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Franck Ribery erzielte in der Bundesliga bislang 17 Tore in 43 Spielen © imago

Der FC Bayern muss verhandeln, denn Real hat in Sachen Ribery noch ein Ass im Ärmel: Artikel 17 der FIFA-Transferregelung.

Von Daniel Rathjen

München - Nach außen geben sich die Verantwortlichen gelassen.

"Wir sind sehr entspannt. Denn das Heft des Handelns liegt beim FC Bayern", sagt Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandsboss des deutschen Rekordmeisters zu Sport1.de.

"Wir sind geduldig. Es bleibt noch viel Zeit", entgegnet Emilio Butragueno, Mitglied der neuen Vereinsführung von Real Madrid.

Doch hinter den Kulissen tobt der Kampf um den Wechsel von Franck Ribery mehr denn je.

Gezielte Zermürbungstaktik

Mit einer gezielten Zermürbungstaktik wollen Real und Ribery offenbar den FC Bayern zum Nachgeben drängen.

Nach der neuesten Entwicklung könnten die Münchner nun sogar zum Verhandeln gezwungen sein - in diesem Jahr.

Für einen Spottpreis nach Spanien

Ansonsten könnte der französische Superstar am Ende der Saison tatsächlich für den Spottpreis von circa fünf Millionen Euro nach Spanien abwandern!

Was sich unglaublich anhört, zumal der 26-Jährige in München noch einen Vertrag bis 2011 besitzt, ist durchaus möglich (Der Sommerfahrplan des FC Bayern).

Denn Artikel 17 der FIFA-Transferregelung ist beim Poker das große Ass im Ärmel der Real-Verantwortlichen und dem Berater-Clan um Ribery.

Der Passus besagt, dass ein Spieler vor Vollendigung seines 28. Lebensjahres dann einen Verein ungeachtet eines bestehenden Vertrages verlassen kann, wenn er zum einen bereits drei Jahre bei dem abgebenden Verein unter Vertrag stand.

Das wäre bei "König Franck", der 2007 für 25 Millionen Euro von Olympique Marseille nach München wechselte, im kommenden Jahr der Fall.

Poker um Ablöse

Als Entschädigung würden den Bayern Gelder in genau der Höhe zufließen, die bis zum ursprünglich vereinbarten Vertragsende noch an Gehältern an den wechselwilligen Profi zu zahlen gewesen wären.

Bei Riberys fürstlichem Salär wären das eben ungefähr fünf Millionen Euro. Kein Vergleich aber zu der Summe, die noch bei einem Transfer in diesem Sommer zu erzielen wäre.

Die Bayern fordern mindestens 80 Millionen Euro Ablöse, Real hat laut der spanischen Sportzeitung "As" angeblich 55 Millionen Euro für Ribery zurückgelegt.

Auch Barca will wieder mitbieten

Möglich ist auch, dass sich der FC Barcelona noch einschaltet, nachdem es mit der Verpflichtung von David Villa nicht geklappt hat.

Zusätzlich zur Ablöse wollen die Katalanen noch Alexander Hleb und Eidur Gudjohnsen dazu geben.

Doch Ribery hatte bereits mehrfach betont: "Es wird Real oder gar nichts."

Bislang hat sich noch kein Bundesliga-Spieler unter Berufung auf Artikel 17 von einem Verein verabschiedet.

Erinnerungen an Webster

So richtig berühmt wurde der Artikel erst im Februar 2008 durch den Wechsel von Andy Webster von Heart of Midlothian zu Wigan Athletic.

Webster war vor den CAS (den obersten Sportgerichtshof) gezogen, hatte sich auf das FIFA-Regelwerk berufen und sich aus seinem Vertrag geklagt.

Der 28-Jährige wurde lediglich zur Zahlung der noch ausstehenden Gehaltszahlungen an seinen Ex-Klub verurteilt. Von einem neuen Bosman-Urteil war die Rede.

Die European Club Association (ECA), dessen Präsident pikanterweise Rummenigge ist und der 153 Vereine angehören, war alarmiert und einigte sich darauf, diese Option einfach nicht zu berücksichtigen.

Bei Abschlüssen von Spielerverträgen werden zwar die FIFA-Transferbedingungen regelmäßig als Grundlage bestimmt, doch - unter anderem Artikel 17 - bei Vertragsunterzeichnung ausgeschlossen oder individuell geregelt.

Damit verliert die FIFA-Regelung ihre Gültigkeit.

Berater wittern ihre Chance

Genau an diesem Punkt setzen aber nun Riberys Berater und Real an und benutzen Artikel 17 offenbar als Druckmittel.

Als Verstärkung haben sie sich jetzt anscheinend die FIFPRO ins Boot geholt.

Die internationale Spielergewerkschaft pocht auf die Einhaltung aller FIFA-Regeln.

"Die ECA verbietet den Spielern, sich dem Verein ihrer Träume anzuschließen, obwohl dies möglich ist. Das ist rechtswidrig", lässt Gerardo Gonzalez Movilla, Präsident der FIFPRO verlauten.

Wil van Megen, Anwalt von FIFPRO, behauptet: "Die Machenschaften der ECA erinnern an ein Kartell und sind inakzeptabel. Wir werden bei FIFA und Europäischer Kommission vehement dagegen vorgehen."

FIFPRO schaltet sich ein

Gleichzeitig kündigt die Spielervereinigung an, Ribery volle Unterstützung bei seinem Wechselvorhaben zu gewährleisten.

Die FIFA hatte zwar angekündigt, den schwammig formulierten Artikel 17 zu modifizieren und den Vereinen damit entgegen zu kommen.

Doch in Kraft getreten ist die überarbeitete Version noch nicht. Momentan gilt Artikel 17 - gerade auch im Tauziehen um Ribery.

Real ist bekannt dafür, bei Transferverhandlungen rigoros vorzugehen. Das Geschäftsgebaren ist international weit weniger kollegial als innerhalb der Bundesliga.

"König Franck" selbst äußert sich derzeit nicht. Er kann nicht spielen und trainieren, weil ihn eine Schleimbeutelentzündung im Knie lahm legt.

Ob er jemals wieder für den FC Bayern zaubern wird, ist nach wie vor zweifelhaft.

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