vergrößernverkleinern
Hoeneß (l.) und Hitzfeld gewannen mit dem FC Bayern 2001 die Champions League © getty

Die Kritik am Abgang von Dietmar Beiersdorfer beim HSV wächst. Derweil macht Vorstandsboss Hoffmann dem Ex-Partner Vorwürfe.

Von Matthias Becker

München - Dem HSV läuft eine Woche vor dem Trainingsstart am 3. Juli so langsam die Zeit davon. (Der Sommerfahrplan des HSV).

Nach dem Ende des Machtkampfs zwischen Vorstandsboss Bernd Hoffmann und Ex-Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer müssten die Hamburger schleunigst die Personalplanungen für die neue Saison vorantreiben.

Doch weiterhin lähmt die Diskussion um den Abgang Beiersdorfers den Verein.

Die Kritik am Abschied von "Dukaten-Didi" wird immer lauter - und kommt inzwischen nicht mehr nur von den eigenen Fans, sondern aus der gesamten Fußball-Szene. ("Kein guter Tag für den HSV")

"Man muss Angst um den HSV haben", sagte beispielsweise Ottmar Hitzfeld am Donnerstag bei einer Veranstaltung in der Hamburger Arena.

Dass nun ein neuer Sportchef gesucht werden müsse, sei "eine kleine Katastrophe. Denn es ist nicht einfach, jetzt sportliche Entscheidungen zu treffen."

"Der Verein diskutiert sich kaputt"

Noch deutlicher wird Hitzfelds ehemaliger Chef, Bayern-Manager Uli Hoeneß.

"Der Didi ist ein Guter. Ich weiß allerdings auch jetzt noch nicht, warum sich der HSV von einem solchen Mann trennt", sagte Hoeneß dem "Hamburger Abendblatt".

Das große Problem des HSV sei, dass die Entscheidungsgewalt beim Aufsichtsrat liege, vermutet Hoeneß:

"Andauernd hört man vom HSV, dass der Aufsichtsrat wieder tagt, die Kontrolleure wieder etwas entscheiden. Aber dadurch diskutiert sich der Verein kaputt."

Vorwürfe an Beiersdorfer

Von der Kritik am Umgang mit Beiersdorfer und an dessen Abschied will Vorstandschef Hoffmann derweil nichts wissen.

Mehr noch: Er legt gegen den ehemaligen Partner mächtig nach, wirft ihm Versäumnisse in der Personalpolitik vor.

"Mit fehlte eine klare Führung im sportlichen Bereich. Es geht beispielsweise nicht an, dass HSV-Spieler permanent mit Angeboten von anderen Vereinen kokettieren. Da habe ich mir eine Reaktion vom Sportchef erwartet", sagte Hoffmann der "Bild".

Hoffmann unzufrieden mit Transfer-Quote

Auch mit der Transferbilanz Beiersdorfers zeigt er sich nicht einverstanden.

Elf Profis, seien in den vergangenen drei Saisons für eine Ablöse über drei Millionen Euro nach Hamburg gekommen: "Nur vier - Mathijsen, Petric, Janssen und sowie Guerrero - sind bislang zu festen Größen beim HSV geworden", rechnet Hoffman vor.

Vor ein paar Jahren sei diese Quote "weitaus höher" gewesen.

Widerspruch von Hitzfeld und Hoeneß

Mit dieser Einschätzung ruft Hoffmann bei den externen Experten allerdings großen Widerspruch hervor.

"Der HSV hat eine sehr gute Transferbilanz", sagte Hitzfeld. Hoeneß pflichtet ihm bei:

"Didi hat in Hamburg einen sehr guten Job gemacht", sagte er. Es sei für ihn schlichtweg "unfassbar, dass sich der HSV so eine so gute Saison kaputtredet."

Seeler: "HSV nicht nur ein Geschäft"

Und wenn Bernd Hoffmann diese Kritik an sich und den Entscheidungen des Aufsichtsrats noch als Einmischung von außen abtun kann, auch innerhalb des Vereins gärt es vor sich hin.

Der mächtige "Supporters Club" will bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung unangenehme Fragen stellen. Und auch Klublegende Uwe Seeler zeigt wenig Verständnis für die jüngsten Entwicklungen:

"Der HSV ist auch ein Verein, nicht nur Geschäft", sagte er der "Bild" - ein klarer Seitenhieb in Richtung Hoffmann.

Job-Profil am Freitag?

Viel Zündstoff also weiterhin in Hamburg. Und dabei gerät in den Hintergrund, dass dem HSV die Zeit davon läuft, um dem neuen Coach Bruno Labbadia eine schlagkräftige Mannschaft zusammenzustellen. 115102(DIASHOW: Die Zu- und Abgänge des HSV)

Nach Informationen der "Hamburger Morgenpost", soll sich der Personalausschuss des Aufsichtsrats am Freitag zumindest schon einmal auf das Anforderungsprofil für einen neuen Sportchef einigen.

Ein erster Schritt aus der Krise - der vielleicht aber schon zu spät kommt.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel