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Die Ära Dieter Hoeneß bei Hertha BSC beginnt im November 1996 © getty

Dieter Hoeneß freut sich auf die neuen Freiheiten nach seiner Zeit als Hertha-Manager. Er gönnt sich ein halbes Jahr Pause.

Berlin - Das Namensschild auf seinem angestammten Parkplatz vor der Geschäftsstelle ist schon seit dem Trainingsauftakt in der vergangenen Woche verschwunden.

Am Dienstag endete nun auch offiziell die Ära Dieter Hoeneß bei Hertha BSC Berlin.

An seinem letzten Arbeitstag nach fast 13 Jahren im Verein hegte der zurückgetretene Manager zumindest nach außen keinen Groll über seinen unfreiwilligen Abgang.

"Ich bin erleichtert. Die Monate vor meiner Vertragsauflösung waren sehr belastend. Jetzt geht es mir gut. Es ist wichtig für alle, dass es wieder nach vorn geht", sagte Hoeneß der "Bild-Zeitung".

Bei den Mitarbeitern der Geschäftsstelle bedankte sich der 56-Jährige mit einem Grillabend, von der Mannschaft will er sich erst in paar Tagen verabschieden.

"Eine Frage von Stil"

Einen kleinen Seitenhieb in Richtung des Präsidiums mit dem Vorsitzenden Werner Gegenbauer, mit dem er sich einen offenen Machtkampf geliefert und am Ende den Kürzeren gezogen hatte, konnte sich Hoeneß aber nicht verkneifen:

"Für mich ist so eine Trennung eine Frage von Stil und Klasse. Ich denke, bei einem großen Klub im Süden wäre so eine Ära anders beendet worden."

Mehr Zeit für sich

Doch anders als sein Bruder Uli bei Rekordmeister Bayern München hat Dieter Hoeneß nun mehr Zeit für sich.

"Es ist schön, dass meine Tage nicht mehr so durchorganisiert sind", meinte der ehemalige Nationalspieler: "Ich mache jetzt ganz einfache Sachen, die vorher liegengeblieben sind: Steuererklärung, Kontakte pflegen, mich medizinisch durchchecken lassen."

Halbes Jahr Pause

Doch wer Hoeneß kennt, der weiß, dass es ihn über kurz oder lang wieder ins Fußball-Geschäft drängt.

Ein halbes Jahr Pause habe er sich selbst verordnet, danach sei alles offen.

Seine Bilanz beim Hauptstadt-Klub sieht Hoeneß, der auch wegen einer Abfindung von rund einer Million Euro in der Öffentlichkeit keine schmutzige Wäsche waschen wird, als großes Bewerbungsplus: "Ich gehe erhobenen Hauptes. Ich bin mir treu geblieben."

Unerfüllter Traum

Seine Verdienste werden auch von den Kritikern gewürdigt.

Hoeneß hat seit seinem Amtsantritt am 27. November 1996 dem damaligen Zweitligisten zunächst als Vizepräsident und später als Manager moderne Strukturen gegeben und aus der einstigen Skandal-Nudel einen seriösen Verein geformt.

Sein Traum, einmal mit der Meisterschale durch das Brandenburger Tor zu fahren, blieb jedoch unerfüllt. Zudem plagten den Klub unter seiner Regie finanzielle Probleme, die noch immer nicht ganz behoben sind.

Schweres Erbe

Auf Nachfolger Michael Preetz und Trainer Lucien Favre, der am Ende mit Hoeneß nicht mehr auf einer Welle funkte, wartet ein schweres Erbe.

Das weiß auch Präsident Gegenbauer: "Jetzt werden diejenigen, die in Zukunft ohne Dieter Hoeneß die Verantwortung tragen, den Druck haben, weil ab dem 8. August nur die Ergebnisse zählen."

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