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Ganz stark in Dortmund: Aber unklar ist, ob Neven Subotic für Deutschland spielen darf © getty

Borussia Dortmunds Neven Subotic wird schon als angehender deutscher Nationalspieler gehandelt: Doch die FIFA hat etwas dagegen.

Von Christian Paschwitz

Auch wenn Freundin Lisa in Mainz geblieben ist - Neven Subotic genießt das alles sehr im Moment: "Es ist einfach ein wunderschönes Gefühl", sagt er und meint damit seinen märchenhaften Höhenflug-Start bei Borussia Dortmund.

Erst drei Bundesligaspiele hat der 19-Jährige absolviert ? und sich dabei schon zweimal zum Matchwinner aufgeschwungen mit seinen Toren gegen Leverkusen und Cottbus. Eine bemerkenswerte Bilanz für einen Liga-Neuankömmling.

Eigentlich soll der Innenverteidiger ja vor allem Tore verhindern. Weil Subotic bei der Borussia aber gerade auch in dieser Rolle so abgeklärt agiert, als mache er seit Jahren nichts anderes, verwundert es wenig, dass der Youngster schon jetzt als künftiger Nationalspieler gehandelt wird.

Zumal das DFB-Ensemble in der inneren Defensive um Per Mertesacker und Christoph Metzelder zuletzt nicht gerade gesprüht hat vor Qualität. Ein Subotic für Deutschland käme da gerade recht.

Das weiß auch Jogi Löw: "Wir haben uns beim DFB schon nach dem ersten Spieltag über Subotic unterhalten. Er hat einen interessanten Eindruck gemacht und ihn inzwischen bestätigt?, sagte der Joachim Löw kürzlich und stellte in Aussicht, sich nach den EM-Qualifikationsspielen in Liechtenstein und Finnland ernster mit dem Thema Subotic befassen zu wollen.

Wenn sich Subotic da womöglich allerdings nicht selbst ausgebremst hat.

Denn: Weil er 2005 viermal für die USA bei der U-17-Weltmeisterschaft in Peru kickte und damals keinen zweiten (deutschen) Pass hatte, ist Subotic nach Information von Sport.1.de der Weg verbaut, für Deutschland aufzulaufen.

Schuld dran ist Artikel 18 der FIFA-Statuten: Danach kann ein Spieler allein dann den Verband wechseln, sofern er "zum Zeitpunkt des ersten Voll- oder Teilzeiteinsatzes in einem Länderspiel in einem offiziellen Wettbewerb seines bisherigen Verbandes bereits im Besitz der Staatsbürgerschaft des Verbandes war, für dessen Verbandsmannschaft er die Spielberechtigung erlangen will".

"Ich höre das zum ersten Mal"

Sprich: Subotics Abwehraktionen für Amerika verhindern den Einsatz in der deutschen Defensive.

Wovon der Jungspund selbst bis dato nicht mal etwas geahnt haben will. Und sich vorerst auch nicht belasten möchte: "Ich höre das Alles gerade zum ersten Mal", sagte Subotic auf Sport1-Nachfrage. "Aber ich mache mir darüber keine Gedanken. Ich konzentriere mich auf die Bundesliga und auf Dortmund. Und wenn ich wirklich mal Nationalspieler werden sollte, dann wäre es mir fast egal für welches Land."

Wenngleich Subotics "erste Wahl natürlich Deutschland" wäre. Der 1,93-Meter-Mann war Anfang der 90er schließlich aus dem vom Balkankrieg erschütterten Banja Luka in den Schwarzwald und damit in eine glücklichere Kindheit geflohen. Elf Jahre später wanderte die Familie dann zwar nach Florida aus. Aber allzu lange ließ die Rückkehr nach Pforzheim nicht auf sich warten, ehe Subotic dann 2006 vom FSV Mainz entdeckt wurde.

Eingewöhnungszeit ein Fremdwort

Auch beim BVB ist Subotic bereits heimisch geworden: "In Dortmund habe ich mich vom ersten Tag an wie zu Hause gefühlt", sagt er. Eingewöhnungszeit hat der 19-Jährige keine gebraucht.

Ebenso wenig, um mit dem gleichaltrigen Mats Hummels an seiner Seite in der Innenverteidigung zu harmonieren. "Das hat mit uns eigentlich vom ersten Tag an gepasst. Wir ähneln uns sehr in unserer Spielweise", sagt Hummels über den Zwilling im Geiste, mit dem er gern auch mal eine Runde pokert.

Trainer Jürgen Klopp, der Subotic zur neuen Saison in einem Vier-Millionen-Transfer aus Mainz nach Dortmund mitgebracht hatte, nannte das nahezu fehlerlose Auftreten des Duos nach dem Sieg über Cottbus "eine glückliche Fügung. Für ihr Alter spielen die beiden erstaunlich abgeklärt."

"Kinderriegel" zum Zunge-Schnalzen

Der Abwehr-"Kinderriegel" der Borussia zergeht in den Augen der Fußball-Ästheten auf den schnalzenden Zungen. Nicht nur das beeindruckende Kopfball- und Stellungsspiel in der Defensive beeindruckt.

Wenn Subotic bei Standards mit nach vorne prescht, wird's gefährlich im gegnerischen Strafraum: In Leverkusen war er per Kopf erfolgreich und machte das wichtige 3:1. Gegen Cottbus durfte er im Fünfmeterraum des FC Energie ungehindert die Vorarbeit von Florian Kringe verwerten.

In der Nationalelf wird das wohl nicht möglich. Wenngleich DFB-Mediendirektor Harald Stenger einen Ermessensspielraum erkennen mag hinsichtlich eines Verbandswechsels von Subotic und meint, dass "unterschiedliche Interpretationen der FIFA-Satzung existieren".

Auch Nürnbergs Wolf durfte nicht

Allerdings: Bei einem Präzedenzfall mit Nürnberger Beteiligung hatte sich der Weltverband quergestellt. Der in Tadschikistan geborene Verteidiger Andreas Wolf durfte nicht mehr für Russland spielen, weil er im Jahr 2000 vier U-18-Einsätze für Deutschland in der EM-Qualifikation bestritten hatte.

Ob die FIFA auch im Fall Subotic so befindet, entscheidet sich jedoch erst dann, wenn Subotic auch die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt. "Die muss ich aber erst noch beantragen", sagt er.

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