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MATTHIAS GINTER (ab 90.): Kommt für seinen verletzten Dortmunder Teamkollegen noch zu einem Kurzeinsatz. Ohne Bewertung
Louis van Gaal gewann 1995 mit Ajax Amster- dam die Champions League © getty

Der neue Bayern-Trainer will bei seinem Amtsantritt die Erwartungen nicht zu hoch stecken. Wichtiger ist kontinuierliches Arbeiten.

Vom FC Bayern berichtet Mathias Frohnapfel

München - Es wäre für Louis van Gaal ein Leichtes gewesen, bei seiner ersten Pressekonferenz in München seine Philosophie auszubreiten.

Von Offensivfußball zu sprechen, wie ihn seine Mannschaften in Amsterdam, Alkmaar und Barcelona oft sehr ansehnlich gezeigt haben.

Und der neue Bayern-Trainer hätte am Mittwochnachmittag auch gleich noch etliche Leistungsträger für ihre Qualitäten hochtrabend loben können.

Wie es zumeist eben üblich ist bei Trainer-Vorstellungen.

Doch van Gaal wählte vor zirka 80 Journalisten und zehn Fernsehteams einen anderen Weg.

"Ich werde erst die Spieler beobachten, dann schauen, wie sie auf mich reagieren, dann erst das Spielsystem wählen", sagte der Niederländer.

Akribisch hat der 57-Jährige sich auf seinen Job vorbereitet. (Der Sommerfahrplan des FC Bayern)

In den vergangenen Wochen paukte er Deutsch - von "9 bis 18 Uhr" - mit beachtlichem Erfolg.

Champions League als großes Ziel

Souverän legte er seine Pläne dar, sprach vom Ziel, um die Meisterschaft mitzukämpfen und in der Champions League ins Viertelfinale zu kommen.

Langfristig könnte am Ende der "Periode van Gaal vielleicht, vielleicht der Gewinn der Champions League" stehen.

Der ganz große Erfolg also, auf den die Münchner seit 2001 so sehnlich warten.

Am Vormittag bewegte sich van Gaal auf dem Trainingsgelände derart dominant und stimmgewaltig, als würde er hier an der Säbener Straße seit Jahren das Sagen haben. (124325Die Bilder vom Trainingsauftakt)

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"Erstmal gut durchkommen"

Wenige Stunden später zeigte er sich vor den Reportern aber betont realistisch.

"In den ersten zwei Monaten müssen wir gut durchkommen, Punkte sammeln, wenig Verletzte haben", sagte der ehemalige niederländische Nationalcoach.

Die um sechs Neueinkäufe verstärkte Mannschaft müsse sich erst finden. Auch deshalb sei die erste gut zweistündige Einheit nur "ein leichtes Training, um uns kennen zu lernen" gewesen. (Bayern-Transfers: Tür zu - Hintertür auf)

Manager Uli Hoeneß war anzumerken, wie wohlwollend er diese Worte registrierte, nachdem zuletzt die Zeit des Trainer Jürgen Klinsmann ebenso euphorisch begonnen wie ernüchternd geendet hat.

Ein Trainer mit Lederhosenformat

"Der Draht war sofort da", sagte Hoeneß mit einem kurzen Blick auf van Gaal und gestand: "Wir sind sehr froh, dass wir Louis hier haben." Zumal der neue Cheftrainer sehr gut in die Lederhose passe, wie Hoeneß nach dem Blick auf eine Fotomontage ziemlich erfreut feststellte.

Und van Gaal erklärte, wie er seine Arbeit angehen möchte. Er orientiere sich am "ganzheitlichen Prinzip".

"Ich sehe nicht nur den Fußballer, der den Ball von A nach B schießt, sondern den Menschen, der durch sein Umfeld beeinflusst wird.

Mit eben jenem Umfeld dürfte van Gaal in München einiges zu tun bekommen, auch wenn er beinahe alle Fragen zur Kaderplanung weitgehend abblockte.

Zum von Real Madrid heftig umworbenen Superstar Franck Ribery meinte er nur, dass er "mit den besten Spielern" arbeiten wolle.

Monopoly mit Real Madrid

Umso genüsslicher erzählte Uli Hoeneß, wie er zuletzt am Telefon Pedro Jimenez, Berater von Real-Präsident Florentino Perez, die Regeln des Spiels "Monopoly" erklärt habe:

"Ich habe ihn gefragt, ob er das Spiel Monopoly kennt. Das ist ein deutsches Spiel, das Kinder und Erwachsene gerne spielen - und bei dem der FC Bayern vor zwei Jahren die Schlossallee gekauft und darauf vier Hotels gebaut hat. Die gibt man nur wieder her, wenn man in Not ist. Es sei denn, einer kommt drauf, der sich da hinwürfelt. Und dann wird's teuer."

Van Gaal präsentierte indes eine Möglichkeit, wie der FC Bayern längerfristig den höchsten Thron in Europa erobern könnte. "Vorbild muss der FC Barcelona sein" (zum Artikel), stellte er fest und lobte nicht etwa fußballerische Genies wie Lionel Messi, sondern sprach vom Mannschaftsgeist der Katalanen.

"Barcelona hat als Team gearbeitet"

"Sie haben gute Fußballer wie der FC Bayern, aber sie haben als Team gearbeitet. Jeder hat in seiner Teamfunktion gespielt. Das ist der Grund für den Erfolg." 115098(DIASHOW: Zu- und Abgänge des FC Bayern)

Erst der FC Barcelona, jetzt der FC Bayern.

Aus van Gaals Sicht ist die Kluft zwischen dem Champions-League-Sieger und dem deutschen Rekordmeister alles andere als unüberwindbar.

Auch wenn er nach der Pressekonferenz Reportern aus den Niederlanden in seiner Muttersprache dann doch ein kleines Geheimnis verriet.

Klar, sei die Medien-Resonanz in München schon enorm. Doch beim Amtsantritt in Barcelona hätten ihn 1997 bereits zig Journalisten am Flughafen abgefangen.

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