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Demba Ba begann 2005 seine Profikarriere beim FC Rouen © imago

Nach seinem geplatzten Wechsel-Poker stellt sich die Frage, ob Fans und Kollegen den Stürmer noch respektieren.

Von Christian Paschwitz

München - Er wollte unbedingt international spielen, am liebsten natürlich gleich in der Königsklasse.

Doch nun ist das Dauerthema vom Tisch: Demba Ba muss bei 1899 Hoffenheim bleiben - weil sich der Wechsel zum VfB Stuttgart zerschlagen hat.

Zu groß war den Schwaben das Risiko einer Verpflichtung hinsichtlich des körperlichen Zustands des Stürmers.

Hintergrund: Ba laboriert seit Wochen an einer Wunde am operierten Schienbein.

Der Senegalese war deshalb am Donnerstag erneut in einer Klinik in Ludwigshafen untersucht worden. Die Stuttgarter schreckten danach zurück vor einer Verpflichtung.

Wie reagieren die Fans?

Auch, weil der 24-Jährige womöglich in der wegweisenden Champions-League-Qualifikation nicht fit gewesen wäre.

Zurück bleibt jedoch nicht nur Bas geplatzter Wunschtraum von der Königsklasse. (zum Artikel: Ba-Wechsel geplatzt)

Sondern auch die spannende Frage, wie sich die künftige Zusammenarbeit des Angreifers mit dem alten Arbeitgeber ausnehmen wird.

Denn auch wenn Trainer Ralf Rangnick meint: "Wenn er Tore für uns schießt, werden die Fans auch das Theater schnell vergessen."

Unglaubwürdiger Torjubel

Das "menschliche Porzellan", dass Ba im Kraichgau mit seinen unverhohlenen Wechsel-Gelüsten zerschlagen hat, ist beträchtlich. Beim Verein war man seit Wochen genervt von Bas Eskapaden.

Den Status als Publikumsliebling dürfte Ba damit los sein. Jeder künftige Torjubel im 1899-Trikot wirkt zwangsläufig unglaubwürdig, vielen ist der Poker als miese Zocker-Mentalität vorgekommen.

"Ich möchte aus Hoffenheim weg und in Stuttgart unterschreiben. Das Angebot aus Stuttgart hat dies beschleunigt", hatte Ba zuletzt immer wieder gesagt.

Mindestens 13 Millionen Euro lockerzumachen, um Ba zu verpflichten, war der VfB am Ende dennoch nicht bereit.

"Brauche einen Tapetenwechsel"

Für Kopfschütteln und Irritationen sorgten Bas weitere Aussagen: "Auch wenn ich noch zwei Jahre Vertrag in Hoffenheim habe, brauche ich einen Tapetenwechsel und eine neue Herausforderung."

Bas Reputation ebenso geschwächt haben dürfte sein jüngstes Statement, in dem er seinen Abgang nach Stuttgart quasi schon vor vollendeten Tatsachen sah:

"Bis auf kleine Details" sei alles zwischen ihm und dem VfB geklärt.

Dass gerade der Angreifer, der in der vergangenen Saison stets auf den Hoffenheimer Temspirit schwor, nun eigentlich widerwillig beim Herbstmeister seiner Arbeit nachgehen wird, ist dem Vernehmen nach auch bei den Mannschaftskollegen nicht gut angekommen sind.

Die Scherben halbwegs wieder kitten kann Ba nur durch Leistung.

Noch wochenlange Zwangspause

Dazu muss der 1,90 Meter große Angreifer, der in der abgelaufenen Spielzeit 14 Treffer in 33 Spielen erzielte, jedoch erst einmal wieder körperlich auf die Beine kommen.

Nachdem ihm im Mai ein nach einem Schien- und Wadenbein-Bruch eingesetzer Titannagel entfernt wurde, ist an Training derzeit nicht zu denken. Einer unzureichend verheilten Wundheilung wegen.

Auch bei Hoffenheims peinlicher Testspiel-Niederlage gegen den Regionalligisten SG Sonnenhof Großaspach (0:1) blieb Ba außen vor (zum Aritkel: Pleite bei Ibisevic-Comeback).

Während Sturmpartner Vedad Ibisevic von Rangncik Lob und Zuspruch bekam, weil er "in zwei, drei Situationen schon aufblitzen" ließ, "was er drauf hat."

"Ich denke, dass es noch zwei Wochen dauert, ehe Ba mit Lauftraining beginnen kann", so Rangnick am Montag im "kicker". "Für volles Training drei Wochen."

"Resozialisierung" mit Vorgaben

Im Moment ist laut Manager Jan Schindelmeiser allein ein Reha-Programm möglich.

Bei seiner "Resozialisierung" bekommt Ba nun eine zweite Chance - aber nicht ohne Vorgaben. So soll sich Ba von seinem Berater trennen, "Millionenflüsterer" Karim Aklil.

"Mit dem Berater werden wir nicht mehr zusammenarbeiten", so Schindelmeiser, der Ba immerhin ohne die ganz großen Vorbehalte empfangen will: "Wenn er sich klug verhält, ist das reparabel."

Rangnick wiederum meint: "Klar ist aber auch, dass er sich das Vertrauen zurückerarbeiten muss."

Bei Hopp bleibt was hängen

Dass bei den Hoffenheimer Verantwortlichen der Respekt vor Ba arg ramponiert ist, zeigt nicht zuletzt eine Aussage von Klub-Mäzen Dietmar Hopp.

Der erklärte kürzlich: "Das soll jetzt alles vergessen sein? Hätte er versagt, wäre er, vier Jahre die Hand aufhaltend, gerne in Hoffenheim geblieben."

Worauf Hopp abhob: Hoffenheim war im Sommer 2007 bei Bas Verpflichtung vom belgischen Klub Excelsior Mouscron ein hohes Risiko eingegangen.

Ba hatte seinerzeit gerade den nun wieder Kummer bereitenden Schien- und Wadenbeinbruch auskuriert, bekam bei 1899 eine neue Chance.

Die Dankbarkeit darüber vermisst Hopp nun. So wie Ba die Erfüllung seines Traums von der Champions League mit einem anderen Verein.

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