erhalten. Da kann man nur sagen: Danke und nochmals danke."

Roth stand seit 1994 bei den Franken in zweiter Amtszeit an der Spitze. Nun übergibt er den Club nach eigener Aussage "sauber wie eine Jungfrau".

Er möchte sich nun mehr ins Privatleben zurückziehen und angesichts der Wirtschaftskrise auf die Arbeit in seiner Textil-Firma konzentrieren.

Als letzte Amtshandlung hat Roth bis 2012 mit Sportdirektor Martin Bader verlängert.

Ehrenpräsident - Vize Schäfer übernimmt kommissarisch

"Nun ist der Zeitpunkt gekommen, wo der Verein umstrukturiert werden soll", sagte der Teppich-Millionär, der jetzt Ehrenpräsident werden soll.

"Wenn einer diesen Titel verdient hat, dann Michael A. Roth", meinte der bisherige Vize-Präsident Franz Schäfer.

Der 72-Jährige übernimmt die Vereinsspitze kommissarisch bis zu einer geplanten Satzungsänderung bei der Mitglieder-Versammlung am 13. Oktober.

Dann soll die Satzung verändert werden, so dass es einen hauptamtlichem Vorstand und einen ehrenamtlichem Aufsichtsrat geben wird.

Kandidat für den Vorstandsvorsitz ist der Aufsichtsrat und Nürnberger IHK-Präsident Klaus Wübbenhorst.

Schon 1979 erstmals Präsident

Roth hatte die Franken schon von 1979 bis 1983 geführt und den Traditionsverein dann vor 15 Jahren erneut übernommen.

Sein größter Erfolg war der Gewinn des DFB-Pokals 2007 mit Trainer Hans Meyer, im Jahr danach folgte aber der bislang letzte von fünf Abstiegen unter seiner Führung aus der Bundesliga.

"Aber die Nürnberger sind das schon gewohnt, immer wieder durch Höhen und Tiefen gehen zu müssen", erklärte Roth kürzlich im Gespräch mit Sport1.de.

"Wir sind halt ein besonderer Bundesligaverein und ich denke, die Club-Fans haben in ganz Deutschland mehr Freude mit dem Verein als Sorgen."

Neun Trainer-Rauswürfe in der ersten Amtszeit

Vor allem in seiner ersten Amtszeit wurde Roth als "Trainer-Killer" bekannt, da er gleich neun Coaches entließ.

Insgesamt waren es 15 Rauswürfe, zuletzt im vergangenen Herbst Thomas von Heesen.

Unter dessen Nachfolger Michael Oenning starteten die Nürnberger in der Zweiten Liga aber eine Aufholjagd und schafften Anfang Juni durch zwei Siege in der Relegation gegen Energie Cottbus die sofortige Bundesliga-Rückkehr.

"Die Feuertaufe hat er jetzt schon bestens bestanden, wir sind sehr zufrieden mit ihm und denken, er ist es auch", sagte Roth.

Gut gerüstet für die Bundesliga

"Sicher haben wir eine relativ junge Mannschaft, aber sie ist absolut tauglich für die erste Liga und ich denke, wir müssen nicht viel ändern und vielleicht nur zwei, drei Spieler holen."

Zusammen mit Arminia Bielefeld ist der neunmalige Deutsche Meister nach dem siebten Aufstieg ins Oberhaus Rekordhalter.

Nun hofft der einstige Patriarch, dass sich der Club auch ohne ihn dort dauerhaft etablieren kann:

"Die Voraussetzungen dafür sind gegeben: Die Mannschaft samt Trainer ist dafür gerüstet und wirtschaftlich stehen wir sehr gut da. Der Club erfüllt alle Kriterien für die erste Liga, ist wirtschaftlich abgesichert und vor allem schuldenfrei."

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