vergrößernverkleinern
Präsident Hoffmann (l.) stärkt die Position des neuen Trainers Labbadia © getty

Immer noch kein Zugang beim HSV. Beiersdorfer erntet Lob und Kritk. Auf Labbadia wartet viel Arbeit. Kommt Montag der erste Neue?

Von Thorsten Mesch

München - Noch kein neuer Sportdirektor, noch keine neuen Spieler. Langsam muss beim Hamburger SV etwas passieren.

Doch neue Namen wurden bisher nicht präsentiert. Im Gegenteil.

Nachwuchschef Todt hört auf

Auch Jens Todt, Leiter der HSV-Nachwuchsabteilung, verlässt den Verein.

Wie Todt der Hamburger "Morgenpost" bestätigte, teilte er am Donnerstag in einem Gespräch mit Aufsichtsrats-Chef Horst Becker seine Entscheidung mit.

Grund für den Rücktritt sei das schwierige Verhältnis zu Präsident Bernd Hoffmann. "Das Vertrauensverhältnis ist nicht da. In so einem Fall ist es besser, wenn man sich trennt", erklärte der ehemalige Nationalspieler.

Weitere Trennungen sollen folgen. So wird vermutet, dass auch Teile der Scouting-Abteilung gehen werden.

Stadionsponsor steigt aus

Als hätten die Verantwortlichen nicht schon genug Löcher zu stopfen, muss sich der HSV auch noch einen neuen Stadionsponsor suchen.

Denn die HSH Nordbank wird ihr eigentlich bis 2013 geplantes Engagement wohl schon zum 30. Juni 2010 beenden.

"Zentrale Rolle" für Labbadia

Im Zentrum der Planungen stehen jedoch momentan die Bemühungen, die Mannschaft für die kommende Saison zu verstärken. (Der Sommerfahrplan des HSV)

Nach Beiersdorfers Abgang muss der neue Trainer auch noch die Arbeit des Sportchefs übernehmen. "Wir werden alle Kompetenzen zusammenführen", betonte Hoffmann. Labbadia spiele dabei "eine zentrale Rolle".

Der neue Coach kehrte vorzeitig aus dem Urlaub zurück und arbeitet seitdem rund um die Uhr. Zusammen mit Chefscout Michael Schröder sondiert er den Transfermarkt.

Van der Vaart von Trennung überrascht

Die Fans würden sicher gern Rafael van der Vaart wieder im HSV-Trikot sehen. Doch eine Rückkehr des Niederländers ist momentan kein Thema.

"Ich werde irgendwann zum HSV zurückkehren. Das weiß ich. Nur die Zeit ist noch nicht reif dafür", sagte van der Vaart der "Bild". Er wolle sich vielmehr bei Real Madrid durchbeißen.

Die Trennung von Beiersdorfer sei für ihn "echt überraschend" gewesen, meinte der Mittelfeldspieler. Beiersdorfer sein "ein Supertyp". ("Kein guter Tag für den HSV")

Bruchhagen lobt Beiersdorfer

Auch der ehemalige HSV-Manager Heribert Bruchhagen fand lobende Worte für den ausgeschiedenen Sportchef.

"Beiersdorfers Transferpolitik halte ich für extrem erfolgreich. Ich wünschte, ich könnte eine ähnlich gute vorweisen", sagte der Manager und Vorstandschef von Eintracht Frankfurt der "Mopo". (Hoeneß und Hitzfeld kritisieren HSV-Führung)

Nach der Kritik an seiner Transferpolitik durch HSV-Boss Hoffmann habe Beiersdorfer am Ende allem Anschein nach "die Schnauze voll" gehabt. Hoffmann sei "nicht wirklich" auf Trennung ausgewesen.

"Debatin: Opfer seiner Starrsinnigkeit zur Unzeit"

Ähnlich sieht es HSV-Aufsichtsratsmitglied Prof. Jörg F. Debatin.

Beiersdorfer sei "nicht das Opfer, zu dem er sich in der Öffentlichkeit gemacht hat", sagte Debatin dem "Hamburger Abendblatt".

Vielmehr sei der HSV "das Opfer seiner Starrsinnigkeit zur Unzeit".

Beiersdorfer habe darauf beharrt, "für den sportlichen Bereich exklusiv verantwortlich zu sein" und wollte "sich offenbar von seinen Vorstandkollegen nicht in die Karten schauen lassen."

Situation sorgt für Verunsicherung

Dass zwei Wochen vor Trainingsbeginn immer noch kein Transfer unter Dach und Fach war, sei unbefriedigend gewesen.

"Der Aufsichtsrat hatte den Finanzrahmen für Neueinkäufe dieses Mal bewusst bereits vor Wochen freigegeben. Um zu verhindern, dass wir noch einmal in die Situation wie im Winter kommen."

Damals hatte der HSV erst auf den allerletzten Drücker neue Spieler verpflichtet. Eine solche Situation sorge im aktuellen Kader für Verunsicherung, glaubt Debatin. "Die möchten wissen, mit wem sie in der nächsten Saison die hochgesteckten Ziele erreichen sollen."

Erster Neuzugang am Montag?

Erste Neuverpflichtung könnte Eljero Elia sein. Laut "Bild" soll der Niederländer möglicherweise schon am Montag präsentiert werden. 115102(DIASHOW: Die Zu- und Abgänge des HSV)

Allerdings wäre Elia wohl kein Schnäppchen. Twente Enschede verlangt angeblich zehn Millionen Euro für den 21-Jährigen.

Bei sieben Millionen Euro liegt die festgeschriebene Ablöse für Hertha-Verteidiger Joe Simunic. Wohl zuviel für den HSV. So soll es der Aufsichtsrat zumindest Labbadia mitgeteilt haben.

"Die Personen sind austauschbar"

Eins ist klar: Der Coach, die Offiziellen und der zukünftige Beiersdorfer-Nachfolger haben noch viel Arbeit vor sich.

Angst, dass einige Spieler, die noch mit Beiersorfer verhandelt haben, nun nicht mehr kommen, müsse man aber nicht haben, meint Ex-Manager Bruchhagen:

"Machen wir uns doch nichts vor. Irgendwie sind Personen in dieser Branche doch alle austauschbar."

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren! Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel