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Zerstritten: Klubchef Bernd Hoffmann (r.) und Ex-Manager Dietmar Beiersdorfer © imago

Nach der Trennung von Beiersdorfer steuert der HSV in eine ungewisse Zukunft. Klubchef Hoffmann steht mehr denn je unter Druck.

Von Martin Hoffmann

München - Der Mann, der die Nachricht überbringen musste, fühlte sich alles andere als wohl dabei.

"Es geht mir nicht gut", erklärte Aufsichtsratsboss Horst Becker, als er am Dienstagabend die Trennung von Sportchef Dietmar Beiersdorfer bekanntgab: "Dieser Tag ist kein guter Tag für den HSV."

Es war keine Entlassung, wie er betonte: "Dietmar Beiersdorfer wurde nicht gefeuert - wir wollten ihn ja halten."

Aber eben nicht um den Preis, sich im Machtkampf mit Vorstandschef Bernd Hoffmann gegen den HSV-Boss zu wenden.

Und so war der Bruch nicht zu vermeiden (HSV trennt sich von Beiersdorfer).

Vorstand übernimmt Transfer-Verantwortung

Wie es nun weitergeht mit dem Traditionsklub, ist zunächst noch völlig ungewiss.

Für den Moment haben der Vorstand und Hoffmann die Verantwortung für die Transfergeschäfte.

Und damit hat er einiges zu tun: Schließlich hat der HSV noch keinen Spieler für die anstehende Saison verpflichtet (Der Sommerfahrplan des HSV) .

Allen Fragen nach Beiersdorfers potenziellem Erben wich Becker aus. Darüber sei noch nicht diskutiert worden: "Hätten wir schon einen Nachfolger, wäre das ja auch frevelhaft."

Mehr Komptenzen für den Trainer?

Aufsichtsratsmitglied Sergej Barbarez wird immer wieder genannt, soll allerdings auch vereinsintern nur als Notnagel gelten.

Die "Bild" bringt neben mutmaßlichen Fantasiekandidaten wie Stefan Kuntz oder Thomas Helmer noch den ehemaligen HSV-Kapitän Nico-Jan Hoogma ins Spiel.

Der Niederländer ist seit 2006 in seiner Heimat Manager von Heracles Almelo, einem Klub, den der 40-Jährige in die erste Liga geführt und erfolgreich gehalten hat.

Becker schließt Doppelfunktion aus

Denkbar ist aber auch, dass Neu-Coach Bruno Labbadia mit einem Teil der Kompetenzen von Beiersdorfer ausgestattet wird.

Eine Doppelfunktion von Labbadia als Trainer und Manager schloss Becker aber bereits aus.

"Beim HSV würde so ein Konstrukt nicht passen. Wir setzen auf einen Vorstandsvorsitzenden, einen Trainer und Sportchef in jeweils getrennten Ämtern", erklärte Becker der "Welt".

Hoffmann weist Vorwurf zurück

Dass Labbadia soll sich ja bereits mit Hoffmann über die Kaderplanung ausgetauscht haben soll, ohne Beiersdorfer zu informieren - angeblich der Auslöser des Machtkampfs.

"Hoffmann wies den Vorwurf, in den sportlichen Bereich eingegriffen zu haben, zurück:

"Ich reklamiere nicht die sportliche Kompetenz für mich, die Verantwortung überlasse ich dem Sportchef. Aber: Als Vorstandsvorsitzender ist es meine Pflicht, Dinge und Bereiche des gesamten Vereins zu hinterfragen, Zustände und Entwicklungen zu bewerten, Kritik zu äußern und Verbesserungsmaßnahmen einzufordern."

Weitere Abgänge könnten folgen

Bei Beiersdorfers Abgang bleibt es womöglich auch nicht.

Mehrere Verantwortliche der - von Hoffmann intern scharf kritisierten - Scouting- und Nachwuchsabteilungen sollen ohne Beiersdorfer nichts mehr haben, was sie in Hamburg hält.

Fest steht, dass nach der Ablösung des populären und alles in allem erfolgreichen Beiersdorfer mehr Druck auf Hoffmann lasten wird.

Fehlschläge würden auf Hoffmanns Kappe gehen

Der schon vorher nie unumstrittene Klubchef wird in Haftung genommen werden, wenn die kommende Saison nicht nach Wunsch läuft.

Zumal er auch beim Abgang von Trainer Martin Jol zu Ajax Amsterdam nicht unbeteiligt war.

Auch der ging unter anderem deshalb, weil er nicht mit Hoffmann auf einer Linie lag.

"Hoffmann lebt in einem Märchen. Er will alle Spieler verkaufen, aber Titel holen", soll der Niederländer laut "Bild" Vertrauten gegenüber erklärt haben.

Fans in Rage

Bei vielen Fans ist Hoffmann nicht erst seit dem Zoff mit Beiersdorfer unten durch.

Auf den Internetforen des HSV überwiegt nach dem Aus des Sportchefs auch klar der Ärger über den Vereinsboss.

Ein HSV-Fan deutet Hoffmanns Triumph im Machtkampf mit dem Manager als einen Sieg, der ihm am Ende mehr schaden als nutzen wird, als einen "Papyrussieg".

Das Wort heißt Pyrrhussieg - aber die Einschätzung könnte sich bewahrheiten.

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