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Edson Braafheid trägt beim FC Bayern das Trikot mit der Nummer vier © getty

Mit dem Transfer des Niederländers ergeben sich für die Bayern wieder ganz neue Defensiv-Möglichkeiten. Sport1.de stellt ihn vor.

Von Christian Paschwitz

München - Er ist der Linksfuß, der dem FC Bayern in der Defensive schon so lange fehlt seit dem Abgang von Marcell Jansen in der Vorsaison.

Und mit Edson Braafheid könnte der universell einsetzbare "Lückenbüßer" Philipp Lahm auch wieder auf seinen angestammten rechten Flügel wechseln.

Bayerns neuer Niederländer neben dem Trainer könnte eine vielversprechende Verstärkung werden.

Immerhin ist der vom FC Twente Enschede für zwei Millionen Euro kommende Braafheid der Wunschspieler von Louis van Gaal, der ihn allzu gut aus seinen Auftritten in der Ehrendivision kennt.

"Großer Schritt"

Auch wenn der 26-jährige Verteidiger den eigenen Status eher bescheiden versteht, wie er gegenüber Sport1.de erklärt: "Es ist für mich ein großer Schritt zu den Bayern. Ich muss in jeder Trainingseinheit kämpfen, um in die erste Mannschaft zu kommen."

Ein großes Ziel sieht er jedoch schon jetzt verwirklicht: "Für mich wird hier bei Bayern ein Traum wahr. Ich kann es kaum glauben. Das hier ist das, was sich jeder wünscht."

Sport1.de stellt den frischgebackenen Nationalspieler vor, skizziert seine Stärken und Schwächen.

Das kann er schon:

Braafheid, der als Sechsjähriger nach Holland kam, in Amsterdam aufwuchs und vor seinem Engagement bei Twente für den FC Utrecht kickte, gilt als körperlich robust und solide ausgebildet.

So oft es geht, sucht er Spielsituation zu antizipieren und "mit Auge" zu lösen. Weshalb Braafheid auch nicht ständig in Zweikämpfe verwickelt ist und sich kaum Verwarnungen einhandelt.

"Ich kann, glaube ich, auch ganz gut die Linie runtermarschieren", sagt der Mann aus Surinam, der im Training schon so seine Erfahrungen mit Miroslav Klose gesammelt hat: "Der ist ganz schön schnell und stark."

Braafheid, der in der Kabine neben Franck Ribery sitzt, vertraut zudem seiner Wendigkeit, kann sich gerade im Eins-Gegen-Eins gut behaupten.

Für den dunkelhäutigen Kicker spricht zudem seine Kommunikationstärke: "Ich weiß, wie wichtig es ist, die deutsche Sprache zu sprechen - gerade, wenn man in der Verteidigung spielt."

Darum hat Braafheid auch schon einen Sprachkurs gebucht.

Das muss er noch lernen:

Auch wenn es Braafheid als Vorteil sieht, "dass der Trainer wie ich aus Holland kommt": Fußballerisch wird er zulegen müssen, um zu bestehen im Konkurrenzkampf - gegen Martin Demichelis, Daniel van Buyten und Lucio, sofern der bleibt (Lucio vor Wechsel nach England).

Vor allem dann, wenn Braafheid tatsächlich als Innenverteidiger agiert statt in seiner Lieblingsrolle als linker Verteidiger.

Dafür gibt's auch einen ganz simplen Grund: Mit 1,76 Zentimetern hat der Niederländer alles andere als Gardemaß für die zentrale Position.

Landsmann Mark van Bommel ("Er ist ruhig, auf dem Platz aber aggressiv") sagt zwar: "Fabio Cannavaro ist auch nicht groß."

Braafheid selbst scheut vor derlei Vergleichen wie mit dem italienischen Weltmeister jedoch zurück und meint: "Ich muss vor allem an meinem Kopfballspiel und an meiner Sprungkraft arbeiten."

Das Gleiche gilt für den langen Ball bei der Spieleröffnung.

Abzuwarten bleibt, wie Braafheid sich auf internationalem Klub-Parkett gegen die Superstars behaupten wird.

Zu Buche stehen allein zwei Länderspiele und neun UEFA-Cup-Partien. Zwei Mal durfte er sich bisher in der Champions-League-Qualifikation behaupten.

So kommt er daher:

Braafheids linken Oberarm schmückt eine riesige Tätowierung. In Erinnerung an einen guten Freund, der vor zwei Jahren bei einem Verkehrsunfall starb.

"Es soll zeigen, dass jemand nur dann tot ist, wenn man ihn vergisst. Solange man sich an ihn erinnert, lebt er weiter", sagt der religiöse Niederländer, in dessen Haut auf dem rechten Bizeps außerdem ein Skorpion geritzt ist.

Braafheid, zudem ausstaffiert mit zwei "Brillis" im Ohr, Freundin und zwei Kindern (noch in Holland), wirkt sehr positiv und gewitzt. Er lacht viel.

Bayerns Mediendirektor Markus Hörwick fühlt sich dabei schon erinnert an die Ausstrahlung des früheren Publikumslieblings Sammy Kuffour (1994 bis 2005).

Wenn er hinten nun auch noch so dicht macht wie der ehemalige Abwehr-Haudegen, sollte Braafheid in München wirklich angekommen sein...

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