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Bruno Labbadia erzielte als Aktiver für den HSV in 41 Bundesligaspielen elf Tore © SPORT1

Was wird neu, was wird anders in der Saison 2009/10? Der Bundesliga-Report beleuchtet die Klubs im Umbruch. Teil 4: Hamburger SV.

Von Martin van de Flierdt

München - Viel Zeit, die Wunden der verpassten Möglichkeiten einer lange Zeit hervorragenden Saison zu lecken, blieb dem Hamburger SV nach Ende der Spielzeit nicht.

Schon am Montag nach dem versöhnlichen Ausklang mit dem Einzug in die Europa League verließ Trainer Martin Jol die Kommandobrücke, eine gute Woche später beerbte ihn dort bereits Bruno Labbadia.

Der aus seinem Leverkusener Kontrakt heraus verpflichtete Coach soll die Mannschaft in den vorerst drei Jahren seiner Vertragslaufzeit kontinuierlich weiterentwickeln und dauerhaft in der Ligaspitze etablieren.

Zwar haben sich die Rothosen in den vergangenen fünf Jahren jeweils für das internationale Geschäft qualifiziert, ihren Ruf und ihre wirtschaftliche Position deutlich aufgebessert. Kontinuität zeichnete sie dabei allerdings keineswegs aus.

Nach fünf Trainern in sieben Jahren (Kurt Jara, Klaus Toppmöller, Thomas Doll, Huub Stevens und Martin Jol) soll nun Labbadia für längere Zeit das Gesicht des HSV sein.

"Ich habe klare Vorstellungen", sagt der 43-Jährige. Zu diesen gehört mit ziemlicher Sicherheit die Veränderung des Hamburger Spielsystems.

Neues Spielsystem

Hatten die Hanseaten unter Jol zumeist noch im 4-4-2 oder dem von dessen Vorgänger Stevens bevorzugten 4-2-3-1 agiert, so dürfte Labbadia wie bei seinen letzten beiden Stationen in Leverkusen und zuvor Fürth ein 4-1-3-2 verordnen.

Heißt also: Die Doppelsechs gehört der Vergangenheit an. Obwohl sie mit Alex Silva, Dennis Aogo oder Guy Demel gleich drei Akteure im Kader haben, die häufiger gemeinsam mit Kapitän David Jarolim vor der Abwehr gespielt haben, bemühen sich die Hamburger allerdings verstärkt um einen weiteren Sechser.

Lorik Cana, der aktuell mit gehandelten zehn Millionen Euro Ablöse noch zu teure Spielführer von Olympique Marseille, und Kostas Katsouranis von Benfica Lissabon sind die Objekte der Begierde, weil Gojko Kacar von Hertha BSC wohl nur schwer aus Berlin loszueisen ist. Das klingt paradox, ist es aber nicht.

Jarolim rückt wohl nach vorne

Denn Labbadia plant Jarolim offenbar für eine der drei offensiven Mittelfeldpositionen ein. Aogo ist auf der linken, Guy Demel auf der rechten Außenverteidigerposition bestens aufgehoben. Und Silva dürfte, wenn er denn seine Abwanderungsgedanken ad acta legt, in der Innenverteidigung Verwendung finden.

Dort ist nach den Abgängen von Bastian Reinhardt und Michael Gravgaard, deren Verträge nicht verlängert wurden, eine Vakanz entstanden.

Der Auftritt von Jerome Boateng in der deutschen Abwehrzentrale bei der U-21-EM hat aber nicht nur Sportchef Dietmar Beiersdorfer aufgezeigt, dass eine Neuverpflichtung auf dieser Position nicht zwangsläufig nötig ist.

Guerrero will weg

"Jerome hat beste Aussichten, ein internationaler Topverteidiger zu werden", sagt Beiersdorfer. Ein kreativer Mittelfeldspieler und ein Angreifer sollen noch kommen. Vorausgesetzt, neben Mladen Petric, den der HSV nicht an Wolfsburg abgibt, bleibt auch Paolo Guerrero an der Elbe. Denn das ist durchaus fraglich.

"Ich denke nicht, dass ich weiter in Hamburg spiele, aber sicher ist das noch nicht", meinte der Stürmer in einem peruanischen Fernsehinterview. "Ich würde gerne in England oder Spanien spielen." Beiersdorfer will sich mit Guerrero "noch einmal zusammensetzen. Unser Bestreben ist es Paolo zu halten."

Elia soll kommen

Dazukommen soll der Niederländer Elijero Elia vom FC Twente, den schon Jol nach Hamburg lotsen wollte. Der 21-Jährige kann auf der linken Seite aber auch im Mittelfeld agieren und ist sich mit dem HSV prinzipiell einig.

Mit dem FC Twente muss Beiersdorfer sich aber noch verständigen. Acht Millionen Euro stehen als Ablöse im Raum.

Möglich, dass zudem Änis Ben-Hatira, der zuletzt an den MSV Duisburg ausgeliehen war, eine neue Chance in Hamburg erhält. "Man merkt deutlich, dass ihm die Spielpraxis in Duisburg sehr gut getan hat", sagt Beiersdorfer über den U-21-Nationalspieler.

Petric soll bleiben

Dieser wird zum Trainingsbeginn am 3. Juli aufgrund des Urlaubs nach der EM wie Boateng oder Dennis Aogo auf jeden Fall fehlen. Das Gros des Kaders wird in den folgenden Tagen aber heftig schwitzen.

Zumal Labbadia angesichts von nur 27 Tagen Vorbereitung bis zum ersten Qualifikationsspiel zur Europa League das Trainingslager im österreichischen Längenfeld von sieben auf zehn Tage verlängerte.

Der HSV muss zügig wieder voll da sein. Viel Zeit, die noch jungen Wunden zu lecken, bleibt da eben nicht.

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