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Ruggiero Rizzitelli war der erste Italiener, der aus der Serie A in die Bundesliga wechselte © getty

Flieht Luca Toni vor dem Konkurenzkampf? Ruggiero Rizzitelli redet Klartext über seinen Landsmann und die Squadra Azzurra.

Von Mathias Frohnapfel

München/Rom - Luca Toni sitzt auf der Ersatzbank, während Mario Gomez und Miro Klose die Abwehrreihen schwindlig spielen.

Für den Italiener, Bundesliga-Torschützenkönig von 2008, ist das eine Horrorvorstellung.

Doch Ruggiero Rizzitelli vermutet, dass Toni dem brutalen Konkurrenzkampf beim Meister aus dem Weg gehen könnte.

Rizzitelli war einer von Tonis Ratgebern, als es 2007 um den Wechsel nach München ging. Der 41-Jährige stürmte selbst von 1996 bis 1998 für den FCB und arbeitet heute als TV-Kommentator in Italien.

Im Interview mit Sport1.de spricht Rizzitelli über Tonis Auftritt beim Confed Cup, seine Zukunft in München und über Italiens Blamage gegen Brasilien.

Die "squadra azzurra" sieht er vor einem Erneuerungsprozess und Fabio Cannavaro vor harten Zeiten.

Sport1.de: Herr Rizzitelli, wie bewerten Sie die Leistung von Luca Toni beim Confed Cup?

Ruggiero Rizzitelli: Schlecht, ehrlich gesagt. Er hat aber auch nur wenige Bälle bekommen. Er ist ein Stürmer, der immer getroffen hat, deshalb kann man ihn aber nicht nur am Confed Cup messen. Er wird auch weiterhin eine Waffe für Lippi sein.

Sport1.de: Die Unterstützung für die Stürmer hätte in Südafrika besser sein können?

Rizzitelli: Ja, er ist nun mal keiner, der den Ball bekommt, einen Verteidiger ausspielt und ins Dribbling geht. Er braucht die Flanken, die langen Bälle aus dem Mittelfeld.

Sport1.de: Bei Bayern ist seine Situation nicht leicht. Mario Gomez kommt aus Stuttgart, zudem Ivica Olic vom HSV. Sollte Toni aus Ihrer Sicht weiter beim deutschen Rekordmeister bleiben? 115098(DIASHOW: Die Neuzugänge des FC Bayern München).

Rizzitelli: Das muss er natürlich selbst entscheiden. Wenn der Klub neue Spieler holt, wird er seine Entscheidung treffen. Wenn die Bayern neue Stürmer einkaufen, bedeutet das doch, dass entweder Luca Toni die Bayern verlässt oder sie nicht mehr an Luca Toni glauben.

Sport1.de: Er wird die Neueinkäufe nicht gerade als Vertrauensbeweis bewerten, oder?

Rizzitelli: Wenn die Münchner sich im Sturm verstärken, heißt es, dass das Vertrauen zu ihm geringer geworden ist. Man muss sehen, was jetzt passiert, ob es Anfragen für ihn gibt, was Luca Toni und der Verein planen.

Sport1.de: Was wird Luca Toni nun machen?

Rizzitelli: So wie ich Luca kennen gelernt habe, ist er einer, der immer agiert. Es ist klar, dass im Fußball nicht immer alles gut für dich läuft. Die großen Spieler, die Stars müssen reagieren, wenn die Dinge schlecht laufen. Wenn er die Chance hat, auf seine Situation bei Bayern zu reagieren, wird er es sicher machen 93065(DIASHOW: Die Baustellen des FC Bayern München).

Sport1.de: Wie tief sitzt in Italien eigentlich der Schock nach der 0:3-Klatsche gegen Brasilien?

Rizzitelli: Eine solch heftige Niederlage hat niemand erwartet. Der Unterschied zwischen Italien und Brasilien war einfach zu groß. Es schien, als würde ein Team aus der Serie A gegen eine drittklassige Elf spielen. Klar kann man verlieren, aber nicht auf diese Art und Weise.

Sport1.de: Italiens Abwehr, sonst das Aushängeschild, schien so schlecht wie seit Jahren nicht mehr.

Rizzitelli: Richtig. In der ganzen Welt war Italien eine der Mannschaften, die in der Defensive gut steht und dann gefährlich kontert. Die Verteidigung hat gegen Brasilien quasi nicht existiert, aber das gilt auch für Mittelfeld und Angriff.

Sport1.de: Fabio Cannavaro hat es auch nicht geschafft, die wackelige Abwehr zu stabilisieren. Wie sehen Sie die Situation des Kapitäns der Weltmeisterelf von 2006?

Rizzitelli: Er hat noch ein anderes Problem im Moment, bei Juve wird er von den Fans angefeindet. Sie verzeihen ihm nicht, dass er vor drei Jahren den Klub verlassen hat und zu Real gegangen ist, als Juve wegen des Schiedsrichter-Skandals in die Serie B versetzt wurde. Wenn er gut spielt, dürfte das aber in Turin nach einer Weile vergessen sein.

Sport1.de: Hat Trainer Marcello Lippi zu lange an vielen Weltmeistern festgehalten, die mittlerweile in die Jahre gekommen sind?

Rizzitelli: Im Fußball wird eben Dankbarkeit nicht honoriert. Lippi hat seinen Weg mit vielen Weltmeistern weiterverfolgt, aber jetzt muss er eine Auswahl treffen. Mit einigen Spielern kann es nicht mehr weitergehen. In dem Jahr bis zur WM muss Lippi auf jeden Fall mehr junge Spieler einbauen.

Sport1.de: Wie soll das ablaufen?

Rizzitelli: Er muss jetzt experimentieren. Dabei hätte der Confed Cup quasi ein Trampolin für die Jungen sein können, um zu reifen. Es gibt junge italienische Spieler mit Qualität, aber man muss sie spielen lassen.

Sport1.de: Lippi hat auch angekündigt, eventuell zehn Weltmeister mit nach Südafrika nehmen zu wollen. Erscheint Ihnen diese Zahl angesichts der mäßigen Leistungen beim Confed Cups realistisch?

Rizzitelli: Tja, man muss auf die Ligaspiele schauen und wer sich noch anbietet. Jetzt kann man das noch nicht entscheiden. Die Ligaspiele werden die Wahrheit zeigen, wer noch die Leistung bringen kann. In einem Jahr kann viel passieren.

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