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Dietmar Beiersdorfer (l.) ist seit 2002 beim HSV, Bernd Hoffmann seit 2003 © imago

Zwischen Sportchef Dietmar Beiersdorfer und dem Vorstandsvorsitzenden Bernd Hoffmann scheint das Tischtuch zerschnitten.

Hamburg - Beim Hamburger SV steht der schwelende Machtkampf zwischen dem Vorstandsvorsitzenden Bernd Hoffmann und Sportchef Dietmar Beiersdorfer vor der Eskalation.

Letzterer beklagt die wiederholte Einmischung Hoffmanns in seine Aufgabengebiete. "Es gibt unterschiedliche Auffassungen sowohl in der Arbeitsweise als auch in der Abgrenzung der Kompetenzbereiche", sagte Beiersdorfer dem "Hamburger Abendblatt". "Diese waren auf der Ebene des Vorstands nicht mehr zu regeln."

Der Sportchef wandte sich deshalb nach übereinstimmenden Medienberichten Ende der vergangenen Woche mit der Bitte um Unterstützung an den Aufsichtsratsvorsitzenden Horst Becker.

"Dietmar hat mir in einem langen Gespräch über die unterschiedlichen Auffassungen und Differenzen mit Bernd Hoffmann berichtet. Ich nehme seine Probleme sehr ernst", bestätigte Becker.

Die Differenzen folgen nach Ansicht der Hamburger "Morgenpost" aus der schonungslosen Saisonanalyse Hoffmanns, der darin die Personalpolitik Beiersdorfers heftig kritisierte und die Scouting-Abteilung, die in Beiersdorfers Zuständigkeit fällt, besonders an den Pranger stellte.

"Es gibt unterschiedliche Standpunkte bei der Bewertung der letzten Saison", räumt Hoffmann freimütig ein. "Aber das werden wir intern klären."

Während Beiersdorfer mit dem Erreichen der Europa League zufrieden war, äußerte sich Hoffmann mehrfach enttäuscht über das Verpassen von drei möglichen Titeln und bemängelte öffentlich "fehlende Leidenschaft".

Noch kein Neuzugang

Außerdem gibt es offenbar zurzeit unterschiedliche Aufassungen über die Transferpolitik. Bislang hat der HSV noch keinen Zugang zur neuen Saison verpflichtet.

Der Personalauschuss des Aufsichtsrats, der sich aus Becker, Ernst Otto Rieckhoff, Bernd Enge und Alexander Otto zusammensetzt, will die Streithähne am Montag zu Gesprächen bitten. "Ich bin der Meinung, dass man beide Seiten anhören muss, um zu einem Urteil zu finden", sagte Becker der "Welt".

Dass eine Zusammenarbeit Hoffmanns mit Beiersdorfer danach noch möglich ist, gilt als unwahrscheinlich. Becker sieht das anders: "Ich bin überzeugt, dass man das reparieren kann. Wir wollen in dieser Besetzung weitermachen, sonst bräuchten wir solch einen Termin ja gar nicht erst anzusetzen."

Beiersdorfer sagt nur: "Mein Rücktritt ist ausgeschlossen." Die beiden HSV-Verantwortlichen sind charakterlich völlig unterschiedlich.

Nicht die erste Meinungsverschiedenheit

Während Beiersdorfer eine zurückhaltende Persönlichkeit ist, der Entscheidungen erst nach gründlicher Analyse trifft und sich selten offensiv in der Öffentlichkeit darstellt, wirkt Hoffmann wesentlich impulsiver und entscheidungsfreudiger und kann sich durch seine offene Art glänzend verkaufen.

Hoffmann und Beiersdorfer waren aufgrund unterschiedlicher Auffassungen schon in der Vergangenheit mehrmals aneinandergeraten.

So hielt Beiersdorfer gegen Hoffmanns Meinung Ende 2006 viel lange an Trainer Thomas Doll fest, verknüpfte sogar sein Schicksal mit ihm. Ende Februar 20007 musste Doll dann doch gehen, der HSV schaffte noch den Aufschwung unter Huub Stevens.

Stevens-Nachfolge verschärfte Spannungen

Anfang 2008 litt die Beziehung zwischen Beiersdorfer und Hoffmann nachhaltig, als sie sich 177 Tage lang nicht auf einen Nachfolger von Stevens einigen konnten, der zum Saisonende seinen abschied angekündigt hatte.

Hoffmann hatte sich damals für Jürgen Klopp ausgesprochen, Beiersdorfer Fred Rutten favorisiert. Kompromisslösung Martin Jol verließ den Klub in diesem Sommer nach nur einem Jahr wieder, nicht zuletzt weil er mehr Kompetenzen aus dem Bereich Beiersdorfers für sich beanspruchte und nicht erhielt.

Beiersdorfer ist seit August 2002 beim HSV tätig, Hoffmann folgte im Februar 2003. Der Verein erreichte mit beiden fünfmal in Folge einen internationalen Wettbewerb und belegt in der Rangliste der UEFA zur Zeit Platz 13.

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