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Felix Magath führte den VfL Wolfsburg in der vergangen Saison zur deutschen Meisterschaft © getty

Was wird neu, was wird anders in der Saison 2009/10? Der Bundesliga-Report beleuchtet die Klubs im Umbruch. Teil 1: FC Schalke 04.

Von Matthias Becker und Sebastian Hrabak

München - Ruhig geht es rund um den FC Schalke 04 nie zu.

Doch was sich in der vergangenen Saison in Gelsenkirchen abgespielt hat, dürfte auch in der bewegten Vereinsgeschichte des "Chaos-Klubs" seinesgleichen suchen.

Platz acht in der Liga, dazu das Theater um Ex-Manager Andreas Müller und Ex-Trainer Fred Rutten.

Unter Wolfsburgs Meistermacher Felix Magath soll und muss in der Spielzeit 2009/10 alles besser werden. Doch was sind die tiefgreifenden Veränderungen, die unter Magath zu erwarten sind, was seine größten Baustellen?

Im ersten Teil des großen Bundesliga-Reports blickt Sport1.de "auf Schalke".

Freude über die "große Lösung"

Für die Schalker war die Verpflichtung von Magath gleichzeitig Pauken- und Befreiungsschlag. Präsident Josef Schnusenberg und Ausichtsratschef Clemens Tönnies freuten sich zurecht über die lange angekündigte "große Lösung".

Die Aussicht auf Ruhm und Ehre in Königsblau lässt Magath von seinem frisch errichteten Denkmal bei Meister Wolfsburg hinabsteigen.

Durch den Triumph mit Wolfsburg hat er allen Kritikern bewiesen, dass er nicht nur mit dem FC Bayern Titel gewinnen kann. In Schalke könnte er sich mit einem weiteren Coup und der langfristig angestrebten ersten Meisterschaft seit über 50 Jahren vermutlich unsterblich machen.

Magath wieder "Alleinherrscher"

Um ihn nach Schalke zu locken, machten Schnusenberg und Tönnies Magath das Zugeständnis, das gleichzeitig den ersten enormen Umbruch makiert: Magath wird auch in Gelsenkirchen wieder der sportliche Alleinherrscher sein - wie schon in Wolfsburg.

Magath alleine ist für die Zusammenstellung des Kaders zuständig. Richtungsdebatten wie in den Zeiten der Gespanne Müller/Rangnick oder Müller/Slomka gehören damit der Vergangenheit an.

Allerdings wird sich Magath im Vergleich zur Arbeit beim VfL auch umstellen müssen: Wo in Wolfsburg die Mittel von VW sprudelten, sitzt das Geld bei Schalkes Hauptsponsor Gazprom nicht mehr so locker. Der Etat muss angeblich von 55 Millionen auf 48 Millionen Euro gesenkt werden.

Doch dessen ist sich Magath bewusst. "Auf Schalke beginnt für mich alles von vorne. Es wird ganz anders sein, denn dort sind die Finanzen nicht ganz so üppig.", sagt er.

"Verstärkt auf junge Talente setzen"

Ein Problem sieht Magath darin nicht, obwohl er einräumt, von ihm sei nur "eine andere Arbeitsweise und auch mehr Geduld gefragt ". Seine Ziele formuliert der Coach dennoch klar:

"Ich versuche, in Schalke Ähnliches zu schaffen, wie ich es in Wolfsburg getan habe."

Der erste Transfer unter seiner Ägide deutet aber schon an, dass der Fokus bei den Personalplanungen auf hoffnungsvollen Jungspielern und nicht auf Star-Einkäufen liegt.

Jan Moravec kommt von Bohemians Prag für vier Jahre nach Schalke. Der angebahnte Wechsel des Aachener Ausnahmetalents Lewis Holtby lässt sich auch in dieser Kategorie einordnen.

Moravec und Holtby stehen exemplarisch dafür, dass "wir in den kommenden Jahren verstärkt auf junge Talente setzen wollen", wie es Schnusenberg ausdrückt. Auf Schalke kann das als - wenn auch erzwungener - Sinneswandel gedeutet werden.

Die Substanz vorhanden

Um so wichtiger ist es für Magath, dass das Grundgerüst der Schalker Mannschaft höheren Ansprüchen eigentlich genügt.

Besonders Jermaine Jones, der mit seiner Abkehr von der deutschen Nationalmannschaft (Jones entschuldigt sich) in den letzten Tagen für Aufruhr gesorgt hat, ist einer der Führungsspieler, die Magath so schätzt. Einer mit bedingungslosem Willen und grenzenloser Aufopferung für die Mannschaft.

Auch wenn der Trainer den Nationalteam-Wechsel von Jones nicht gutheißt. "Ich hätte mir gewünscht, dass er so eine weitreichende Entscheidung nicht im Urlaub trifft. Im Juli wäre auch noch Zeit dafür gewesen", sagte Magath der "Welt".

Loch in der Hierarchie droht

Der Trainer/Manager wird Jones allerdings brauchen, um zu verhindern, dass ein Hierarchie-Loch aufreißt. Der Verbleib des bisherigen Kapitäns Marcelo Bordon ist noch nicht klar. Ex-Kapitän Mladen Krstajic geht in die Heimat zu Partizan Belgrad.

Magath wird rund um Jones, den langfristig gebundenen Rohdiamanten Benedikt Höwedes und Torhüter Manuel Neuer ein schlagkräftiges Team aufbauen müssen.

Vier neue Co-Trainer

Und dabei vertraut er vor allem auf seine alten Weggefährten. Mit dem Wolfsburger Meistermacher kommen auch seine vier Co-Trainer und der Pressesprecher nach Schalke.

Für die Fans ist das vermutlich sogar das deutlichste Zeichen für den massiven Umbruch, vor dem ihr Klub steht. Vom Interims-Trainer-Trio um Mike Büskens, Youri Mulder und Oliver Reck sind die Aussichten bislang für Torwart-Trainer Reck noch am besten.

Ob und wie Magath mit Büskens und Mulder zusammenarbeitet, ist noch unklar.

Hoffen auf Engelaar-Einnahmen

Viele Baustellen also für den neuen starken Mann auf Schalke. Immerhin eine dieser Baustellen wird aber wohl schon vor seinem Arbeitsbeginn in der kommenden Woche geschlossen.

Millionen-Flop Orlando Engelaar steht vor dem Wechsel zu Panathinaikos Athen. Der Transfer könnte den Schalkern bis zu 3,5 Millionen Euro einbringen.

Geld, das "Alleinherrscher" Magath gut gebrauchen kann, um sich vielleicht doch noch einen Spieler mehr leisten zu können, der ihn auf seinem Weg zur Unsterblichkeit auf Schalke schneller weiterbringt.

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