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Getrennte Wege nach nicht mal einem Jahr: Jürgen Klinsmann (r.) und Uli Hoeneß © getty

Bayerns Ex-Trainer kann seine Entlassung offenbar noch immer nicht verwinden. Erneut geht Klinsmann mit den Bossen hart ins Gericht.

Von Christian Paschwitz

München - Der Stachel der Enttäuschung sitzt tiefer, als er zugeben möchte: Auch noch nach sieben Wochen beschäftigt Jürgen Klinsmann seine Entlassung als Trainer des FC Bayern immens.

So sehr, dass der 44-Jährige in einem Interview mit der "Bild" nun abermals Kritik an der Klubführung übt:

"Die Transfers sind bemerkenswert. Es zeigt, dass man im Nachhinein meiner Analyse gefolgt ist", so Klinsmann.

"Und es zeigt überdeutlich, dass offensichtlich nicht der Trainer alleine schuld war - wie es so oft dargestellt wurde. Da bekam man fast den Eindruck, ein Trainerwechsel würde reichen, um ins Champions-League-Finale zu kommen.?

"Man denkt schon länger nach"

Als Anwürfe Richtung Trainer-Nachfolger Louis van Gaal will Klinsmann das nicht verstanden wissen: Ebenso sei ihm "Neid völlig fremd". Mit dem deutschen Rekordmeister wirklich abgeschlossen zu haben scheint Klinsmann trotzdem nicht:

"Natürlich bekommt man mit der Zeit mehr Distanz. Und eine Beurlaubung gehört offensichtlich auch zu einer richtigen Trainerkarriere. Aber über die Art und Weise denkt man schon länger nach."

Wohl vor allem deshalb, weil die Bayern van Gaal bereits für 50 Millionen Euro Verstärkungen ermöglicht haben.

Während Klinsmann mehr oder weniger mit dem Personal der Vorsaison vorlieb nehmen musste. 93065(DIASHOW: Die Baustellen des FC Bayern München)

Forderung nach Olic - für Podolski

"Man wollte der Mannschaft trotz einiger Fragestellungen nach dem Doublegewinn die Möglichkeit geben, sich auch international zu beweisen, obwohl man im Uefa-Cup ja gescheitert war", so der Ex-Stürmer, der mit seiner Familie derzeit im USA-Urlaub steckt.

Und weiter: "Wir wussten, dass es ein Risiko wird mit einem neuen Torwart und ohne vierten Stürmer, von den Verletzungen (Ribery, Sagnol, Toni, Klose - Anm. d, Red.) ganz zu schweigen. Ich habe noch im Dezember geraten, Podolski mit Olic zu tauschen, aber leider war man anderer Meinung."

Womit Klinsmann einmal mehr gegen die Bayern-Bosse Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge nachkartet.

Kritik schon bei Stern-TV

Schon vor einem Monat hatte Klinsmann in der TV-Sendung "Stern TV" seine Sichtweise dargelegt.

Er habe es in München mit den "Alphatieren" Uli Hoeneß, Karl-Heinz Rummenigge und Franz Beckenbauer zu tun gehabt, "die natürlich auch ihren Platz haben möchten".

Der 44-Jährige fügte hinzu: "Ich bin mit meiner Denkweise hier und da an die Grenzen gestoßen, weil ich es oftmals mit Leuten zu tun hatte, die sich nicht weiterentwickeln wollen, die mehr auf Besitzdenken fixiert waren. Ich aber wollte immer den nächsten Schritt machen."

Hoeneß der Lüge bezichtigt

Mehr noch: Klinsmann bezichtigte Hoeneß und Co. indirekt gar der Lüge. Der Darstellung der Bosse, sein Interimsnachfolger Jupp Heynckes habe bei seinem (Klinsmanns) letzten Spiel auf der Bayern-Bank gegen Schalke 04 zufällig auf der Tribüne gesessen, könne man "natürlich nicht glauben."

Und auch die Profis kritisierte Klinsmann seinerzeit. Die hätten sich "zu sehr auf die Champions League fixiert und gedacht, die Bundesliga läuft schon irgendwie, wir haben ja einen guten Kader, und wir sind ja sehr gute Spieler. Die haben das unterschätzt".

Sein Fehler sei es gewesen, sich "auf Kompromisse eingelassen" zu haben, "was ich als Bundestrainer nie gemacht hätte", sagte Klinsmann.

Klinsmann kassiert weiter

In der Gegenwart ringt der Ex-Trainer mit den Bayern noch immer über die Vertragsauflösung.

Zum Klub bestehe nur noch Kontakt über seinen Anwalt - bislang erfolglos. (zum Artikel: Klinsmann kassiert weiter)

"Wir haben keine Einigung erzielt", verriet nun auch Hoeneß. Statt einer Millionen-Abfindung zahle man "das Gehalt einfach weiter" (angeblich jährlich unter fünf Millionen Euro).

Klinsmann bekümmert das aktuell wenig: "Meine vertragliche Situation ist klar, es besteht absolut kein Handlungsbedarf. Ich möchte ja - wie gesagt - für die neue Saison auch keine Mannschaft übernehmen. Andererseits werde ich aber diese neue Unabhängigkeit nutzen, mir eine Auszeit nehmen und mich weiterbilden."

"Sie wollen mich nicht mehr Meister werden lassen"

Eine persönliche Verabschiedung von Klinsmann an der Säbener Straße oder anderswo hat es bis heute nicht gegeben.

Dafür eine Reaktion via neue Medien: "Sie wollen mich nicht mehr Meister werden lassen!"

Mit dieser SMS soll sich Klinsmann nach seiner Entlassung laut "Sport Bild" von Kapitän Mark van Bommel verabschiedet haben.

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