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Franz Beckenbauer (r.) weiß: "Wenn Ribery weg will, wird es schwer für uns, ihn zu halten" © imago

Nach Außen hin beharren die FCB-Bosse darauf, Ribery halten zu wollen. Doch intern ist die Lage allem Anschein nach eine andere.

Von Thorsten Mesch

München - Während Franck Ribery es sich auf einer Yacht vor Ibiza in seinem Urlaub gut gehen lässt, geht das Rätselraten um die sportliche Zukunft des französischen Nationalspielers vom FC Bayern weiter.

Fast täglich gibt es neue Wasserstandsmeldungen - und fast genauso häufig eine neue Wendung.

Nach Außen hin beharren die Verantwortlichen der Münchner darauf, den Franzosen behalten zu wollen.

Doch intern ist die Lage der Dinge allem Anschein nach eine ganz andere.

Grünes Licht für den Verkauf

Nachdem Karl-Heinz Rummenigge zuletzt trotzig erklärt, hatte, den Franzosen nicht ziehen lassen zu wollen, widersprach Franz Beckenbauer den Aussagen des FCB-Vorstands-Chefs.

"Wir haben bereits bei der letzten Aufsichtsratssitzung das Thema Ribery besprochen und sind uns alle einig. Wenn er unbedingt gehen will, werden wir uns mit dem Thema beschäftigen", sagte der Aufsichtsrats-Boss gegenüber der "Sport Bild".

Demnach sollen sich die Vorstände Karl-Heinz Rummenigge, Uli Hoeneß und Karl Hopfner sechs Tage vor dem Ende der vergangenen Saison grünes Licht vom Aufsichtsrat geholt haben.

Bayern dementieren

Der FC Bayern widerspricht nun allerdings der Darstellung in der "Sport Bild".

"Es gab und gibt keinerlei Beschluss des Aufsichtsrates, der das Thema eines Verkaufs des Spielers Franck Ribery beinhaltet", hieß es in einer Pressemitteilung vom Mittwochnachmittag.

Die Bayern stellten zudem klar, dass es einen "einstimmigen Beschluss" des Vorstandes gebe, dass "Franck Ribery nicht zum Verkauf steht".

93065(DIASHOW: Die Baustellen des FC Bayern München)

Rummenigge und van Gaal wollen ihn halten

Mit seiner Andeutung, dass Ribery unter Umständen doch den Verein verlassen könnte, widersprach Beckenbauer - nicht zum ersten Mal - den Äußerungen der FCB-Macher. ("Kaiser" stellt Ribery Ultimatum - Sneijder sagt ab)

Die Bayern hätten Ribery "vor zwei Jahren ja nicht gekauft, um mit ihm Geld zu machen, sondern um unsere Mannschaft fußballerisch zu verbessern", hatte Rummenigge zuletzt in einem "Bild"-Interview erklärt. (Rummenigge: "Das wird mir zu absurd")

Auch der neue Trainer Louis van Gaal will Ribery nicht verlieren. "Er möchte ihn unbedingt behalten", hatte Manager Hoeneß verraten.

Real Madrid lässt nicht locker

Seit Wochen wird Ribery mit internationalen Spitzenklubs in Verbindung gebracht. Manchester United und der FC Barcelona galten als interessiert, doch zuletzt war Real Madrid der heißeste Kandidat.

Real-Berater Zinedine Zidane hatte über konkrete Verhandlungen mit seinem Landsmann und den Bayern berichtet. (Riberys Weggang rückt näher)

"Wenn Zidane sagt, er verhandele mit Ribery, dann kostet mich das ein müdes Lächeln", lautete Rummenigges fast trotziger Kommentar.

Zeitung: Madrid nimmt Kredit auf

Fraglich ist, wie weit sich Real für Ribery finanziell aus dem Fenster lehnen will oder kann.

Laut einem Bericht der Sportzeitung "El Mundo Deportivo" konnten die Madrilenen die Transfers von Cristiano Ronaldo (94 Millionen Euro) und Kaka (65 Millionen) nur mit einem Kredit zweier spanischer Großbanken stemmen. 102361(DIASHOW: Die teuersten Transfers aller Zeiten)

"Die Geschichte ist schwierig, denn die Bayern nennen astronomische Zahlen", erklärte Sportdirektor Jorge Valdano in der Nacht zum Dienstag in einem Radio-Interview. (Madrid ist "noch lange nicht fertig")

Rummenigge: Keine Preistreiberei

Hoeneß hatte gemeint, der FC Bayern würde Ribery eventuell abgeben, wenn ein Verein bereit sei, "ganz verrückte Dinge zu tun". Im Raum stand eine Ablöse von "60 Millionen plus X".

Also doch nur eine Frage der Finanzen? Rummenigge meint: nein. Im Fußball gehe es schließlich nicht nur um wirtschaftliche Aspekte, sonder auch um emotionale.

Breitner: "Geschäft wird immer schnelllebiger"

Auch Chef-Berater Paul Breitner wünscht sich eine weitere Zusammenarbeit mit dem Dribbelkünstler. "Für mich wäre es das Schönste, wenn Ribery beim FC Bayern bliebe", sagte Breitner der "Bild".

Ribery sei wohl genauso viel Wert wie Kaka, so Breitner, aber ihm fehle "jegliches Gefühl, wenn ich die Summen für Cristiano Ronaldo und Kaka in Relation zu irgendwelchen anderen Spielern setze."

Ein großer Teil der Sport1.de-User (41,6 Prozent, Stand 17. Juni 15.30 Uhr) stuft Ribery übrigens unter 60 Millionen Euro ein.

Doch sein Gefühl nütze im heutigen Geschäft nichts, erklärte Breitner: "Dieses Geschäft wird immer schnelllebiger. Dem müssen sich alle anpassen." Auch der FC Bayern.

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