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Dietmar Beiersdorfer war von 1986 bis 1992 als Spieler beim Hamburger SV aktiv © getty

Der abgesetzte Sportchef kaut schwer an seiner Demission bei den Hanseaten. Ein Nachfolgekandidat erklärt sich bereit.

Von Martin Hoffmann

München - Dietmar Beiersdorfer hat den Machtkampf beim Hamburger SV verloren - sein Gegner aber fühlt sich nicht als Sieger.

"Da gibt es keinen Gewinner", erklärte Vorstandsboss Bernd Hoffmann nach dem Abgang des Sportdirektors im "kicker" (HSV trennt sich von Beiersdorfer).

Die Ära Beiersdorfer ist vorbei - und die ersten Folgen der Entwicklung sind schon spürbar ("Kein guter Tag für den HSV").

So ist der Transfer des zuletzt noch vom HSV umworbenen Hertha-Verteidiger Josip Simunic wohl kein Thema mehr 121720(DIASHOW: Die Brennpunkte der Liga).

Simunic wohl vom Tisch

Die angestrebte Verpflichtung des Kroaten war ein Projekt Beiersdorfers und scheint nach seiner Demission vom Tisch.

Die Personalie Simunic soll auch einer der vielen Streitpunkte zwischen Hoffmann und Beiersdorfer gewesen sein (Der Sommerfahrplan des HSV).

Der Vorstandsvorsitzende hat den angedachten Millionen-Transfer des 31-Jährigen wegen seines Alters angeblich als Risiko betrachtet.

Es war jedoch nur einer von vielen Konflikten, die Hoffmann und sein Sportchef zuletzt ausgefochten haben.

"Deutliche Eingriffe in mein Ressort"

Beiersdorfer klagte im "Hamburger Abendblatt", die Kompetenzüberschreitungen Hoffmanns hätten "schon System" gehabt.

"Das ist nicht mehr mein HSV", soll er beim Krisengipfel am Montag gar gesagt haben.

Aber seine Warnung verhallte nach seinen Angaben ungehört: "Der Aufsichtsrat hatte nie das Ziel, Bernd Hoffmann zu hinterfragen."

Nachfolger direkt Hoffmann unterstellt?

Doch Hoffmann wehrt sich weiter gegen den Vorwurf, sich zu sehr eingemischt zu haben, verweist auf seine Gesamtverantwortung als Vereinschef, die er wahrzunehmen habe.

Nur eins lässt sich der HSV-Boss ankreiden: Er wäre nach dem missratenen Saisonendspurt "zu emotional" gewesen: "Das muss ich korrigieren."

Abgesehen davon signalisiert Hoffmann aber nicht, seine Haltung zu ändern.

Dafür spricht auch das Gerücht, dass er Beiersdorfers Nachfolger keinen Vize-Posten im Vorstand mehr geben will. Er wäre Hoffmann also direkt unterstellt.

Hoffmann dementierte dieses Gedankenspiel nicht: "Diese Entscheidung trifft am Ende der Aufsichtsrat."

Hoogma steht bereit

Wer nun auf Beiersdorfer folgen soll, steht weiterhin in den Sternen.

Angeblich hat Aufsichtsratschef Horst Becker Beiersdorfer sogar selbst noch nach Ratschlägen für seine eigene Nachfolge gefragt.

Der immer wieder gehandelte Sergej Barbarez soll es jedenfalls nicht werden, er ist allenfalls in einer beratenden Tätigkeit vorgesehen.

Ex-Kapitän Nico-Jan Hoogma zeigt dagegen Interesse.

"Ich habe immer gesagt, dass der HSV zu den Klubs gehört, für die ich mich vollem Herzen arbeiten würde", ließ er wissen. Eine Kontaktaufnahme habe es aber noch nicht gegeben.

Fanvereinigung fordert Erklärungen

Hoffmann wird an dem Erfolg des Beiersdorfer-Nachfolgers gemessen werden.

Dass der Gegenwind für den Klubboss heftiger wird, zeigt sich schon jetzt an der Reaktion der Fanvereinigung "HSV Supporter's Club".

Der reagierte "mit großer Bestürzung" auf Beiersdorfers Demission - und fordert die Einberufung einer außerordentlichen Mitgliederversammlung, damit der Verein diesen Schritt erklärt.

Beiersdersorfers Zukunft ungewiss

Und was macht Beiersdorfer nun? Über seine Zukunft hat er sich nach eigenen Angaben noch keine Gedanken gemacht.

"Ich denke, ich werde nicht in Depressionen verfallen", erklärte er: "Aber das Loch wird schon tiefer sein als ein Schlagloch auf der Straße."

Schließlich habe er seinen Job "mit Herz und Seele" erledigt: "Leider geht dem HSV diese Seele langsam verloren."

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