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Fühlt sich auf der Trainerbank in Köln sichtlich wohl: Zvonimir Soldo © getty

Der Kroate tritt in Köln das schwere Erbe von Fanliebling Daum an. Als Unterstützung kommt ein erfahrener Assistent aus München.

Köln - Dem Lautsprecher folgt ein Leisetreter: Zwölf Tage nach dem unrühmlichen Abgang des extrovertierten Christoph Daum präsentierte der 1. FC Köln im Kroaten Zvonimir Soldo einen Trainer mit moderater Tonlage.

Doch der 41 Jahre alte ehemalige Stuttgarter präsentierte sich im Kölner WM-Stadion wie ein Profi und keinesfalls wie ein Novize.

"Ich bin ein ruhiger Typ und sehr kommunikativ. Ich war in Stuttgart Führungsspieler. So können sie mich auch als Trainer einstufen", sagte Soldo mit einem verschmitzten Lächeln zu den Medienvertretern.

Dann erklärte er seine Beziehung zur Domstadt: "Ich habe hier meine Trainerausbildung gemacht und habe gesehen, welchen Wert der FC für die Leute hat."

Unterstützung durch Henke

Soldo, der auf seiner ersten Trainerstation mit Dinamo Zagreb 2008 das Double holte, unterschrieb beim dreimaligen deutschen Meister einen Zweijahresvertrag bis zum 30. Juni 2011.

Als Co-Trainer hat sich der einstige Defensivspieler wohl auch bewusst in Michael Henke einen alten Hasen ausgewählt.

Der 52 Jahre alte ehemalige Assistent von Ottmar Hitzfeld, der seit 1989 mit einer Ausnahme als Co arbeitet und ebenfalls auf dem Podium saß, löste dafür seinen Vertrag als Spielbeobachter im Scoutingbereich des deutschen Rekordmeisters Bayern München auf.

Souveränes Auftreten

Henkes Chef zeigte im Blitzlichtgewitter der Fotografen keine Spur von Nervosität, die man bei einem Neuling vermutet, der nach zehn Jahren beim VfB Stuttgart mit 301 Bundesligaspielen 2007 seinen Fußball-Lehrerschein an der Hennes-Weisweiler-Akademie

machte, dann die U19 von Zagreb betreute und erst ab Januar 2008 die Profis.

Soldo lächelte und gab präzise Stellungnahmen ab.

Zwei Spitzen und zwei Sechser

"Ich bin ein Arbeiter, beschäftige mich gerne mit Taktik und Strategie und lege Wert auf Disziplin", sagte der dreifache Familienvater. Seine Tätigkeit habe er schon vor seinem ersten Gang an die Öffentlichkeit aufgenommen und Telefonate mit einigen Spielern geführt.

"Mit Lukas Podolski habe ich auch gesprochen", sagte er über die Fan-Ikone, die nach drei Jahren München wieder für den FC spielt.

Mit zwei Sechsern vor der Abwehr und mit zwei Stürmern wolle er spielen lassen, weil man mit "Podolski einen tollen Fußballer" habe.

Keine Kritik an Daum

Daum ließ in der vergangenen Saison hauptsächlich mit einer Spitze spielen. "Ich schätze Herrn Daum als absoluten Fachmann. Mehr will ich dazu nicht sagen", sagte Soldo. Eine Aussage in irgendeine andere Richtung hätte wohl schon für die ersten Schlagzeilen gesorgt.

Daum hatte nach dem Klassenerhalt von seinem Kündigungsrecht Gebrauch gemacht. Er wird wohl zukünftig Fenerbahce Istanbul trainieren (Daum rechtfertigt sich).

Doppeltes "Nein"

"Nein!", antwortete Soldo mit einem Lächeln auf die Frage, ob er auch eine Kündigungsklausel im Vertrag habe. "Nein, sonst wäre ich nicht gekommen", auf die, ob er nicht Angst habe, einer Überfigur wie Daum zu folgen.

Obwohl er seine Arbeit bereits aufgenommen hat, konnte er sich über die personellen Planungen für die kommende Saison - am 25. Juni ist Trainingsauftakt - noch keine Gedanken machen.

Der FC habe "einen guten Kader", er müsse sich aber erstmal "einen Überblick" verschaffen, sagte Soldo, der seit seinem Rücktritt in Zagreb "hospitierte und Spieler beobachtete". Verstärkungen werde es geben, aber er "hole lieber einen guten Spieler als drei mittelmäßige", sagte der neue FC-Coach.

Heimbilanz verbessern

Vorsichtig formulierte Soldo auch die Saisonziele. "Das zweite Jahr nach dem Aufstieg gilt ja immer als das schwierigste. Wir wollen mehr Punkte als vergangene Saison und unsere Heimbilanz verbessern", sagte er.

Seine Familie, Ehefrau Tanja und die drei Söhne Matija, Filip und Niko, wird vorerst in Kroatien bleiben.

"Bestaussehende Trainerduo der Liga"

FC-Manager Michael Meier war der Stolz über die Verpflichtung anzumerken. "Wir haben ein Profil erstellt. Zvonimir Soldo hat alle von uns geforderten Eigenschaften optimal erfüllt", sagte der Betriebswirt.

Und sorgte noch für einen Lacher: "Wir haben jetzt das bestaussehende Trainerduo der Bundesliga."

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