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"Die müssen sich doch mal den Frust von der Seele saufen. Wir haben doch früher auch auf dem Oktoberfest die Maßen reingelassen." (Über die Feier von Franck Ribery und Luca Toni in einer  Pizzeria)
Der Abgang von Franck Ribery (li.) beim FC Bayern rückt offenbar immer näher © getty

Der Franzose relativiert seine Wechsel-Gelüste und fühlt sich missverstanden. "Meine Aussagen wurden falsch interpretiert."

Von Christian Paschwitz

München - Aus seinen Abschiedsgedanken beim FC Bayern hatte Franck Ribery öffentlich bisher kaum einen Hehl gemacht. (zum Artikel)

"Ich will weg. Es wird Real oder nichts", war Münchens Superstar kürzlich wieder in der französischen Zeitung "L'Equipe" vorgeprescht, hatte das Wechseltheater um einen Abgang Richtung Spanien immer mehr befeuert.

Doch nun rudert Ribery plötzlich zurück - und fühlt sich missverstanden: "Ich habe nie gesagt, dass ich unbedingt weg will", sagte der Franzose in der "tz".

"Das waren nicht meine Worte, meine Aussagen wurden falsch interpretiert."

Und weiter: "Ich verstehe die ganze Diskussion nicht. Ich will keinen Streit mit dem FC Bayern. Diese Sache würde ich gerne klären."

Trotzdem kein klares Bekenntnis

Ein klares Bekenntnis, seinen bis 2011 laufenden Vertrag beim Rekordmeister zu erfüllen, kann und will Ribery trotzdem nicht abgeben: "Man muss jetzt einfach abwarten und falls es ein Angebot gibt sich unterhalten. Aber ich will jetzt nichts Falsches sagen."

Sein Interesse an Real Madrid ist nach wie vor gültig - auch, weil Riberys Ehefrau Wahiba München unbedingt verlassen will, heißt es.

Gleichwohl behauptet der 26-Jährige: "Meine Mentalität ist es, immer Gas zu geben."

Abgang provozieren?

Ribery täte ohnehin gut daran, in diesen Tagen eine professionelle Berufsauffassung an den Tag zu legen: Zuletzt unkten Kritiker gar, er wolle sich von den Bayern wegmobben, er täusche womöglich eine Verletzung vor.

Am Wochenende war den Verantwortlichen des FC Bayern angesichts Riberys Wechselgedanken der Geduldsfaden gerissen - und sie stellten dem Franzosen ein Ultimatum.

"Es muss bald vorbei sein. Wir müssen das Problem lösen", ließ Louis van Gaal via "Bild am Sonntag" verlauten. (van Gaal fordert Ende des Ribery-Pokers)

Dem neuen Trainer, erst fünf Tage im Amt, geht der Poker des wechselwilligen Ribery mächtig auf die Nerven. Die neuesten Meldungen aus Spanien dürften van Gaal die Stimmung noch mehr verhagelt haben.

"Im Fußball kann sich alles ganz schnell ändern"

Denn abermals unternimmt Real Madrid einen unverblümten Abwerbungsversuch: "Ribery ist ein großer Spieler, und Bayern will ihn nicht verkaufen", sagte Klubchef Florentino Perez dem spanischen TV-Sender "Cuatro".

Um dann nachzulegen: "Aber im Fußball kann sich alles ganz schnell ändern." Madrider Kampfansage, die nächste.

Passend dazu meldet der "Daily Star" nun, Real habe ein 64-Millionen-Euro Paket geschnürt, um Ribery zu holen.

Der spanische Rekordmeister, der bereits 220 Millionen Euro in neue Spieler investiert hat, bietet den Bayern als "personellen Ausgleich" darin Wesley Sneijder und Arjen Robben an.

Hintergrund: Die Niederländer stehen auf Reals Abschiebeliste. Wie auch ihre Landsleute Ruud van Nistelrooy, Rafael van der Vaart, Klaas Jan Huntelaar und Royston Drenthe.

Ein Angebot schon in dieser Woche?

Laut der Sportzeitung "AS" wird sich Madrids Unterhändler Pedro Lopez Jimenez schon bald bei den Bayern melden - und ein Angebot für Ribery abgeben, "das die Bayern nicht ausschlagen können".

Die Bayern dürften gespannt sein. (Ribery-Theater hat Folgen)

Die Frage lautet inzwischen ohnehin: Wie lang haben die Bayern überhaupt noch Lust, ihren Mittelfeld-Exzentriker einen Verbleib in München schmackhaft zu machen?

Schlimmstenfalls könnte sich das Schachern bis zum 31. August hinziehen, dann endet die Wechselfrist.

Hoeneß wartet auf "verrückte Dinge"

Möglicherweise geht aber alles viel schneller - sofern die Bayern für den lustlosen Ribery die Ablösesumme bekommen, die die bisherige Verweigerungshaltung praktisch unmöglich machen.

Ist das zermürbende Nervenspiel etwa schon in der kommenden Woche beendet, wenn Real ganz tief in die Tasche greift?

"Nur, wenn jemand im Fall Ribery ganz verrückte Dinge machen sollte, werden wir uns damit befassen?, hatte Bayern-Manager Uli Hoeneß kürzlich erklärt.

Was den Millionen-Deal mit integriertem Tauschgeschäft indes besonders schmackhaft machen würde: Statt der Diva Ribery hätten die Münchner mit Sneijder und Robben plötzlich zwei exzellente Offensiv-Akteure in ihren Reihen, die auch noch mal einen Markwert von jeweils rund 30 Millionen Euro aufweisen.

Auch Chelsea buhlt um Sneijder

Sneijder wird laut "News of the World" allerdings auch vom FC Chelsea umworben, der obendrein Außenspieler Yuri Zhirkov von ZSKA Moskau an der Angel hat - an dem Russen waren kürzlich auch die Bayern interessiert.

Ob in der kommenden Saison mit oder ohne Ribery, Sneijder und Robben: So oder so will van Gaal seine Kader verkleinern ("27 Spieler sind zu viel"). (Der Sommerfahrplan des FC Bayern)

Auf Abschied stehen die Zeichen bei Tim Borowski, Christian Lell, Breno, Andreas Ottl - und womöglich gar bei Luca Toni.

Wenngleich der Italiener mit einer Kampfansage aus dem Urlaub aufhorchen ließ: "Wer neben mir stürmt, ist mir egal", ließ er Mario Gomez, Ivica Olic, Miroslav Klose und Thomas Müller wissen.

Toni: Kampfansage plus Ribery-Plädoyer

Und zu Ribery erklärte Toni: "Franck ist der beste Spieler der Welt! Ich wünsche mir, dass Bayern nicht die besten Spieler verkauft, sondern die besten Spieler kauft. Er sollte bei Bayern bleiben."

Schwierig nur, wenn der offenbar nicht mehr so richtig will, in Madrid auf ihn auch sein Kumpel Karim Benzema wartet.

Dass Ribery am Sonntag nun wieder ins Bayern-Training eingestiegen ist und seine Achillessehnen-Probleme überwunden sein sollen, wird die Bayern da auch kaum beruhigen wie seine nun beschwichtigende Worte. (van Gaals erster Machtkampf)

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