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Bei Viktor Agalis Transfer von Rostock nach Schalke sollen zwei Millionen Euro Schwarzgeld geflossen sein © getty

Schalke im Visier der Steuerfahnder: Beim Transfer von Victor Agali sollen zwei Millionen Euro Schwarzgeld geflossen sein.

Gelsenkirchen - Der Verdacht von Schwarzgeld-Zahlungen und Steuerhinterziehung in Höhe von zwei Millionen Euro bei Fußball-Bundesligist FC Schalke 04 schlägt immer höhere Wellen. Inzwischen sind weitere Details bekannt geworden.

Die Staatsanwaltschaft Essen ermittelt gegen Ex-Manager Rudi Assauer und Schalke-Geschäftsführer Peter Peters. Beide werden beschuldigt, von Schwarzgeld-Zahlungen an Ex-Spieler Victor Agali (30/jetzt bei AO Xanthi) gewusst zu haben. Außerdem sollen Assauer und Peters sich der Beihilfe zur Steuerhinterziehung schuldig gemacht haben.

Nach Informationen der "Bild" soll Schalke zwischen Februar 2002 und April 2003 mehr als zwei Millionen Euro auf ein notarielles Treuhandkonto der Liechtensteiner Briefkastenfirma "Pointline" bei der Dresdener Bank in Düsseldorf überwiesen haben. Von dort habe Agali-Anwalt Albert M. Tilmann wenig später das Geld auf ein Konto des zweiten Agali-Beraters Rolf Wegener in Monaco transferiert. Danach verliert sich die Spur des Geldes.

Agali war 2001 für 4,7 Millionen Euro von Hansa Rostock nach Schalke gewechselt. Bemerkenswert an dem Vorgang: Agali war sich über einen Transfer schon mit Hertha BSC Berlin einig, ehe er über seine Berater-Duo doch auf Schalke landete.

Deklariert wurden die Zahlungen seinerzeit angeblich als Ablösesumme für den Nigeranier bei seinem Heimatverein FC Nitel Lagos (Nigeria). Nitel, für den Tilmann als Bevollmächtigter auftrat, soll zu dieser Zeit noch ein Rückkehrrecht auf Agali besessen haben.

Auch gegen Tilmann und Wegener ? ein enger Vertrauter des damaligen Schalke-Aufsichtsrats und 2003 verstorbenen Jürgen W. Möllemann ? wird aktuell ermittelt.

Assauer schweigt

Die Schalker weisen alle Vorwürfe von sich: "Ich kann nur sagen, dass wir seinerzeit über 4 Millionen Euro Ablöse an Rostock überwiesen haben", so Manager Andreas Müller, damals Leiter der Lizenzspieler-Abteilung. Assauer-Anwalt Fred Fiestelmann erklärte: "Niemand auf Schalke wusste etwas von Schwarzgeld. Wir haben Akten-Einsicht beantragt und warten das Verfahren jetzt mit aller Gelassenheit ab."

Aufsichtsratschef Clemens Tönnies erklärte, Schalke habe "kein Geld hinterzogen. Wir sind um schnelle Aufklärung bemüht und haben entsprechende Unterlagen ausgehändigt."

Auch Schalke-Geschäftsführer Peters gibt sich entspannt und sagte: "Ich habe sehr großes Vertrauen in die Behörden." Assauer selbst, der im Urlaub auf Sylt weilt, enthielt sich bisher einer Stellungnahme.

Kein Nachweis aus Nigeria

Kurios: Schalke soll für die Zwei-Millione-Euro-Überweisung weder einen schriftlichen Beweis von Nitel eingefordert, noch die FIFA kontaktiert haben, um sich von der Richtigkeit des vermeintlichen Nitel-Rechts zu vergewissern.

"Herr Tilmann hat damals eine beglaubigte Kopie des Vereins aus Lagos vorgelegt und ist als Empfangsbevollmächtigter aufgetreten. Daraufhin wurde gezahlt", sagte Fiestelmann.

Die Schalker Klub-Zentrale am Ernst-Kuzorra-Weg 1 war am vergangenen Donnerstag von drei Fahndern durchsucht worden. Die Razzia erstreckte sich zudem auf mehrere private Objekte.

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